Jeder vierte Meister ist weiblich - Baden-Württemberg - deutsche handwerks zeitung

Baden-Württemberg - Ausgabe 21/2009

Jeder vierte Meister ist weiblich

Chancen so gut wie nie zuvor: Frauen im Handwerk auf dem Vormarsch

Immer mehr Frauen nehmen im Handwerk das Werkzeug in die Hand.Foto: bbw

Die Chancen junger Frauen sind im baden-württembergischen Handwerk so gut wie nie zuvor. Der Anteil der weiblichen Auszubildenden ist mit 25,8 Prozent auf dem höchsten Stand seit 15 Jahren angelangt. Ein Plus auch bei den Meisterprüfungen: Jeder vierte Handwerksmeister ist weiblich. „In vielen Branchen wird gezielt um junge Frauen geworben“, stellte Landeshandwerkspräsident Joachim Möhrle fest, „das trägt langsam, aber sicher Früchte.“

Traditionell eine Hochburg der weiblichen Azubis bleibt das Friseurhandwerk (89 Prozent). Unter den zehn stärksten Berufen finden sich aber auch die Augenoptikerinnen (78 Prozent Frauenanteil), Zahntechnikerinnen (62 Prozent), Malerinnen und Lackiererinnen (13 Prozent), Tischlerinnen (zehn Prozent), Fotografinnen (66 Prozent), Maßschneiderinnen (91 Prozent) und Raumausstatterinnen (46 Prozent). In einem ausgesprochenen Zukunftsberuf wie Hörgeräteakustikerin sind 61 Prozent Frauen. Sogar die ursprünglich klassische Männerdomäne Bauhandwerk weist inzwischen einen steigenden Frauenanteil auf. 493 von 9.700 Lehrstellen sind aktuell mit Mädchen besetzt. Bei jeder vierten bestandenen Meisterprüfung konnte eine Frau den Meisterbrief in Empfang nehmen. Besonders positiv: Frauenpower im Handwerk entwickelt sich auch hier zunehmend in den typischen Männerberufen, zum Beispiel ist im Baugewerbe immer öfter eine Frau der Chef. Frauen zeigen in größerer Zahl Interesse an der Meisterprüfung und legen so mit der Spitzenqualifikation die Basis für eine Selbstständigkeit im Handwerk. Ihr Anteil an den Meisterprüfungen hat sich in den vergangenen zehn Jahren auf nahezu 25 Prozent verdoppelt. 825 Frauen stellten sich 2008 erfolgreich den Prüfern. Der Löwenanteil dabei entfällt erneut auf die Friseurmeisterinnen. Während insgesamt im Zuge der Handwerksnovelle die Zahl der Meisterprüflinge deutlich nachließ, lag die Zahl neuer Meisterinnen im Friseurhandwerk über Jahre hinweg zwischen 400 und 600 und liegt seit 2006 konstant sogar bei über 600. Qualifizierten Bewerberinnen stehen im Handwerk die Türen offen. Gleichzeitig brauche es einen Bewusstseinswandel auch bei den Frauen selbst, meinte Möhrle. Derzeit entscheiden sich über die Hälfte der weiblichen Auszubildenden in der Wirtschaft nur für zehn von fast 400 Ausbildungsberufen. Möhrle: „Interesse von Mädchen für das gewerbliche, naturwissenschaftliche und technische Handwerk sollte schon im Rahmen der Schulausbildung geweckt werden oder besser noch im Kindergarten.“eh

 
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