Erfolgsmotor Handwerkskammer (15): Verkehrkonzept kippt nach Intervention und Brief an Konstanzer Stadträte.
Partei für die Handwerker zu ergreifen, zählt zu den grundlegenden Aufgaben der Handwerkskammer Konstanz. Oft geschieht diese Lobbyarbeit im Hintergrund, in vertraulichen Gesprächen mit Politikern und anderen Entscheidungsträgern. Manchmal bedarf es allerdings auch öffentlichen Drucks – wie im Falle der geplanten unechten Einbahnstraße im Konstanzer Stadtteil Wollmatingen.
Abkapselung nicht zu akzeptieren
Mit einem neuen Verkehrskonzept wollte man in Konstanz der prekären Wohn- und Verkehrssituation in Wollmatingen begegnen. Nur die Interessen der Gewerbetreibenden waren in diesem Konzept nicht berücksichtigt worden. Vielmehr war dort von einer „temporären, unechten Einbahnstraßenregelung“ die Rede – mit schwerwiegenden Konsequenzen für die Handwerksbetriebe.
Denn deren Kundschaft hätte diese Regelung den Weg versperrt. "Die Einbahnstraße hätte Anwohner, Arbeitnehmer und Kunden zu einem teilweise erheblichen Umweg gezwungen“, sagt Georg Hiltner, Hauptgeschäftführer der Handwerkskammer Konstanz. "Für uns war klar: Diese Abkapselung können wir nicht widerstandslos akzeptieren. Schließlich stehen hier die Existenzgrundlage vieler Handwerker in Wollmatingen und damit verbunden auch Arbeitsplätze auf dem Spiel.“
Standortbedingungen einbeziehen
Gemeinsam mit den Handwerkern vor Ort sprach sich Hiltner deshalb in einer Bürgerversammlung gegen das Einbahnstraßenkonzept aus und schilderte die Auswirkungen für die Betriebe. In einer Pressemitteilung und mehreren Schreiben – unter anderem an die Stadträte – verdeutlichte er die Position des Handwerks und forderte eine Überarbeitung des Konzepts. Dieses Mal allerdings unter Berücksichtigung der Belange der Unternehmer. "Ein neues Verkehrskonzept muss die Standortbedingungen der Betriebe mit einbeziehen“, so Georg Hiltner. "Die Einbahnstraßenregelung ist für sie mehr als kontraproduktiv, zumal mit der Westtangente und den im Konzept bereits enthaltenen städtebaulichen Maßnahmen der Durchgangsverkehr in Wollmatingen schon stark verringert werden kann.“
Veto von Erfolg gekrönt
Das ebenso kurzfristige wie effiziente Einschreiten hatte Erfolg: Ende Oktober 2011 kippte der Konstanzer Stadtrat die unechte Einbahnstraße. Zunächst sollen nun Erfahrungen mit der Westtangente sowie weiteren Geschwindigkeitsbeschränkungen im Ortskern gesammelt und deren Auswirkungen auf die Verkehrsbelastung in Wollmatingen abgewartet werden. Erst wenn dies zu keiner Verbesserung führt, wird neu diskutiert. Dieses Mal dann hoffentlich von Beginn an mit den betroffenen Handwerkern. Wenn nicht, wird die Handwerkskammer sich erneut für deren Belange starkmachen.
Meinung
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