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Glasbläserei Gerald Vogel fertigt Geschenke mit Funktion Lichtmühlen aus Thüringen im MoMA Design Store

Ehre für eine Glasbläserei im Thüringer Wald: Die Lichtmühlen aus der Werkstatt von Gerald Vogel werden vom Museum of Modern Art über seinen Design Store weltweit vermarktet.

Ohne den Absatz über das Internet geht heute nichts mehr. Das steht für Gerald Vogel fest. Über virtuelle Kanäle ist im Herbst vergangenen Jahres sogar das weltbekannte Kunstmuseum aus New York auf die kleine Werkstatt des Glasbläsermeisters in Steinach aufmerksam geworden. Weil dort ein Produkt entsteht, dessen Inhalt voller Physik steckt. Inzwischen sind die Lichtmühlen im MoMA Design Store gelistet.

Bei einer Lichtmühle handelt es sich um eine Glaskugel mit stark reduziertem Innendruck, in der sich ein drehbar gelagertes, vierflügeliges Rad befindet. Die Flügel sind auf einer Seite schwarz, auf der anderen silbern oder weiß. Fällt Licht auf die Glaskugel, beginnen sich die Flügel zu drehen.

Online-Shop in Eigenregie

In der DDR waren sie fester Bestandteil im Physikunterricht. Bis heute werden Lichtmühlen an Schulen verwendet, aber vor allem dienen sie zur Dekoration, sagt Vogel.

Lichtmühle

1.000 Lichtmühlen hat das MoMA vorerst für seine Design-Läden in New York, Tokio, London, Rom und Johannesburg geordert. Aber die meisten werden wohl über den Webshop des Kunstmuseums verkauft – ganz so wie bei Gerald Vogel, der seinen Online-Shop in Eigenregie aufgebaut hat und betreut.

"Vor 15 Jahren haben wir noch rund 80 Prozent unserer Waren in Thüringen abgesetzt, der Umsatz über das Internet lag bei 2.000 D-Mark im Jahr. Heute generieren wir über den Online-Shop rund 300.000 Euro Jahresumsatz", sagt Vogel, der nach seinem Chemiestudium zunächst in der Glasindustrie arbeitete, ehe er 1993 seine Glasbläserei gründete.

Die Lichtmühlen sind nur einer aus einer Vielzahl von Artikeln, die die sechs Mitarbeiter in Handarbeit fertigen – hauptsächlich Geschenke mit Funktion, wie Gerald Vogel sein Produktportfolio umschreibt. Die Lichtmühlen passen da hervorragend ins Programm, auch wenn es sie schon seit 1873 gibt.

Lichtmühle geht auf das Radiometer von William Crookes zurück

Damals hat der britische Wissenschaftler William Crookes, Entdecker des Elements Thallium, die Erfindung eines Radiometers bekannt gemacht. Er wollte damit beweisen, dass Lichtstrahlen einen Druck ausüben können.

Heute weiß man zwar, dass die Drehbewegung eine andere Ursache hat, doch die Faszination über die sich auf scheinbar wundersame Weise drehenden Flügel ist geblieben. Und als Crookes Radiometer begeistern die Lichtmühlen aus Südthüringen offenbar Kunstliebhaber in der ganzen Welt.

Für Gerald Vogel ist die MoMA-Bestellung eine Art Ritterschlag, obwohl die USA, Japan und England schon vorher zu seinen Hauptabsatzgebieten zählten. Außerdem interessieren sich zunehmend Kunden aus China und Südkorea für Vogels Produkte. "Natürlich werden auch die Lichtmühlen in China kopiert. Aber es gibt immer mehr reiche Chinesen, die lieber handwerkliche Qualität kaufen als industrielle Massenware", sagt der Glasbläsermeister.

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