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Neuer Daimler-Transporter im Praxis-Test Mercedes-Benz Vito Mixto: Fährt mit Automatik wie eine Sänfte

Mercedes-Benz hat den Vito neu aufgelegt. Für die Deutsche Handwerks Zeitung hat Robert Domina den Mixto 114 CDI Automatik getestet. Fazit: Die 136 PS reichen vollkommen für den kombinierten Lasten- und Personentransporter, die Automatik ist eine lohnende Investition.

Im Test: Mercedes Vito Mixto
Vielseitiger Transporter für Personal und Material: Der Vito Mixto überzeugt mit einem ebenso komfortablen wie kräftigen Heckantrieb und eignet sich sehr gut für das Fahren mit Anhänger. -

Mercedes nennt den Doppelkabiner-Kastenwagen "Mixto". Er bietet - je nachdem, ob mit Beifahrer-Doppelsitzbank oder Einzelsitz ausgerüstet - fünf bis sechs Personen Platz. Die drei Hinterbänkler genießen dabei reichlich Kniefreiheit. Und auch im Schulterbereich ist das Platzangebot in der Breite so großzügig bemessen, dass der Bautrupp auch längere Strecken ermüdungsfrei übersteht.

Normalerweise liegt die Ladelänge beim kurzen Radstand mit verlängertem Überhang hinten bei 2,83 Meter. Beim Mixto knapst der Fahrgastraum rund 1,3 Meter davon ab, so dass für Werkzeug und Material im hinteren Bereich nur mehr 1,57 Meter übrig bleiben.

Diese Strecke muss man auch in den Laderaum abtauchen, will man Equipment von ganz vorne an der Laderaum-Trennwand bergen. Denn die seitliche Schiebetür bedient allein das Fahrgast-Abteil, den Laderaum erreicht man demzufolge nur von hinten.

Der neue Mercedes Vito Mixto

Gegen Aufpreis gibt es Flügeltüren

Das erleichtert das Beladen und die Ladungssicherung nicht gerade, obwohl passend gesetzte Zurrpunkte und sogar Airline-Schienen im Testwagen vorhanden sind. Insgesamt 3,6 Kubikmeter Laderaum umbaut dieser Mixto mit kurzem Radstand und verlängertem Heck. Alternativ zur Heckklappe gibt es auch Flügeltüren.

Im Unterschied zum Kombi, bei dem man nach Ausbau der letzten Sitzbank ja ebenfalls reichlich Laderaum nutzen kann, fährt es sich im Mixto dank der genau eingepassten Laderaum-Trennwand aus Kunststoff deutlich leiser.

Im Test: Mercedes Vito Mixto
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Die sorgfältig ausgeformten und nicht zu weichen Sitze bieten besten Sitzkomfort. Nur der Fahrersitz gibt Anlass zur Kritik: Seine Rückenlehnen-Verstellung lässt sich nur mit ganz spitzen Fingern erreichen, die Sitzfläche ist deutlich kürzer als beim Vorgänger-Modell.

Start-/Stop-Automatik schnell einsatzbereit

Das neue Cockpit gefällt stilistisch und funktional. An Assistenzsystemen hat dieser Vito den Spurhaltewarner an Bord. Droht ein Abkommen von der Fahrbahn, vibriert die Lenksäule und mahnt so zu mehr Aufmerksamkeit. Die Start-/Stop-Automatik reagiert schnell und schon nach kurzer Warmlaufphase auch bei niedrigen Temperaturen.

Während beim alten Modell der Wählhebel für die Sieben-Stufen-Automatik genau zwischen Radio-/Klima-Sektion und der zentralen Ablagekiste saß, manipuliert man das Automatik-Getriebe jetzt mit dem rechten Lenkstockhebel und den Schaltpaddeln hinterm Lenkrad. Vorteil: Die Konsole, die früher schon mal das rechte Knie auf langen Strecken irritierte, ist jetzt überflüssig.

Das rechte Schaltpaddel schaltet einen Gang hinauf, links geht's manuell einen Gang runter. Das ist gewöhnungsbedürftig, und bedarf beim Schalten einer Lenkradstellung die einigermaßen in Geradeaus-Richtung zeigt. Besser wäre: Ein Paddel rechts mit einem Druck nach oben für die Hochschaltung und einem nach unten für die Rückschaltung.

So bewertet die DHZ den Mercedes-Benz Vito Mixto

positiv negativ
Abstimmung des Antriebsstrangs


Komfort für Fahrer und Mitfahrer


Anhängerbetrieb


Innengeräusch bei hoher Geschwindigkeit


zu leichtgängige, gefühllose Lenkung

Tempomat bremst bei Bergabfahrt

Der Tempomat-Hebel sitzt wie gewohnt linker Hand. Ungewöhnlich: Überläuft man die eingestellte Geschwindigkeit, weil ein Gefälle der Fuhre Schwung verleiht, bremst der Tempomat aktiv die Geschwindigkeit auf das Soll-Maß zurück. Das ist nichts anderes als die Verschwendung von Gratis-Energie und passt so gar nicht zu einem Transporter mit Nutzfahrzeug-Charakter.

Im Test: Mercedes Vito Mixto
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Davon einmal abgesehen, fährt sich der Mixto dank der butterweich schaltenden Wandler-Automatik wie eine Sänfte. Die 136-PS-Einstellung des 2,1-Liter-Vierzylinders reicht vollkommen aus, um unseren geforderten 120-km/h-Autobahnschnitt zu erreichen. Sogar den Kindinger Berg an der A9 zwischen Altmühltal und Pfaffenhofen zieht der Mixto ohne Geschwindigkeitsverlust hinauf. Der Verbrauch von 8,7 l/100 km über die Gesamtrunde kennzeichnet den Vito 114 nicht gerade als Sparmeister, ist aber angesichts der gebotenen Fahrleistung in Ordnung.

Renault liefert Motor für Fronttriebler

Seit der Neuauflage gibt es den Vito ja auch mit einem Frontantrieb, den der Kooperations-Partner Renault beisteuert. Dann treibt ein kleiner, nur 1,6-Liter großer Renault-Vierzylinder-Diesel den Vito mit 88 oder 114 PS an, die leistungsstärkere Variante wird dabei von zwei hintereinander geschalteten Turbos beatmet.

Der 136-PS-Test-Vito ist dagegen die schwächste von drei verfügbaren Heckantriebsversionen. Als Mixto in der verlängerten Version stehen dafür 28.080 Euro (alle Preisanagaben ohne MwSt.) in der Preisliste, die sehr empfehlenswerte Automatik liegt bei 2.100 Euro Aufpreis. Gerade in Verbindung mit dem 136-PS-Motor ist die Automatik eine klare Empfehlung, auch wenn der 163-PS-Motor nur gut 1.000 Euro mehr kostet.

Mehrwert im wahrsten Sinne des Wortes bietet beim Vito mit Heckantrieb also auf jeden Fall die Automatik, nicht jedoch 30 PS mehr Nennleistung. Die stärkste Variante mit 190 PS (33.390 Euro) gibt es ohnehin nur in Verbindung mit der Automatik.

Der Hecktriebler ist erst recht erste Wahl, wenn gelegentlich Anhänger zu ziehen sind. Mit der Automatik plus verstärkter und abnehmbarer Anhängerkupplung sind dann sogar 2.500 Kilo Anhängelast anstatt der standardmäßigen 2.000 Kilo drin. In Sachen Traktion und Fahrdynamik bietet der Heckantrieb klare Vorteile, zumal Mercedes für den Vito das ESP mit Anhänger-Stabilisierung serienmäßig mitliefert.

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