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Teamarbeit im Betrieb optimieren Mitarbeiterführung: Perfekt arbeiten im Team

Ein engagiertes Team will jeder Chef, doch oft erschweren schlechte Kommunikation oder Demotivation die Zusammenarbeit. Mit moderner Führung und optimaler Teamzusammensetzung lässt sich das ändern.

Den Betrieb hat Sabine Wiedmann von ihrem Vater übernommen, seinen Führungsstil nicht. Der Senior hatte "von oben durchdelegiert", dass Mitarbeiter zum Teil gegeneinander arbeiteten wurde nie offen geklärt. Tochter Sabine wollte so nicht weitermachen, sie wünscht sich von ihrem Team Eigenverantwortung und einen fairen Umgang. "Ich möchte, dass jeder mitdenkt und Feedback gibt, was draußen los ist", sagt die Chefin von Wiedmann Holzleimbau im südbadischen Rheinfelden-Minseln. Heute wird im Betrieb offen kommuniziert. Geschäftsleitung, Führungskräfte und Arbeitsgruppen besprechen sich regelmäßig: Was ist gut gelaufen? Wo gibt es Probleme bei der Zusammenarbeit? Auch die Chefs – Sabine Wiedmann und ihr Mann Ralf Burgert – berichten offen über die Auftragslage, jeder der 30 Mitarbeiter weiß, wo sich der Betrieb anstrengen muss.

Ein solcher teamorientierter Führungsstil setzt sich im Handwerk vor allem bei jüngeren Chefs immer mehr durch. Mitarbeiter sollen und wollen heute Verantwortung übernehmen und auf Augenhöhe miteinander arbeiten. Doch so erwünscht gut funktionierende Teams sind, in der Praxis fühlen sich viele Chefs als würden sie einen Sack Flöhe hüten. "Leute arbeiten gegeneinander, es bilden sich Grüppchen oder es fehlt die Motivation", hat Business-Coach Johann Bertele von der Firma Progressive Coaching in vielen Betrieben beobachtet. Im Extremfall gefährde diese "negative Teamarbeit" sogar die Existenz des gesamten Betriebs. Der Gallup-Engagement-Index 2015 zum Arbeitsumfeld und Führung in Deutschland unterstreicht diese Einschätzung. Demnach entstehen durch "innere Kündigung" jedes Jahr volkswirtschaftliche Kosten von bis zu 95 Milliarden Euro. Bezogen auf die Beschäftigten im Handwerk heißt das: Ein Team aus "Dienst-nach-Vorschrift-Machern" kostet jeden Unternehmer rund 12.000 Euro im Jahr.

Sich auf klare Werte verständigen

Um statt des Sacks Flöhe einen effizienten Ameisenhaufen zu organisieren, müssen im ersten Schritt gemeinsame Ziele, Spielregeln und Wege der Kommunikation vereinbart werden. Oft zeigen sich hier bereits grundlegende Defizite, wie Coach Johann Bertele beobachtet hat: "Ist etwa in Teams keine Wertschätzung vorhanden, gerät die gemeinsame Sache schnell aus dem Blick." Betriebe sollten sich deshalb auf klare Werte, wie gegenseitige Achtung und offene Kommunikation verständigen – und deren Umsetzung immer wieder trainieren. "Diese Entwicklung braucht Zeit und Pflege."

Im Betrieb von Sabine Wiedmann waren etwa viele Mitarbeiter nicht gewohnt, offen über Probleme zu reden. "Immer wieder gab es auch Missverständnisse", erinnert sich die Unternehmerin. Sie selbst musste lernen, "mit klaren Aussagen eine eindeutige Linie zu verfolgen". Heute freut sich Wiedmann über den Erfolg ihrer Führung: "Die Stimmung ist besser geworden. Vom Azubi bis zum Meister weiß jeder: Alle sind wichtig." Das wirkt sich direkt auf die Zusammenarbeit aus. "Es gibt weniger Fehler und Kompetenzgerangel. Bei Auftragsspitzen unterstützen sich die Arbeitsgruppen gegenseitig."

Neben einer gemeinsamen Basis an Werten, spielt aber auch die richtige Zusammensetzung des Teams eine große Rolle. Vor allem persönlichen Eigenschaften sind hier entscheidend: "Am besten funktionieren Teams, die gemeinsame Werte teilen und an einem Strang ziehen, aber aus unterschiedlichen Persönlichkeitstypen bestehen", erklärt Unternehmensberater Frank Scheelen. Ein beliebter Fehler sei, Positionen nach Sympathie zu besetzen: Menschen mit gleichen Verhaltensweisen erzeugen zwar Harmonie, Ideenvielfalt und Effizienz bleiben aber auf der Strecke.

Positionen nicht nach Symphatie besetzen

Mit Hilfe spezieller Diagnose-Tools, etwa dem vom Scheelen-Institut angebotenen Online-Test "Insights MDI", lassen sich Persönlichkeitstypen schnell bestimmen. Ziel ist, Mitarbeiter typgerecht einzusetzen und zu motivieren, zum Beispiel indem man sie von ungeliebten – weil ihrem Wesen fremden – Aufgaben entlastet. Das Wissen um Motive verbessere nachhaltig die Kommunikation und den Umgang im Team, sagt Scheelen. "Man bekommt eine Gebrauchsanweisung für den Kollegen."

Mitunter gerät Teamarbeit jedoch auch an Grenzen. Dann nämlich, wenn nur noch über Arbeit gesprochen wird, anstatt sie zu machen. So lenken E-Mails mit großen Verteilern, WhatsApp-Gruppen oder ständige Meetings oft mehr von der Arbeit ab, als der gemeinsamen Sache zu dienen. Managementforscher empfehlen deshalb zum Beispiel Kommunikationsprozesse in Teams zu verschlanken und ausreichend Raum zu schaffen für konzentriertes Arbeiten.

Sabine Wiedmann und ihr Führungsteam haben etwa ihren regelmäßigen Dienstagmorgen-Treff abgeschafft. Heute finden kurzfristig einberufene Treffen immer dann statt, wenn "Probleme oder Informationen zu besprechen sind".

Wie Sie Ihre Teamarbeit optimieren

Ziele festlegen: Definieren Sie im Team Ziele und Werte, in denen sich jeder wiederfindet (z.B. Ausbau des Betriebs und Erhalt der Arbeitsplätze, Fairness in der Zusammenarbeit usw.). Erarbeiten Sie gemeinsam Pläne und Vorgehensweisen, wie sich diese Ziele erreichen lassen. Besprechen Sie in Einzelgesprächen, welches Engagement Sie sich von jedem Mitarbeiter wünschen. Auch Ihre Beschäftigten formulieren Ziele und benennen Schritte, um diese zu erreichen.

Regeln: Gute Zusammenarbeit braucht klare Spielregeln und die Disziplin diese einzuhalten. Verdeutlichen Sie jedem Mitarbeiter, wie wichtig etwa regelmäßige Besprechungen oder das Einhalten von Terminen sind. Gehen Sie als Chef mit gutem Vorbild voran, indem Sie sich etwa an Vereinbarungen halten oder Änderungen und Fehler offen kommunizieren.

Kommunikation: Sorgen Sie für einen regelmäßigen, offenen und ehrlichen Austausch von Informationen. Im Mittelpunkt steht die Sache, achten Sie jedoch auch darauf wie etwas gesagt wird (Tonfall, Haltung, Sprache). Ermutigen Sie Ihre Mitarbeiter bei Unklarheiten nachzufragen und konstruktiv mit Fehlern umzugehen.

Eigenverantwortung: Beschreiben Sie den Gestaltungsspielraum der Teammitglieder genau. Diese "Leitplanken" können je nach Person unterschiedlich eng gesetzt sein, z.B. engere Vorgaben für Azubis. Kümmern Sie sich innerhalb dieser Grenzen nur um ernsthafte Schwierigkeiten. Fördern Sie die Entwicklung Ihrer Mitarbeiter und bringen Sie Wertschätzung und Lob zum Ausdruck. Versuchen Sie Beschäftigte entsprechend ihrer Persönlichkeit einzusetzen und ggf. von bestimmten Aufgaben zu entlasten.

Konzentriert arbeiten: Organisieren Sie die Teamarbeit so, dass jeder ausreichend informiert ist, aber durch Besprechungen, E-Mails usw. nicht unnötig von der Arbeit abgehalten wird. Versuchen Sie etwa Meetings möglichst kurz zu halten und Verteiler nicht unnötig aufzublähen.

Silodenken vermeiden: Arbeiten Sie miteinander statt gegeneinander. Zwischen Arbeitsgruppen oder Abteilungen sollte kein Konkurrenzkampf bestehen. Mischen Sie bestehende Teams nach Möglichkeit öfter durch. Das fördert das gegenseitige Verständnis und ermöglicht Mitarbeiter bei Auftragsspitzen flexibel einzusetzen.

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Gero Mayer

Da hab ich noch was!

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Eine interdisziplinäre Tagung unter dem Motto "Teamarbeit"