Unternehmensführung -

Geprüfter Betriebswirt nach der Handwerksordnung Betriebswirt (HwO): Fortbildung für künftige Chefs

Der Unternehmer von heute muss ein Meister im Probleme lösen sein. Vorbereiten auf die Herausforderungen, die er im Betriebsalltag antreffen wird, kann er sich mit der Fortbildung zum Betriebswirt (HwO) – dem höchsten kaufmännischen Abschluss im Handwerk. Doch was genau steckt dahinter und was lernt man dabei?

Ein Flickenteppich aus unterschiedlichen Anforderungen und Rahmenlehrplänen prägt das Bildungssystem in Deutschland. Bildung ist Ländersache und diese setzen ihre eigenen Prioritäten. Ein Schulabschluss in Baden-Württemberg wird von Universitäten deshalb auch anders bewertet als einer in Berlin. Das zeigt auch die aktuelle Situation um die gestiegenen Zahlen bei den Abschlüssen mit der Note eins in einigen Ländern.

Bei der beruflichen Bildung sieht das ein wenig anders aus – zumindest was den höchsten kaufmännischen Abschluss betrifft, den man derzeit im Handwerk erreichen kann: den "geprüften Betriebswirt nach der Handwerksordnung" (kurz Betriebswirt (HwO)). Hatten auch hierbei lange die Bundesländer den Rahmen der Aufstiegsfortbildung jeweils individuell festgelegt – zu diesen Zeiten hieß der Abschluss noch " Betriebswirt im Handwerk" (kurz Betriebswirt (HWK)), so hat sich das seit dem Jahr 2011 geändert. Seitdem gelten bundeseinheitliche Vorgaben, die die Länder schrittweise übernommen haben. Zum Jahr 2016 ist die Übergangsfrist ausgelaufen und nun gibt es nur noch den Betriebswirt (HwO).

Betriebswirt (HwO): Höchster kaufmännischer Abschluss im Handwerk

Der Betriebswirt (HwO) stellt den höchsten kaufmännischen Abschluss dar, den man im Handwerk erreichen kann – noch über dem Handwerksmeister. Bei dieser Aufstiegsfortbildung stehen nicht die Inhalte der einzelnen Branchen im Mittelpunkt – im Gegenteil, sie werden sogar gezielt ausgeklammert. Stattdessen geht es um ein vertieftes "betriebswirtschaftlich‐strategischen Verständnis der Unternehmensführung".

Mit diesen Worten beschreibt der Zentralverband des Deutschen Handwerks das Ziel der Weiterbildung. Absolventen sollen befähigt werden, "Unternehmen unter Berücksichtigung ökonomischer, ökologischer und sozialer Entwicklungen nachhaltig und erfolgreich zu führen." Anders als dies auf den ersten Blick anmuten mag, sieht der Rahmenlehrplan allerdings einen hohen Praxisbezug vor.

Betriebswirt (HwO): Strategie ist gefragt

Und in der Praxis geht es für Unternehmer oft darum Lösungen für aufgetretene betriebswirtschaftliche Probleme zu finden. "Es geht um ein strategisches Denken", beschreibt es Ralf Schrödinger von der Management Zentrum gGmbH der Handwerkskammer Konstanz, einer der ersten Anbieter der Weiterbildung zum Betriebswirt (HwO) in Deutschland. Mittlerweile gibt es sie in fast allen Bundesländern und Handwerkskammerbezirken. Einige bieten sie bereits seit Jahren an – wie etwa Konstanz – und andere gehen jetzt dazu über, die Fortbildung mit ins Programm aufzunehmen – so geschieht es derzeit beispielsweise in Halle.

Das angesprochene "strategische Denken" lernen die Teilnehmer der Weiterbildung, indem sie im Unterricht immer wieder Problemstellungen bearbeiten statt in einzelnen Fächern unterrichtet zu werden. "Die Fächerorientierung wurde ersetzt durch eine Handlungs- und Kompetenzorientierung", erklärt Schrödinger. So werde auch fächerübergreifend geprüft. "Rechtliche Fragen zum Beispiel stehen ja auch im Betriebsalltag immer im Zusammenhang mit einem konkreten Problem etwa wenn es um die Personalplanung geht oder anderes", sagt der Weiterbildungsexperte und weist darauf hin, dass die Unterrichtsinhalte für den Betriebswirt (HwO) in Konstanz auch oft durch konkrete Beispiele aus der Praxis der Teilnehmer gestaltet werden.

Die Weiterbildung beinhaltet verpflichtend für alle Teilnehmer auch die Anfertigung einer Projektarbeit zum Thema Innovationsmanagement, welche nach der schriftlichen Ausarbeitung auch einer Fortbildungsprüfungskomission im Rahmen einer mündlichen Prüfung präsentiert wird.

Wer kann an der Weiterbildung zum Betriebswirt (HwO) teilnehmen?

Grundsätzlich teilnehmen an der Weiterbildung zum Betriebswirt (HwO) kann jeder Handwerksmeister und diejenigen, die einen vergleichbaren Abschluss wie etwa den Techniker haben. Doch auch über die Berufserfahrung kann man sich qualifizieren – entweder, wenn man einen Fachwirte- oder  Hochschulabschluss hat und ein Jahr Berufserfahrung oder einen Abschluss als Fachkaufmann oder Management-Assistent oder Fachmann/-frau für kaufmännische Betriebsführung im Handwerk  und drei Jahre Berufserfahrung hat.

Nach Ansicht von Ralf Schrödinger gibt es zwei typische Teilnehmergruppen: "Bei größeren Firmen sind es diejenigen, die künftig eine Abteilung leiten sollen und bei den kleineren sind es oft die Nachfolger, also diejenigen, die eine Firma alleine leiten werden."

Wie lange dauert die Fortbildung zum Betriebswirt (HwO)?

Der Lehrgang umfasst im Schnitt 700 Unterrichtseinheiten, wobei die Zahl ein wenig je nach Kammergebiet abweicht. Sie wird meist in Vollzeit und Teilzeit angeboten.

Wie teuer ist Weiterbildung zum Betriebswirt (HwO)?

Die Kosten für den Lehrgang betragen im Schnitt etwa 5.000 Euro zuzüglich von Literaturkosten und Prüfungskosten. Auch hier gibt es minimale Unterschiede je nach Kammerbezirk.

Betriebswirt (HwO) und dann – welche Vorteile bringt die Weiterbildung in der Praxis?

"Die Absolventen werden befähigt, Unternehmen unter Berücksichtigung ökonomischer, ökologischer und sozialer Entwicklungen nachhaltig und erfolgreich zu führen", beschreibt es Nadine Ludwig von der Handwerkskammer Halle. Meist gehe es darum die Existenz- und Zukunftsfähigkeit kleiner und mittlerer Unternehmen zu verbessern, wenn eine Firma einen Mitarbeiter zu einer solchen Fortbildung schickt oder es steht eine Betriebsübernahme durch einen Nachfolger an und dieser möchte die Firma neu ausrichten. "Auch neue Produkte oder neue Betriebsabläufe können zur Herausforderung in einem Unternehmen werden und sind Beispiele, die wir bei der Fortbildung durchsprechen", erklärt Ralf Schrödinger, warum auch der Themenbereich "Innovationsmanagement" viel Raum im Lehrplan einnimmt.

Der Mehrwert zeigt sich laut der beiden Weiterbildungsexperten auch schon in der Einordnung des Betriebswirts (HwO) in den Deutschen Qualifikationsrahmen . Der Handwerksmeister steht auf Stufe 6 und ist damit gleichzusetzen mit einem Hochschulabschluss als Bachelor, der Betriebswirt (HwO) rangiert eine Stufe höher auf Stufe 7 des Deutschen Qualifikationsrahmens.

Welche Förderungen gibt es für den Betriebswirt (HwO)?

Wer die Weiterbildung zum Betriebswirt (HwO) absolvieren möchte, kann dafür eine finanzielle staatliche Förderung bekommen. So greift dafür auch das neue Aufstiegs-BaföG . Dabei können Teilnehmer der Fortbildung zum Betriebswirt (HwO) seit dem  1. August 2016 einen Zuschussbetrag von  333 Euro bekommen. Insgesamt können sie eine Förderung bis zum monatlichen Budget von 768 Euro beantragen, der restliche Betrag steht als zinsgünstiges KfW-Darlehen zur Verfügung. Nadine Ludwig von der Kammer Halle rät zudem dazu, sich mit dem Thema "Weiterbildungsstipedium" auseinander zu setzen, denn auch über die sogenannte Begabtenförderung wird der Betriebswirt (HwO) unterstützt.

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