Internationale Handwerksmesse -

Maßschneiderhandwerk 4.0 Maßnehmen ohne zu berühren

Barcode-Scanner, Winkel-App und Maßnehmen mit der Digitalkamera. Diese drei kleinen Bausteine erleichtern die Arbeit im Maßschneideratelier. Die Vorsitzende des Bundesverbandes des Maßschneiderhandwerks, Inge Szoltysik-Sparrer erläuterte die digitale Zukunft ihrer Branche auf der Internationalen Handwerksmesse.

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Digitalisierung im Maßschneiderhandwerk bedeute viele kleine Bausteine, die den Alltag im Atelier erleichtern. In diesem Zusammenhang nannte Inge Szoltysik-Sparrer, Vorsitzende des Bundesverbandes des Maßschneiderhandwerks, Barcodes an Stoffmustern. Bei einem Beratungsgespräch mit dem Kunden könne der Maßschneider mit den Smartphone den Barcode an einem Stoffmuster ablesen und sich in das Warenlager des Stoffhändlers einloggen. So kann er schnell überprüfen, ob der ausgewählte Stoff vorrätig und lieferbar ist. "So kann man gleich schon im Kundengespräch den Auftrag fix machen."

Ein anderer kleiner Baustein betrifft das Maßnehmen an der Schulter. Das Winkelmaß der Schulter mit Maßband und Geodreieck zu nehmen ist anspruchsvoll. Mit einer App geht es im Zeitalter der digitalen Medien leichter und schneller. Das Smartphone wird auf die Schulter gelegt, die App errechnet den Schulterwinkel des Kunden. Dieser ist auch oft unterschiedlich, was dann bei der Anfertigung beachtet werden muss. "Die App ist sehr hilfreich für Auszubildende und Meisterschüler", sagt Inge Szoltysik-Sparrer, "und sie kommt bei jungen Kunden sehr gut an."

Maßnehmen ohne Berührung

Als dritten kleinen Baustein, der die Arbeit im Maßschneideratelier erleichtert, nannte die Bundesvorsitzende das Körperscannen mit einer Digitalkamera, um Schnitte zu konstruieren. Die Maßschneider arbeiten schon viele Jahre mit dem Programm Grafis, das auch in der Meisterausbildung geprüft wird. Neu ist ein Fotoprogramm, mit dem mittels Digitalfoto die Körpermaße abgenommen werden können - ganz ohne Berührung. Dunde wird frontal und seitlich fotografiert. Die Software verarbeitet das Bild und ermittelt die Maße. "Man muss kein Maßband mehr anlegen", sagt Inge Szoltysik-Sparrer. Es sei eine gute Alternative zum Maßnehmen mit der Hand. Und es eröffnet auch wieder Möglichkeiten für Maßschneider im Online-Geschäft. Denn natürlich können Kunden die Fotos auch selber aufnehmen und ins Atelier schicken und müssen nicht mehr persönlich im Geschäft zum Maßnehmen erscheinen.

Inge Szolzysik-Sparrer war Ende letzten Jahres als Jurymitglied in der Vox-Sendung "Geschickt eingefädelt" neben Guido Maria Kretschmer zu sehen. Ihr Ziel, positiv für das Image der Maßschneider zu werben, sieht sie durch die Fernsehsendung erreicht. Bundesweit berichteten die Maßschneiderateliers, dass sie sehr viel mehr Bewerbungen für ihre Ausbildungsplätze erhalten. Auch die Anmeldungen zur Meisterausbildung seien seitdem gestiegen. In der für dieses Jahr geplanten zweiten Staffel von "GEschickt eingefädelt wird Inge Szoltysik-Sparrer wieder den hohen Qualitätsanspruch des Maßschneiderhandwerks vertreten.

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