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Verfall des Ölpreis "Lagerbestände wirken wie Bleigewicht"

Der Rohstoffexperte der DZ-Bank, Axel Herlinghaus, sieht keine schnelle Steigerung des Rohölpreises. Das könnte zu einer stattlichen Zahl von Insolvenzen führen.

DHZ: Herr Herlinghaus, vor kurzem wurde das billige Öl noch als Konjunkturpaket bejubelt. Weshalb dreht sich die Stimmung?

Herlinghaus: Der Absturz des Rohölpreises von über 100 Dollar pro Barrel im Herbst 2014 auf deutlich unter 50 Dollar pro Barrel im Herbst 2015 wurde vom Markt anfänglich als reine Angebotsproblematik betrachtet und infolgedessen als veritabler Konjunktur-Stimulus für die rohölimportierenden Staaten interpretiert. Vor dem Hintergrund wackeliger Wirtschaftsdaten aus China und wachsender Zweifel in die Robustheit der Weltkonjunktur nahm zuletzt aber die Zahl der Investoren zu, die in dem fortgesetzten Ölpreisverfall auf aktuell rund 30 Dollar pro Barrel auch eine nachfrageseitige Ursache vermuten.

DHZ: Erwarten Sie eine Pleitewelle in der Ölbranche?

Herlinghaus: Pleitewelle ist vielleicht ein wenig zu dramatisch formuliert. Sicherlich wird es aber zu einer stattlichen Zahl an Insolvenzen in der US-Schieferölindustrie kommen. Hier trifft es insbesondere Firmen, die unzureichend kapitalisiert sind, einen eingeschränkten Zugang zu externen Finanzierungsquellen haben und deren Produktionskosten zu hoch sind. Dieser Ausdünnungsprozess wird die US-Rohölproduktion 2016 substanziell absenken und die Überversorgungssituation am Welt-Rohölmarkt fühlbar entschärfen.

"Das ist die 1-Million-Dollar-Frage"

DHZ: Warum wird nicht weniger gefördert?

Herlinghaus: Das ist die 1-Million-Dollar-Frage! Saudi-Arabien ist noch immer die treibende Kraft im Marktanteilsstreit. Das Land möchte nicht mehr wie früher weitgehend alleine für die Stabilisierung der Rohölpreise zuständig sein. Stattdessen will es sowohl OPEC-Partner wie Iran und Irak als auch große Nicht-OPEC-Produzenten wie Russland und Mexiko mit ins "Stabilisierungsboot" holen. Auch sie sollen ihre Produktion in der aktuellen Phase der Überversorgung kürzen, um die Preise wieder ansteigen zu lassen. Bleibt diese angestrebte Kooperation aus, wird Saudi-Arabien die über den Niedrigpreis agierenden Marktkräfte weiter wirken lassen. Das fortgesetzte Überangebot wird dann noch mehr Hochkosten-Produzenten aus dem Markt drängen.

DHZ: Was heißt das für Benzin-und Heizöl?

Herlinghaus: Man kann davon ausgehen, dass die Preise vorerst weiter sehr günstig bleiben. Wenn der Preis für einen Input-Rohstoff so stark nach unten strebt, dann wirkt sich dies natürlich auch auf die vertikalen Produktmärkte aus. Nach Auskunft des Mineralölwirtschaftsverbandes haben die Deutschen durch die niedrigeren Heizöl- und Benzinpreise allein 2015 rund 14 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr eingespart.

DHZ: Wo sehen Sie den Ölpreis Ende 2016?

Herlinghaus: Der niedrige Rohölpreis sorgt dafür, dass das Angebot langsam zurückgehen wird. Sollte die Konjunktur in China eine „harte Landung“ vermeiden können, wie wir dies unterstellen, bleibt die Nachfrage hoch. Damit werden die rekordhohen Lagerbestände Ende 2016 oder Anfang 2017 sukzessive zu fallen beginnen. Dann dürfte die extreme Niedrigpreisphase allmählich ihr Ende erreicht haben. Wir rechnen konservativ und erwarten einen Rohölpreis von 30 Dollar pro Barrel zum Jahresende – auch weil die in den vergangenen 18 Monaten aufgelaufenen Lagerbestände den kommenden Rohölpreisanstieg wie ein Bleigewicht belasten.

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