Lehrlinge werden zu knappem Gut - Bayern - deutsche handwerks zeitung

Bayern - 28.10.2009

Gute Situation für Ausbildungsplatzsuchende

Lehrlinge werden zu knappem Gut

Zum 30. September verzeichneten die sechs bayerischen Handwerkskammern 25.600 neue Ausbildungsverträge. Das sind gut 2.130 oder 7,7 Prozent weniger als im Vorjahr.

Zum 30. September verzeichneten die sechs bayerischen Handwerkskammern 25.600 neue Ausbildungsverträge. "Das sind zwar gut 2.130 oder 7,7 Prozent weniger als im Vorjahr", sagte Semper, "das liegt aber beileibe nicht an der nachlassenden Ausbildungsbereitschaft im Handwerk." Die Betriebe wüssten sehr wohl, dass sie auch in wirtschaftlich angespannten Zeiten ausbilden müssten, um die Fachkräfte für die Zukunft zu sichern. Zahlreiche der angebotenen Lehrstellen konnten auch heuer nicht besetzt werden.

Blicke man auf die Ausbildungsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit und die Schulabgänger-Prognose des Bayerischen Kultusministeriums, zeige sich, dass nun nicht mehr die Lehrstellen, sondern die Lehrlinge zum knappen Gut werden, so der BHTHauptgeschäftsführer. Jeder fehlende Lehrling von heute sei aber auch eine fehlende Fachkraft von morgen, betonte Semper. Es müsse daher das Ziel sein, möglichst viele junge Menschen für den Wirtschaftsbereich Handwerk zu begeistern und als Fachkräfte zu gewinnen. Die Mitgliederversammlung habe daher beschlossen, die erfolgreiche Kampagne "Macher gesucht!" des BHT fortzusetzen. Dabei müssten vor allem auch Jugendliche mit Migrationshintergrund verstärkt für eine Ausbildung im Handwerk gewonnen werden.

Um die Versorgung des Handwerks mit ausbildungswilligen und ausbildungsfähigen Schulabgängern sicherzustellen, müsse auch die Ausbildungsreife vieler Schüler gesteigert werden, erklärte der BHT-Hauptgeschäftsführer. Das sei Aufgabe sowohl der Elternhäuser
wie auch der Schulen. Die Handwerkslehrlinge kämen zu rund zwei Dritteln aus der Hauptschule. Diese Schulform gelte es zu stärken. Die Bayerische Staatsregierung habe hierzu nun ein neues Konzept vorgelegt, das die Möglichkeit für Hauptschulen vorsieht, sich zu Mittelschulen zu entwickeln. Semper: "Es reicht sicherlich nicht aus, nur einen neuen Begriff einzuführen, der zudem so neu nicht ist."

Der Bayerische Handwerkstag habe daher in einem Positionspapier die Kriterien für eine Unterstützung der neuen "Mittelschule" in drei Punkten zusammengefasst: Das dreigliedrige Schulsystem als Ausdruck individueller Förderung der Schüler darf nicht abgeschafft werden. Die Berufsorientierung muss zu einem eigenen identitätsstiftenden Schulprofil entwickelt werden und der Hauptschulabschluss sowie der Quali müssen als Regelabschlüsse auf dem jetzigen Niveau erhalten bleiben.

 
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