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Handwerk attraktiver Arbeitgeber Langfristige Pläne bei spanischen Fachkräften gefragt

Für spanische Fachkräfte ist der deutsche Arbeitsmarkt nach wie vor attraktiv. Auch erfahrene Handwerker zieht es nach Deutschland. Beispiele zeigen, dass sich langfristige Strategien auszahlen.

Cristian Muñoz Toledano, ein kräftiger kleiner Mann, sitzt angespannt auf seinem Stuhl. „Haben Sie denn schon mal Fußbodenheizungen verlegt?“, fragt Daniel Lüdtke am Tisch gegenüber. Ja, einmal habe er diese Art Heizung schon eingebaut. Fußbodenheizungen seien in Spanien leider nicht sehr verbreitet. Der 44-jährige SHK- und Elektroninstallateur ringt um Worte. Er möchte einen guten Eindruck bei Lüdtke machen. Das Bewerbungsgespräch ist entscheidend für seine berufliche Zukunft in Deutschland.

Der SHK-Handwerker ist einer von rund 200 spanischen Fachkräften, die bei der Personalberatung POD ins Programm aufgenommen wurden. POD-Chef Stephan Behringer vermittelt seit 2013 Spanier an deutsche SHK-Betriebe. Das Besondere: Er nimmt nur Arbeiter mit Berufserfahrung oder mindestens einer Ausbildung unter Vertrag. Nach rund drei Monaten Sprach- und Technikschulung in Valencia oder Barcelona stellt er den Kontakt zu einem Handwerksbetrieb her. Bislang sind 70 Prozent der Facharbeiter länger als ein Jahre in Deutschland geblieben.

Der Lebenslauf alleine reicht nicht

Das sind beeindruckende Zahlen. Denn es läuft nicht überall so gut. Der große Hype um die spanischen Fachkräfte hat sich mittlerweile etwas gelegt. Einige Projekte wurden eingestellt, viele Teilnehmer sind zurückgekehrt. Gefragt ist ein langer Atem, von beiden Seiten. Gelingt aber die Zusammenarbeit, können Handwerksbetriebe und Spanier profitieren. So wie zum Beispiel Geschäftsführer Lüdtke.

Er hat unterschiedliche Erfahrungen gemacht. 2015 hat er zwei Spanier in seinem Installations- und Heizungsbaubetrieb in der Nähe von Potsdam aufgenommen. Mit dem einen ist er sehr zufrieden und wird ihn langfristig übernehmen. Für den anderen endet der Vertrag nach einem Jahr. „Das Problem ist die Sprache. Er versteht meine Arbeitsanweisungen oft nicht. Da ist eine gute Zusammenarbeit kaum möglich“, sagt Lüdtke. Weil er in Deutschland keine Mitarbeiter findet, ist er für einen Tag nach Barcelona gereist: „Im direkten Gespräch ist es einfacher, die Kandidaten zu beurteilen. Nur den Lebenslauf zu lesen, reicht mir nicht.“

Deshalb möchte er auch Muñoz Toledano persönlich kennenlernen. Der Erfahrungsschatz des Spaniers ist groß. Seit der Lehre zum SHK- und Elektroinstallateur 1989 hat er durchgehend gearbeitet, unter anderem war er mehr als zehn Jahre für die Elektro- und Sanitäranlagen in einer großen Markthalle zuständig. Nun möchte er nach Deutschland. Dass es nicht einfach wird, weiß er auch. Viele Spanier sind schnell wieder weg, wenn sie die Sonne, das Essen und ihre Freunde vermissen. Vieles ist in Deutschland anders: frühere Arbeitszeiten, neue Techniken und natürlich die Sprache. Trotz dieser Probleme versuchen nach wie vor viele von ihnen ihr Glück in Deutschland. Seit 2013 sind laut Statistischem Bundesamt durchschnittlich mehr als 20.000 pro Jahr nach Deutschland gezogen. Viele finden auch Arbeit. Nach Angaben der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung der Arbeitsagentur war Spanien 2012 und 2013 mit Abstand das wichtigste Herkunftsland und belegte 2015 immer noch Platz vier.

Auch bei den ausländischen Azubis sind die Spanier vorn. Bei MobiPro EU machen sie rund 60 Prozent aller Teilnehmer aus. Dank des Projekts haben seit 2013 fast 2.800 junge Spanier hier eine Lehre angefangen. Grund dafür ist auch die hohe Jugendarbeitslosigkeit, die Anfang 2016 imer noch bei fast 50 Prozent lag.

Langfristige Pläne haben Erfolg

Auch für Florentino Relucio Arras war es nicht einfach, einen Job zu finden. Der 25-Jährige hat sein BWL-Studium abgebrochen und sich über MobiPro EU für eine Kfz-Mechaniker-Lehre in Deutschland beworben. Seit fast drei Jahren arbeitet er nun im BMW-Autohaus Matthes in Meiningen in Südthüringen. Er habe nette Kollegen und schnell Anschluss gefunden: „Meine Mutter findet es auch gut, dass ich hier bin. Sie sagt: Alles ist gut, wenn ich glücklich bin.“ Auch sein Chef ist von ihm überzeugt. Florentino wird im Sommer übernommen.

Langfristig übernehmen möchte auch Lüdtke. Daher interessiert ihn beim Bewerbungsgespräch auch, wie die Zukunftspläne seiner potentiellen Mitarbeiter aussehen: „Wenn ich merke, dass ein Bewerber den Job in Deutschland nur als Übergangslösung sieht, kommt er für mich nicht infrage.“

Cristian Muñoz Toledano hat sich dazu schon Gedanken gemacht: „Ich kann mir gut vorstellen, wenn alles gut läuft, mit meiner Frau und den zwei Kindern nach Deutschland zu ziehen.“ Lüdtke hört das gerne. Und auch die anderen Antworten haben ihn überzeugt. Wenige Tage später meldet er sich und bietet Muñoz Toledano einen Vertrag an.

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