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Konjunktur Keine Zeit zum Ausruhen

Die Konjunktur zeigt sich derzeit – getragen vom Binnenkonsum – robust, doch strukturelle Fehler könnten mittelfristig das Wachstum gefährden.

Ein solides und stetiges Wirtschaftswachstum – das Statistische Bundesamt bescheinigt dem vergangenen Jahr gute Wirtschaftsdaten. Demnach wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 1,7 Prozent. Damit liegt das Wachstum wieder über dem Durchschnittswert der letzten zehn Jahre von +1,3 Prozent.
Getragen wird diese positive Entwicklung von der Binnennachfrage. Die privaten Konsumausgaben stiegen 2015 um 1,9 Prozent – und damit so stark wie seit dem Jahr 2000 nicht mehr.

Auch für das laufende Jahr sagen die meisten Wirtschaftswissenschaftler und Konjunkturexperten eine robuste Konjunktur voraus. Das prognostizierte Wachstum liegt je nach Institut zwischen 1,3 und 2 Prozent. Unklar ist, welche Auswirkungen die Turbulenzen an den Finanzmärkten, ausgelöst durch die wirtschaftliche Schwäche Chinas und die verschiedenen Krisenherde, etwa im Nahen Osten, auf die deutsche Konjunktur haben werden.

Investitionsneigung weltweit zu schwach

Für Professor Michael Grömling, Leiter der Forschungsgruppe Konjunktur am Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln, ist das abhängig von der Branche. Die Unternehmens­größe selbst spiele eine untergeordnete Rolle. Gefahr bestehe unter Umständen für Zulieferer der Industrie. "Die größten Belastungen laufen über die nachlassende Investitionswirtschaft", sagte Grömling im Gespräch mit der Deutschen Handwerks Zeitung (DHZ). Denn in China zum Beispiel leide vor allem die Investitionsgüternachfrage. Für die konsumnahen Branchen aus dem Handwerk sieht Grömling dagegen keine Gefahr.

Langfristig sei die Investitionsschwäche aber auch eine Gefahr für kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Denn nicht nur China leidet darunter, auch Deutschland und Europa. Im Inland habe sich eine abwartende Haltung breitgemacht. Doch nicht nur die allgemeine Krisenstimmung sei Grund dafür, warum sich Betriebe mit Investitionen zurückhalten, sondern auch die Unsicherheit, wie sich technische Entwicklungen wie die Digitalisierung auf die eigenen Branchen auswirken. "Die Unternehmen warten erst einmal ab, was auf sie zukommt", so Grömling.

Auch Marcel Fratzscher, Leiter des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, warnt davor, sich auf den guten Wirtschaftsdaten auszuruhen. Die Aussichten für 2016 seien generell gut. "Von der weiterhin starken Nachfrage deutscher Konsumenten werden vor allem Unternehmen in den konsumnahen Dienstleistungssektoren profitieren", sagte der Marktökonom gegenüber der DHZ.

Trotzdem sei Vorsicht geboten. Denn einerseits bleibe die wirtschaftliche Unsicherheit weltweit hoch. Die größte Schwäche der deutschen Wirtschaft läge jedoch in den viel zu geringen privaten und öffentlichen Investitionen. Die Politik sei gefordert, endlich die Rahmenbedingungen für private Investitionen zu verbessern. Das sei gerade für KMU von enormer Bedeutung.

In einem Gastbeitrag auf "Spiegel Online" zählt Fratzscher verschiedene grundlegende Schwächen auf, unter denen die Wirtschaft leidet: einseitiges, zu geringes Wirtschaftswachstum durch privaten Konsum und Ausgaben für Flüchtlinge, eine schlechte Produktivitätsentwicklung sowie fehlende öffentliche Investitionen in die Infrastruktur.

Rahmenbedingungen ­verhindern Investitionen

Die Investitionsmüdigkeit deutscher Unternehmen führt er auch auf die schlechten Rahmenbedingungen zurück: schlechte Infrastruktur, fehlende Fachkräfte, steuerliche Fehlanreize und überbordende Bürokratie.

Auch nach Ansicht des Zentralverbands des Deutschen Handwerks sollte die Politik mehr für die Infrastruktur tun. Ansonsten sei die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland gefährdet.

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