Der Betrieb in Muschwitz setzt vor allem auf öffentliche Aufträge - Von Von Lenore Dietsch
In der Werkstatt riecht es nach Krapfen. Bertram Werner hält die Tagesausgabe der MZ in der Hand. „Das kostet einen Kasten Bier“, sagt er zu seinem Sohn Oliver; denn Oliver steht in der Zeitung. Die zehn Aufsteller für das „Dorf-Bilder-Buch“ das neueste Projekt in Muschwitz hat er gebaut. Metallfahnen mit Kinderzeichnungen sollen durch den Ort und seine Geschichte führen. Das Telefon klingelt. „Wir können F30 oder F90“, sagt Bertram Werner, Geschäftsführer des Metallbaubetriebes Werner, ins Telefon. Kurt Werner kommt herein. Kurt, Bertram und Oliver Werner drei Meister unter einem Dach. Kann das gut gehen?
„Seit fünf Generationen sind wir hier im Haus. 2013 feiern wir 100-jähriges Jubiläum hier in Muschwitz. Die Vorfahren waren Schmiedemeister im Nachbarort“, so Bertram Werner, der 1993 den Betrieb übernommen hat. Spezialisiert ist die Firma auf die Konstruktionstechnik und da besonders auf Rauch- und Brandschutzelemente. 90 Prozent ihrer Aufträge gehen auf öffentliche Ausschreibungen zurück. „Gerade der Brandschutzbereich bietet einen guten Markt“, sagt der Juniorchef Oliver.
Referenzen haben sie viele: Schulen, Krankenhäuser, den Innenausbau von Sporthallen. Für die Deutsche Schule in Peking haben sie Metallelemente gebaut. Der größte Auftrag war das Bundeswehrkrankenhaus in Wiederitzsch. „Zwei Jahre haben wir da mitgearbeitet“, so Bertram Werner. Profitiert habe man davon, dass der Betrieb 1991 als erste Firma in Sachsen-Anhalt in die „Überwachungsgesellschaft Niedersachsen, Bremen und Sachsen-Anhalt“ eingetreten sei. Dadurch hatte er die Berechtigung, Brandschutzelemente zu bauen. Denn nur als Metallbauzulieferer wie vor der Wende hätten sie wohl kaum bestehen können. Auch die technische Ausrüstung ist bis auf eine Bohrmaschine neu. Es gibt viel Konkurrenz in Sachsen-Anhalt. Den Hauptteil ihrer Aufträge findet der Betrieb auf dem Rauch- und Brandschutzmarkt.
Mittlerweile ist Bertram Werner stellvertretender Vorsitzender der Überwachungsgesellschaft. Auch im Gesellenprüfungsausschuss engagiert er sich. Die Umtriebigkeit des Vaters hat auch Sohn Oliver geerbt. Im letzten Jahr hat er mit 23 Jahren seinen Meister in Lüneburg in nicht mal sechs Monaten gemacht. Schnell wollte er in den elterlichen Betrieb zurück, um anzupacken. Natürlich gäbe es auch Meinungsverschiedenheiten, sagt Bertram Werner und fügt schmunzelnd hinzu: „Meistens siegt die Erfahrung.“ Um 10.30 Uhr sitzen alle 14 Mitarbeiter (darunter zwei Lehrlinge und ein Praktikant) um einen großen Tisch. Es gibt selbstgebackene Krapfen. „Das macht unseren Betrieb aus - das Familiäre“, sagt Ines Werner, die Ehefrau des Geschäftsführers.
Bertram Werner ärgert an der Politik, dass ständig von der Eigenkapitalschwäche der Unternehmen geredet wird. Dabei greife der Staat ständig in die Unternehmertasche, meint er. „Umsatzsteuervorauszahlung, Krankenkassenbeiträge bereits am Ende des Vormonats, hohe Beiträge für die Berufsgenossenschaft - das alles muss erstmal bezahlt werden. Kein Wunder, dass das Eigenkapital nicht größer wird“, sagt der Metallbaumeister.
Kopf der Woche
Der CDU-Politiker Peter Altmaier ist diese Woche als neuer Bundesumweltminister vereidigt worden. Der 53-Jährige ist siebter Minister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit - ihn erwarten komplexe Aufgaben mit mehreren Unbekannten.