Fahrzeuge -

Autotest: VW T5 Pritsche Der VW-Mini-Laster mit Pkw-Cockpit

Volkswagens einfachste Pritsche: Der T5 mit Einzelkabine und dem kleinsten Motor ist universell einsetzbar, wenn zweckmäßig ausgestattet. Dass ein solcher, möglicherweise etwas knapp motorisierter Transporter nicht in der Lage sei "die Wurst vom Teller zu ziehen", ist ein glattes Vorurteil. Denn VW hat es verstanden, auch dem 84-PS-Benjamin ausreichend Agilität einzuhauchen.

VW T5 Pritsche
Der T5 macht als Pritsche selbst in der Basisversion einen grundsoliden Eindruck. Der Verbrauch ging allerdings durch Euro-5 und Common-Rail-Einspritzung statt Pumpe-Düse etwas nach oben. -

So bewertet die DHZ den VW T5 Pritsche
positiv negativ
Antriebsstrang, Übersetzung
Komfort Fahrerplatz
Basisqualität
Anfahrschwäche
magere Grundausstattung
teure Extras

Volkswagens Angebot an Pritschen mit Dieselmotor beginnt bei exakt 23.355 Euro Listenpreis. Unter der Kurzhaube werkelt dann die schwächste Variante des 2,0-Liter-Standard-TDI mit 62 kW, respektive 84 PS. Damit darf der T5 bis zu 2.200 Kilo gebremste Anhängelast an den Haken nehmen und gut ein Tonne aufladen. Die Standard-Pritschenlänge beim kurzen Radstand (unser Testmodell) liegt bei 254 cm. Die 40 cm Plus des langen Radstands kommen direkt der Pritschenlänge zu Gute, die dann bei 294 cm liegt. Soll's die Pritsche mit Doppelkabine sein, müssen jeweils 77 cm von der Ladelänge der Einzelkabine abgezogen werden.

VW T5 Pritsche im Praxischeck

Kurze Übersetzung gibt dem T5 Pritsche ausreichend Agilität

Zurück zur Basisversion mit 62 kW: Dass ein solcher, möglicherweise etwas knapp motorisierter Transporter nicht in der Lage sei "die Wurst vom Teller zu ziehen", ist ein glattes Vorurteil. Denn VW hat es verstanden, auch dem 84-PS-Benjamin ausreichend Agilität einzuhauchen. Das Geheimnis ist natürlich die relativ kurze Übersetzung: Anders als bei den leistungsstarken Varianten, die VW oftmals quasi "totübersetzt" ist der 84-PS-Motor putzmunter bei der Sache und verursacht vor allem in der Stadt nur wenig Schaltarbeit. Leer lassen sich sogar Gänge ohne Murren und Knurren überspringen. Das macht sogar richtig Freude und lässt einen vergessen, "nur" den Basisdiesel zu chauffieren.

auto VW T5 Pritsche
© Domina

Für flotte Autobahnritte reicht die Leistung gerade so eben. Mit viel Anlauf ist eine 130er Marschgeschwindigkeit machbar. Diese Geschwindigkeit lange und gleichmäßig zu halten, erfordert freilich viel Aufmerksamkeit und Vorausschau. Da der Motor in jeder Situation eigentlich immer gut zu tun hat, sind keine Verbrauchsrekorde zu erwarten. Auf der Kurzstrecke mit viel Stop & Go lagen unsere Messwerte zwischen 9,3 und 9,7 l/100 km, die flotte Autobahn goutierte der Vierzylinder mit 10,9 l/100 km.

VW hat Schwächen beim Anfahren

Ganz klar nicht in Ordnung ist allerdings die eklatante Anfahrschwäche des 2,0-Liter-Vierzylinder: Beim Diesel ist man es eigentlich gewohnt, ohne Gas einkuppeln zu können und zügig aus dem Drehzahlkeller zu beschleunigen. Mit der 84-PS-Pritsche endet diese Fahrweise meist mit einem Abwürgen des Motors und Stillstand. An sich kennen wir dieses Verhalten in seltenen Fällen von den alten 2,5-Liter-Motoren mit Pumpe-Düse-Einspritzung. Aber anscheinend hat VW diese Krankheit bei der neuen Generation mit Common-Rail-Einspritzung übernommen. Die wenig harmonische, erst im letzten Drittel des Pedalwegs beinahe zuschnappende Kupplung verschärft diesen Effekt noch. Daran mag man sich auch nicht gewöhnen – bitte nachbessern.

VW T5 Pritsche
© Domina

Ansonsten ist der Fahrkomfort tadellos. Wie Verschwendung mutet allerdings der für eine Pritsche ungewöhnliche Einzel-Beifahrersitz an. Der Raum zwischen den beiden Sitzen lässt sich eigentlich für gar nichts richtig nutzen. Dabei gehört die Beifahrer-Doppelsitzbank eigentlich zu Serienausstattung. Hier musste sie – aus welchen Gründen auch immer – gegen Minderpreis (76 Euro) weichen.

Ausstattungsdetails gibts beim T5 Pritsche nur gegen Aufpreis

Wer oft Autobahnstrecken nutzen kann, wird auch den Tempomat vermissen. Leider verlangt VW dafür immer noch dreiste 275 Euro Aufpreis. Schließlich muss hier nur mit geringem Aufwand ein anderer Lenkstockhebel installiert werden. Ansonsten ist das formschöne, in leicht zu reinigendem Hartplastik gehaltene Cockpit komplett. Prima sind die großen Ablagen in den Türen und die vernünftig dimensionierten Becherhalter in der Mittelkonsole. Der Verstellraum nach hinten reicht für mittelgroße Menschen aus, ab 1,80 Meter könnte es aber knapp werden, vor allem, wenn man eine etwas flachere Lehnen-Einstellung bevorzugt. Gut: Die in Höhe und Neigung verstellbare Lenksäule wächst mit.

Außen am Chassis vermisst man geräumige Staukoffer unter der Ladefläche für Gurtzeug und Gummimatten. Auch die lässt sich VW mit 400 Euro (klein) und rund 900 Euro (groß, zwischen den Achsen) ganz schön teuer bezahlen. Die Pritsche mit ihren Alu-Bordwänden macht an sich einen soliden Eindruck, die Schnellverschlüsse mit genieteten Gelenken und Hebelarmen aus Dünnblech sehen jedoch wenig vertrauenerweckend aus. Und: Es fehlt eine solide Leiterauflage hinterm Fahrerhaus. Die sollte bei einer offenen Pritsche wirklich Serie sein. Denn ohne sie ist ein Transporter dieser Bauart (genauso wie ein Pick-Up übrigens), eigentlich nur die Hälfte Wert. Aufpreis für das Leitergestell: 725 Euro.

Am meisten profitiert der T5 von seinem harmonischen Fahrwerk mit Einzelradaufhängung hinten. Auch schräg genommene Randsteine lassen ihn nicht ins Wanken geraten. Fahrverhalten, Innengeräusch und Sitzkomfort sind tadellos. Die Anfahrschwäche und die magere Grundausstattung trüben jedoch ein wenig das ansonsten gewohnte Bild vom soliden Transporter aus Hannover.

Downloads
© deutsche-handwerks-zeitung.de 2017 - Alle Rechte vorbehalten
Kommentare

Mehr Informationen dazu finden Sie hier.

* = Pflichtfelder. Bitte ausfüllen