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Solaranlagen werden deutlich günstiger Neuer Aufschwung für den Sonnenstrom

Nach Jahren der Flaute tut sich wieder was bei den Installationen von Solaranlagen. Gesetzesänderungen, sinkende Kosten und ein Bewusstseinswandel bei den Nutzern sorgen für einen neuen Aufschwung. Wie dies die Branche selbst erlebt und wer profitiert.

Vom nächsten Solarboom sind wir derzeit zwar noch weit entfernt, doch nach Jahren, in denen das Interesse am Solarstrom sank, kommt nun ein neuer Aufschwung – und das nicht durch ein neues, staatliches Förderprogramm. Die Gründe liegen zum einen in gesunkenen Preisen bei den Solaranlagen und sogleich gestiegenen Stromkosten. Zum anderen ist in der Branche ein Bewusstseinswandel der Verbraucher spürbar.

"Die Tatsache, dass sich PV-Anlagen eben doch rechnen, ist langsam in der breiten Masse angekommen", sagt Cora Jung von der Firma Ludwig im hessischen Ulrichstein. Das Handwerksunternehmen installiert derzeit im Schnitt acht bis zehn neue Anlagen im Monat und zusätzlich bis zu acht Stromspeicher, denn auch bei dieser Technik zieht die Nachfrage an.

Die vergangenen Jahre beschreibt Jung dagegen als Berg- und Talfahrt was den Solar-Bereich betrifft. Zwar hatte die Firma immer gut zu tun, da sie breit aufgestellt ist und unter anderem auch um den Ofenbau, um Bäder und Heizungen kümmert, doch: "Die politischen Rahmenbedingungen haben einen entscheidenden Beitrag dazu geleistet, dass es immer wieder Einbrüche gab und entsprechend rückläufige Nachfragen zu verzeichnen waren."

Stromkosten steigen, Anlagenpreise sinken

Dass sich derzeit wieder etwas ändert, spürt auch das Elektrohandwerk. "Es geht wieder leicht aufwärts statt ins Minus", sagt Andreas Habermehl vom Zentralverband der E-Handwerke. Dabei hat er eindeutige Rückmeldungen aus der Branche dazu, dass nun vor allem diejenigen eine Solaranlage – inklusive Speicher – installieren lassen, die damit die eigenen Stromkosten senken wollen.

Dass nun die Investition in die eigene Solarstromanlage für private und auch gewerbliche Investoren wieder attraktiv wird, liegt auch nach Ansicht des Bundesverbands der Solarwirtschaft (BSW Solar) vor allem an der wachsende Erkenntnis, dass Solarstrom vom Eigenheim- oder Gewerbedach preislich in der Regel nur noch halb so hoch liegt wie die herkömmlichen Stromtarife vom regionalen Versorger. Dass die Politik ständig an kleinen Schrauben bei der Förderung dreht, verliert mehr und mehr an Bedeutung für die Nutzer. Die Förderung blieb in den letzten Jahren vielmehr weitgehend stabil.

Solarstrom: Die Nachfrage steigt

Die neu installierte Leistung liegt im ersten Quartal 2017 nach Angaben des BSW Solar rund 65 Prozent über dem Wert des Vorjahreszeitraums. Aus heutiger Sicht seien in Deutschland 2017 Photovoltaik-Neuinstallationen mit einer Leistung von zwei Gigawatt möglich – nach einem Zubau von 1,5 GW im Jahr 2016.

 

"Der Eigenverbrauch des selbst erzeugten preiswerten Solarstroms bringt primär die Rendite", sagt Carsten Körnig, der Hauptgeschäftsführer von BSW Solar. Die Abhängigkeit von der Förderung sei gesunken. Lediglich der Überschussstrom, der nicht direkt verbraucht wird, wird deshalb weiter ins öffentliche Stromnetz eingespeist und mit einem gesetzlich garantierten Einspeisetarif für zwanzig Jahre vergütet. Nur PV-Anlagen im Kraftwerksmaßstab (ab 750 Kilowattpeak) müssen für die Erlangung dieser Förderberechtigung inzwischen an Auktionen teilnehmen. 

Ähnlich argumentiert auch Cora Jung: "Für viele stellt eine PV-Anlage die deutlich bessere Alternative für eine Kapitalanlage dar, da von den Banken für konservative Geldanlagen kaum noch nennenswerte Rendite ausgeschüttet wird", sagt sie und weist nochmals auf die Stromspeicher hin, die den Solaranlagennutzern Unabhängigkeit versprechen – ihrer Erfahrung nach ein weiteres wichtige Argument ihrer Kunden für die Investition in eine solche Anlage. Durch die Nutzung etwa von virtuellen Cloud-Speichern seien 100 Prozent Unabhängigkeit schon heute möglich. 

Unabhängigkeit und Umweltschutz wichtig

Unabhängigkeit von den großen Stromkonzernen gewinnt an Bedeutung, denn die Strompreise steigen weiterhin stetig an. Eigenheimbesitzer und kleine Betriebe, die selbst Stromkosten sparen wollen, sind deshalb diejenigen, die heute auf eine PV-Anlage setzen. Die Firma Ludwig installiert deshalb vor allem Anlagen mit Leistungen knapp unter 10kWp bzw. im gewerblichen Bereich Anlagen bis 30 kWp. 

Doch neben der Unabhängigkeit spielt laut Cora Jung durchaus der Gedanke des Umweltschutzes eine Rolle bei der Investition. Leichter macht dies zudem, dass die Systempreise deutlich gesunken sind – laut BSW Solar um bis zu 70 Prozent in den vergangenen zehn Jahren. Andreas Habermehl spricht von Preisen, die derzeit pro kWp rund 200 bis 300 Euro niedriger liegen als noch im vergangenen Jahr. "Bei einer durchschnittlichen Anlagengröße von fünf kWp sind das über 1.000 Euro für eine komplette PV Anlage", erklärt er. 

Solarheizungen brauchen Förderung 

Im Wärmesektor sieht alles dagegen etwas anders aus, denn hier sind es weder gestiegene Kosten, die zur Installation einer Solarheizung motivieren noch hat sich die Bundesregierung vom Fördern verabschiedet – im Gegenteil. Um trotz gesunkener Öl- und Gaspreise die Energiewende auch im Wärmsektor zu befeuern, hat die Bundesregierung in den letzten Jahren die Fördersätze für Solarheizungen spürbar erhöht. 

"Im letzten Jahr wurden immerhin rund 100.000 neue Solarthermie-Systeme installiert", sagt Carsten Körnig. Wer etwa im Einfamilienhaus eine solarthermische Anlage zur Heizungsunterstützung nachrüsten wolle, wird mit bis zu 3.600 Euro staatlich unterstützt. Im Gewerbe/in der Industrie wird die Investition in eine eigenes Solarthermie-System für die Erzeugung von solarer Prozesswärme mit bis zu 50 Prozent der Investitionskosten gefördert. 

"Kein Grund, die Photovoltaik weiter zu deckeln" 

Trotz dieser positiven Entwicklung fordert die Solarwirtschaft dennoch einige Nachbesserungen von der Politik. „Gemessen an den von der Bundesregierung maßgeblich mit getragenen Pariser Klimabeschlüssen müsste das Ausbautempo bei PV-Anlagen und Solarheizungen nach Einschätzung der Wissenschaft jedoch zeitnah verdrei- bis verfünffacht werden“, gibt Carsten Körnig zu bedenken. 

Vor dem Hintergrund der geringen Erzeugungskosten geben es keinen Grund mehr, die Photovoltaik weiter zu deckeln. „Ein jährliches Ausbauziel von lediglich 2,5 Gigawatt ist nicht zuletzt vor dem Hintergrund des steigenden Ökostrombedarfs im Mobilitätssektor keinesfalls mehr zeitgemäß“, sagt der BSW-Solar-Geschäftsführer. Es sei höchste Zeit, den Fuß von der Bremse zu nehmen. 

Gleichzeitig sollten bürokratische Hemmnisse und Abgaben für Ökostromproduzenten zum Beispiel innerhalb der Wohnungswirtschaft gesenkt und nicht erhöht werden. "Dies könnte der Solartechnik zum Beispiel bei Millionen von Mietern ganz neue Marktsegmente erschließen", so Körnig. 

Erst kürzlich hat das Bundeskabinett das sogenannte Mieterstromgesetz verabschiedet, das Vermieter dazu ermuntern soll,  Photovoltaikanlagen und Blockheizkraftwerke (BHKW) zu installieren. So sollen künftig mehr Mieter Solarstrom und Strom aus BHKW nutzen, der vor Ort produziert wird, und finanziell von einer Mieter-Solarstromförderung profitieren.

Woche der Sonne

Vom 17. bis zum 25 Juni 2017 findet die diesjährige "Woche der Sonne" statt. Die Aktionswoche von Handwerksbetrieben, Vereinen, Kommunen und anderen regionale Initiativen soll mit zahlreichen Veranstaltungen für den Umstieg auf Solarenergie, Holzpellets und Wärmepumpen werben und dabei neue Unterstützer und Kunden gewinnen. Wer mitmachen will, kann sich über den zentralen Kalender der Organisatoren informieren oder eigene Veranstaltungen hier eintragen. Infos gibt es unter woche-der-sonne.de.

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