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Neuer US-Präsident, Brexit, Zinsen auf niedrigstem Niveau Aktien oder Edelmetalle?: Tipps für die Geldanlage in unsicheren Zeiten

Drei renommierte Experten geben Tipps zur Geldanlage in unsicheren Zeiten – Aktien sind demnach weiterhin unverzichtbar.

Ein neuer US-Präsident, der Brexit und Zinsen auf niedrigstem Niveau. Viele Menschen sind verunsichert, ob alle diese Entwicklungen auch Auswirkungen auf die eigene Altersvorsorge haben werden. Die Deutsche Handwerks Zeitung fragt drei Profis – und die sind sich einig: Mit der richtigen Einstellung und Strategie lässt sich auch heute noch fürs Alter planen.

DHZ: Herr Müller, ist die Verunsicherung aufgrund der politischen Entwicklungen berechtigt?
Müller: Ja, die Verunsicherung ist sehr verständlich und berechtigt. Allerdings lässt sich heute noch nicht wirklich einschätzen, wie die langfristigen Auswirklungen tatsächlich aussehen werden.

DHZ: Welche Entwicklungen beeinflussen uns denn am meisten?
Müller: Den Brexit sehe ich pragmatisch. Es gibt über 100 Länder auf der Welt, die nicht in der EU sind und mit denen wir solide Handelsbeziehungen haben. Ich denke, die Auswirkungen bleiben überschaubar. Die Entwicklungen in den USA beunruhigen mich da deutlich mehr, ich rechne damit, dass die US-Notenbank die Zinsen deutlich anheben wird, und das hätte gravierende Auswirkungen insbesondere für die Schwellenländer. Seit 2009 befinden wir uns in einem verhaltenen Aufschwung, kommt jetzt ab Ende 2017 ein neuer zyklischer Abschwung, könnte der sehr viel heftiger werden.

"Lassen Sie sich nicht aufgrund hoher Renditeversprechen verleiten, in irgendwelche Butzen zu investieren." Börsenmakler und Buchautor Dirk Müller

DHZ: Gibt es Strategien, mit denen wir persönlich entgegenwirken können?
Müller: Auch dann gilt, was jetzt gilt: Eine gute Anlagestrategie hat mehrere Komponenten. Aktien gehören dazu. Vom Abschluss neuer Lebensversicherungen rate ich ab, Immobilien sind gut, wenn man sie bereits hat. Hier neu zu investieren, bringt derzeit angesichts des hohen Preisniveaus nichts. Vor allem Privatleute ohne Fachkenntnisse tun sich hier sehr schwer, etwas Preiswertes zu finden. Im Moment besser: Halten Sie Geld flexibel auf dem Tagesgeld- oder sogar auf dem Girokonto. So können Sie am besten reagieren, wenn sich etwas verändert.

DHZ: Wie gehe ich vor, wenn ich heute 20 oder 30 bin? Haben Sie konkrete Tipps?
Müller: Je jünger jemand ist, umso mehr lohnen sich Aktien. Aber geben Sie Ihr Geld guten, soliden Unternehmen und lassen Sie sich nicht aufgrund hoher Renditeversprechen verleiten, in irgendwelche Butzen zu investieren. Gut wirtschaften seit Jahren Apple, Cisco oder Novo Nordisk, aber es gibt auch noch zahlreiche andere. Wichtig ist, dass sich das Geschäftsmodell nicht überholt, das muss man im Auge behalten

DHZ: Wie gehe ich vor, wenn ich heute 50 oder älter bin?
Müller: Je älter Sie sind und je mehr Sie vom Kapital leben müssen, je geringer sollte der Aktienanteil an Ihrem Anlagevermögen sein. Und wenn Aktien, dann solche, die gute Dividenden zahlen wie derzeit beispielsweise IBM. Oder informieren Sie sich für Wandelanleihen (-Fonds), die können eine interessante Alternative sein.

DHZ: Und haben Sie sonst noch einen Tipp für uns?
Müller: Über Edelmetalle haben wir noch nicht gesprochen. Die gehören in jeden Haushalt. Investieren Sie zehn bis 20 Prozent in klassische Münzen oder Barren. Man schläft gut damit.

Dirk Müller, international auch als "Mr. Dax" bekannt, arbeitet als Börsenmakler und Buchautor. Seit 2009 betreibt er außerdem die Finanzinformationsplattform www.cashkurs.com. Er lebt in Baden-Württemberg.

DHZ: Herr Eilers, ist die Verunsicherung aufgrund der politischen Entwicklungen berechtigt?
Eilers: Aus meiner Sicht eher nein. Altersvorsorge ist so langfristig angelegt, dass die derzeit aufkommenden politischen Unsicherheiten keinen wesentlichen Einfluss haben sollten. Schließlich könnten die aktuelle Regierung und der Präsident in den USA nach 4 Jahren wieder abgewählt werden. Davon abgesehen wird grundsätzlich jede Regierung, und damit auch die Regierung unter Trump, versuchen, die Wirtschaft größtmöglich zu unterstützen.

DHZ: Gibt es Strategien, mit denen wir persönlich unsere Altersvorsorge optimieren können?
Eilers: Die Altersvorsorge sollte unabhängig von jeglicher Politik grundsätzlich diversifiziert aufgebaut sein. Idealerweise ist ein Mix aus Immobilien (mindestens die selbstbewohnte Wohnung/Haus), Anleihen und Aktien. Dabei kann gegebenenfalls über verschiedene Verwalter diversifiziert werden: Vermögensverwalter, Versicherungen oder durch den Sparer selbst. Durch die Streuung auf verschiedene Verwalter und zusätzlich auf verschiedene Anlageformen kommt man langfristig am besten durch jegliche eventuell auftretende Krise.

"Grundsätzlich gilt: Je jünger, desto höher darf die Aktienquote gewählt werden." Investmentanalyst Uwe Eilers

DHZ: Wie gehe ich vor, wenn ich heute 20 oder 30 bin? Haben Sie konkrete Tipps?
Eilers: Wer jung ist und vielleicht sogar schon einen eigenen Betrieb hat, sollte Sparpläne hauptsächlich auf Aktien einrichten. Dabei kann man gute weltweit diversifizierende Aktienfonds oder auch auf Länder (z.B. Deutschland) bzw. auf Regionen (z.B. Asien) einsetzen. Dies können beispielsweise der JO Hambro Global Opportunities (WKN A1JZQH) als weltweit agierender Fonds, ein DAX ETF mit Schwerpunkt deutsche Blue Chips oder der JO Hamburo Asia, Ex Japan (WKN A1JT3D) sein.

DHZ: Wie gehe ich vor, wenn ich heute 50 oder älter bin?
Eilers: Grundsätzlich gilt: Je jünger desto höher darf die Aktienquote gewählt werden. Ab dem 50. Lebensjahr sollte man sie sukzessive verringern, je nachdem wie hoch die Bewertungen der Aktien bzw. wie hoch die Zinsen dann sind. Um den Sparplan etwas schwankungsärmer aufzustellen, bieten sich Mischfonds an, die breit diversifiziert anlegen. Das sind beispielsweise der Artemis Pan-European Absolute Return (WKN A12E7X), der Calibrate Total Return (WKN A0YAEH) auf deutsche Small Caps oder der Fonds IP White T (WKN A12FMW).

Uwe Eilers ist Vorstand der Geneon Vermögensmanagement AG (www.geneon-vermoegen.de) in Königstein. Er ist gelernter Bankkaufmann, DVFA/CEFA-Investmentanalyst und hat weit über 20 Jahre Börsenerfahrung.

DHZ: Frau Rendigs, ist die Verunsicherung aufgrund der politischen Entwicklungen berechtigt?
Rendigs: Es ist nachvollziehbar, dass die Menschen verunsichert sind. Allerdings erlebe ich diese Verunsicherung schon seit einigen Jahren. Da kommen viele Gründe zusammen: Sorgen um den Arbeitsplatz, Angst vor der Altersarmut, der expandierende Niedriglohnsektor oder das ständig sinkende Rentenniveau. Und selbstverständlich sorgen dann solche Vorkommnisse wie aktuell in den USA oder wie der Brexit zusätzlich für Verunsicherung und Besorgnis.

DHZ: Welche Entwicklungen beeinflussen uns denn am meisten?
Rendigs: Das lässt sich so nicht beantworten. Durch die Globalisierung der Märkte und die rasante Informationsverbreitung werden Menschen heutzutage permanent mit schlechten Nachrichten berieselt. Doch auch wenn dadurch viele Anleger extrem verunsichert sind, beim ersten Husten eines amerikanischen Präsidenten auf das Auf- und Ab an den Aktienmärkten schielen. Die Märkte haben schon immer geschwankt und das wird auch wahrscheinlich immer so bleiben. Man kann vielleicht im Nachhinein Erklärungen finden und Entwicklungen mathematisch nachvollziehbar machen, aber prognosetauglich ist das keineswegs.

DHZ: Gibt es Strategien, mit denen wir persönlich entgegenwirken können?
Rendigs: Wenn Sie eine Anlagestrategie suchen, die Sie ab sofort von allen Ängsten, Verunsicherungen und Sorgen befreit: nein. Das kann keine Finanzstrategie leisten, denn Sicherheit ist eine sehr individuelle Interpretation.

DHZ: Raten Sie denn ebenfalls zu Aktien?
Rendigs: Uneingeschränkt ja. Im angelsächsischen Raum sind Aktien im Rahmen der Altersvorsorge ganz normal. Hier nicht. Das hat historische, politische und natürlich wirtschaftliche Gründe. Es hat ja auch viele Jahre gut funktioniert, weil die Mehrzahl der Bürger über ein staatliches Rentensystem gut abgesichert war und zusätzliche private Altersvorsorge quasi ein angenehmes Zubrot war. Diese Situation hat sich jedoch inzwischen gravierend verändert. Private Vorsorge ist unumgänglich und aufgrund der Niedrigzinsphase sind auch Aktien unverzichtbar, um nicht von der Inflation enteignet zu werden.

"Es gibt keine Anlagestrategie, die Sie ab sofort von allen Ängsten, Verunsicherungen und Sorgen befreit." Diplom-Ökonomin Kornelia Rendigs

DHZ: Wie gehe ich vor, wenn ich heute 20/30 oder über 50 bin? Haben Sie konkrete Tipps?
Rendigs: Das pauschal zu beantworten, widerspricht meiner Philosophie und meinem Anspruch. Welche Strategie die richtige ist, kommt immer auf den Einzelfall an. Das hängt nicht nur vom Alter, sondern von der Lebensplanung, den Zielen, den beruflichen Perspektiven und natürlich von der Einkommenssituation ab. Ein ganz wichtiger Faktor ist außerdem die persönliche Risikobereitschaft. Diese ist ein angeborenes Persönlichkeitsmerkmal ähnlich wie Ihre Schuhgröße oder Ihre Augenfarbe. Für Versorgungsanalyse und Vorsorgeplanung gibt es inzwischen Finanzplanungssoftware, die dann als solide mathematische Basis für die Auswahl der richtigen Strategie zur Verfügung steht.

DHZ: Und haben Sie sonst noch einen Rat für uns?
Rendigs: Es ist wichtig, Aktien als langfristige Investition vor allem für den Ruhestand zu sehen und sich dabei nicht zu kurzfristigen spekulativen Transaktionen oder emotionsgesteuerten Panikverkäufen verleiten zu lassen. Als Anleger müssen Sie lernen, Schwankungen auszuhalten und vielleicht auch mal die Börsennachrichten abzuschalten. Ich sehe meine Aufgabe darin, meine Kundinnen und Kunden dabei zu unterstützen, zuerst ihre finanzielle Risikobereitschaft richtig einschätzen können und dann auf Ihre eigenen Finanz­ent­scheidungen zu vertrauen.

Kornelia Rendigs ist Inhaberin von Vermögen und Zukunft (www.vermoegenundzukunft.de) und seit vielen Jahren spezialisiert auf die Themen Vermögensaufbau, Green Fonds und Altersvorsorge. Sie lebt in Bremen und berät überwiegend Frauen.

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