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Deutsche Telekom schaltet 2018 um ISDN-Aus: Wie der Wechsel auf All-IP funktioniert

Bis 2018 sollen alle Anschlüsse der Deutschen Telekom auf IP-Telefonie umgestellt sein. Handwerksbetriebe, die noch ISDN nutzen, müssen deshalb aber nicht in Panik verfallen. Wie der Wechsel gelingt.

Bis 2018 sollen alle ISDN-Anschlüsse in Deutschland abgeschaltet sein. Doch die Deutsche Telekom will am liebsten nicht so lange warten, um ihre bestehenden ISDN-Kunden auf die neue IP-Technologie (IP = Internet Protocol) umzustellen. Deswegen hat sie bereits 2015 damit begonnen, Kunden mit alten Verträgen, die eine ISDN-Leitung beinhalten, per Brief die Kündigung dieser Verträge in Aussicht zu stellen. Die Briefe der Telekom wurden von vielen Kunden als eine Art Nötigung empfunden.

Doch was ist All-IP überhaupt und wie funktioniert der Wechsel? Antworten auf die wichtigsten Fragen zur Abschaltung von ISDN und zum Wechsel auf All-IP

Was ist IP-Telefonie überhaupt?

IP (Internet Protocol) bezeichnet ein weit verbreitetes Netzwerkprotokoll in Computernetzen. Wird über diese Computernetzwerke telefoniert, also Sprache übertragen, ist von IP-Telefonie die Rede. Dabei kann der Anschluss genutzt werden, über den auch im Internet gesurft wird – die Breitbandtechnik macht es möglich. Die Sprache wird bei der IP-Telefonie digitalisiert und per Internet Protocol in kleinen Datenpaketen zum Empfänger übertragen und dort wieder entpackt. IP-Telefonie lässt sich dabei auch direkt über den Computer oder per Smartphone nutzen.

Stirbt ISDN wirklich aus?

Tatsache ist, dass die Pläne der Telekom bereits seit Frühjahr 2014 offiziell bekannt sind. Die Briefe waren ein erster Versuch, die Kunden direkt zu informieren und ihnen die neue Technik und die dazugehörigen Tarife schmackhaft zu machen.

Tatsache ist auch, dass das gute alte ISDN, technisch hoffnungslos überholt ist. Für die Telekom selbst ist der Betrieb von ISDN nur noch eins, nämlich teuer. Durch die IP-Technik kann sie sowohl Telefonie als auch Daten über dieselbe Leitung bereitstellen, zudem ist die IP-basierte Netzwerktechnik in ihren Rechenzentren wesentlich billiger.

Wechsel von ISDN zu All-IP zwingend nötig

Auch wenn die Zuverlässigkeit der IP-Anschlüsse der Telekom  noch nicht hundertprozentig ist, sollten Firmen mit ISDN-Anschlüssen den Umstieg auf IP jetzt auf dem Schirm haben, denn er ist unabwendbar.

Die Telekom geht auf die Firmenkunden zu und berät sie in Sachen Umstieg. Für kleinere Unternehmen und Selbstständige sollte der Umstieg über die bekannten Call-und-Surf-Tarife kein Problem sein. Während sich die meisten ISDN-Anwendungen für den Datenaustausch relativ leicht auf Internet-Standards migrieren lassen, ist die Sache mit den Telefonanlagen etwas weniger trivial.

IP-Anschluss einrichten: So funktioniert es

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Braucht man für All-IP eine bestimmte Telefonanlage?

Neuere Telefonanlagen sind häufig sowohl für ISDN- als auch IP-Anschlüsse gerüstet. In diesem Fall muss beim Umstieg auf IP nur die Anschlussart neu eingerichtet werden. Die meisten Hersteller von TK-Anlagen, von Unify (ehemals Siemens) über Avaya bis Aastra und Agfeo, haben in den vergangenen Jahren solche hybriden Anlagen auf den Markt gebracht. Für größere Firmen bietet die Telekom seit 2016 Zwischenlösungen wie Router und Gateways an, um ältere Anlagen auch über einen IP-Anschluss betreiben zu können.

Bestehende Verträge werden entweder mit den neuen technischen Details für IP-Technik angepasst (in der Regel mit günstigeren Konditionen) oder es wird gleich ein neuer Vertrag angeboten.

Bei Anlagen, die älter als fünf Jahre sind, ist eine Umrüstung oft nicht möglich oder die Kosten dafür zu hoch, als dass es sich wirklich lohnen würde. In diesem Fall wäre es ratsam zu überlegen, ob sich der Kauf einer neuen Telefonanlage überhaupt noch lohnt. Was heute eine stationäre Telefonanlage kann, gibt es seit einigen Jahren auch als Dienstleistung aus dem Internet zu mieten, aus der so genannten Cloud.

Ist Cloud-Telefonie die Zukunft?

Cloud-basierte Telefonanlagen, angeboten von Spezialisten wie Nfon, Sipgate, Placetel und seit neuestem auch von Vodafone und O2, bieten viele Vorteile. So muss beispielsweise keine Hardware eingekauft werden – von den IP-tauglichen Telefonen abgesehen, die im Zuge der Umstellung sowieso fällig gewesen wären. Auch ein langjähriger Wartungsvertrag entfällt, da die Anlage als Dienstleistung wahrgenommen wird. Die Kosten dafür sind als Betriebsausgaben absetzbar.

Außerdem kann im täglichen Betrieb ein Nebenstellentelefon überallhin mitgenommen und von überall betrieben werden, wo es einen Internet-Anschluss gibt. Damit ist man praktisch überall unter der Büronummer erreichbar. Auch lässt sich die Nebenstelle bei manchen Anbietern über eine Smartphone-App auf dem Handy betreiben.

"Der Cloud gehört die Zukunft der Kommunikation", glaubt nicht nur Nfon-Chef Rainer Koppitz. Alle großen Netzbetreiber bereiten sich auf eine Zukunft vor, in der Kommunikation generell über eine Leitung läuft, ganz gleich ob sie über Sprache, Text, Daten oder Video stattfindet. ISDN ist nicht mehr notwendig.

Wie lange gibt es ISDN in Deutschland schon?

Seit etwa 20 Jahren ist ISDN die digitale Standardtechnologie im deutschen Telefonnetz. In diesem Zeitraum hat sich auf dem Kommunikationsmarkt enorm viel getan. Internet und Telekommunikation wachsen immer mehr zusammen. Als gemeinsame Sprache wird dabei das Internet-Protokoll, kurz IP, verwendet. Lediglich die Telefonie funktioniert noch nicht überall mit IP-Technik.

Von der ISDN-Abschaltung sind weit über 20 Millionen Anschlüsse betroffen. Die ersten wurden bereits Mitte 2014 umgestellt.

Was passiert mit den alten ISDN-Geräten? 

  • TK-Anlage: Bei einem All-IP-Anschluss handelt es sich um einen reinen DSL-Anschluss. Um eine vorhandene ISDN-Telefonanlage an einem solchen Anschluss weiter nutzen zu können, ist ein All-IP-fähiger Router mit mindestens einer ISDN-Schnittstelle notwendig.
  • Router: Einige Routermodelle lassen sich für nur rund 100 Euro per Option All-IP-fähig machen. Ist dies nicht möglich, muss ein All-IP-fähiger Router gekauft werden, der verschiedene Anschlüsse für ISDN, analog oder Fax bereitstellt.
  • Telefone: Analoge Telefone, schnurlos oder mit Kabel, telefonieren künftig über IP, indem sie an der Telefonbuchse des Routers angeschlossen werden. ISDN-Telefone können ebenfalls weiter genutzt werden, vorausgesetzt der Router verfügt über eine ISDN-Buchse. Ist dies nicht der Fall, ist die Anschaffung eines externen ISDN-Adapters eine Alternative.
  • Faxgeräte: Auch Faxe können über IP übertragen werden. Dafür ist es jedoch erforderlich, dass das Faxgerät an einem analogen Anschluss des Routers angeschlossen wird. Bei Faxgeräten an einem ISDN-Adapter ist oft eine Umverkabelung oder Umprogrammierung erforderlich. In manchen Fällen ist es sinnvoll, die maximale Übertragungsrate am Faxgerät herunterzuschalten (z.B. 14.400 Bit/s oder 9.600 Bit/s), um eine stabile Faxübertragung zu erhalten.

Wann wird mein ISDN-Anschluss umgestellt?

Die Umstellung wird in mehreren Schritten vollzogen: Zunächst trifft es Kunden mit einer Kombination aus einem Telefon- und einem VDSL-Anschluss. Das hat seinen Grund: Zeitgleich zur IP-Umstellung arbeitet die Telekom auch an der Erneuerung des seit 2006 aufgebauten VDSL-Netzes. Wo heute VDSL zur Verfügung steht, soll dann der Datenturbo VDSL2 mit Datenraten von bis zu 100 MBit/s anlaufen. Dazu wird jedoch die gesamte Bandbreite benötigt, Analogtelefonie oder ISDN stehen im Weg. Dieser Schritt wird für die betroffenen Anschlüsse gemeinsam mit der All-IP-Umstellung seit 2016 vollzogen werden.

Ab 2017 werden dann die Anschlüsse der verbleibenden DSL-Kunden umgestellt. Dabei unterscheidet die Telekom nicht zwischen Privathaushalten und Geschäftskunden mit ein bis zwei Telefonanschlüssen, wie sie etwa in Handwerksbetrieben gang und gäbe sind.

Betriebe mit einer kleinen ISDN-Telefonanlage mit wenigen Telefonen werden in absehbarer Zeit damit konfrontiert sein, dass ihre Anlage nicht mehr mit dem neuen IP-Anschluss funktioniert.

Wie frühzeitig muss der Wechsel von ISDN auf All-IP geplant werden?

Generell sollte die Umstellung frühzeitig geplant werden. Wer technisch nicht so versiert ist, kann sich an die Deutsche Telekom wenden oder einen spezialisierten Fachhändler kontaktieren, der ihn bei der Umstellung neutral berät und technisch begleitet, etwa auch beim Thema Fax über IP-basierte Netze. So ist es beispielsweise mit einigen Routern möglich, die Konfigurationen für das alte und das neue Netz parallel zu speichern und am Tag der Umstellung einfach per Knopfdruck umzuschalten. Ohne Ausfallzeiten oder Datenverlust.

Hat der Wechsel Vorteile?

Am Ende der Umstellung eröffnet All-IP auch kleinen Betrieben, die die Technologie sinnvoll einsetzen, Vorteile: etwa effizientere Arbeitsabläufe – durch weniger Zettelwirtschaft und die Einbindung von Smartphones und Tablets in den Arbeitsalltag.

Welche Alternativen zu All-IP gibt es?  

Es gibt eine kostengünstige Alternative: Will man eine vorhandene ISDN-TK-Anlage weiter nutzen, schafft ein All-IP-fähiger Router, der über mindestens eine ISDN-Schnittstelle verfügt, Abhilfe. So genannte „IP-ISDN-Gateways“ dienen als „Übersetzer“ zwischen ISDN und IP. Sie werden am Tag der Umstellung zwischen die Telefonanlage und den All-IP-Anschluss geschaltet. An der Telefonanlage müssen keine Änderungen vorgenommen werden. Lediglich das Kabel wird umgesteckt. Das verhindert auch Ausfallzeiten.

Auf dem Markt gibt es mittlerweile spezielle Router, die den Mischbetrieb aus VoIP-, ISDN- und Analog-Geräten ermöglichen: Bestehende TK-Anlagen, Telefone und Faxgeräte können ohne Komponentenaustausch weiter genutzt werden. Andere Router können mit einer Zusatz-Option zum IP-ISDN-Gateway aufgerüstet werden.

Welche Internet-Geschwindigkeit verspricht die Telekom mit All-IP?

Bei 80 Prozent aller Anschlüsse soll 2018 eine Geschwindigkeit von mindestens 50 MBit/s garantiert sein, heißt es von Seiten der Telekom. In der Spitze sollen über Super-Vectoring-Technik 250 Mbit/s im Download und 50 MBit/s im Upload möglich sein. Der Upload wird wichtiger, weil viele Kunden immer mehr Videos und Bilder über soziale Medien ins Netz hochladen und nicht nur Daten beziehen möchten.

Beim Vectoring wird dem Übersprechen zwischen benachbarten Teilnehmeranschlussleitungen entgegengesteuert. Schließlich sind in Hauptkabeln bis zu einigen tausend Teilnehmeranschlussleitungen räumlich eng zusammengefasst und können sich so gegenseitig stören.

Neuer DSL/LTE-Hybride eingeführt 

Um für noch mehr Geschwindigkeit zu sorgen als beim Super Vectoring und bei langsamen Leitungen schneller Daten übertragen zu können, hat die Telekom am 2. März 2015 ein Hybrid-Gerät im Markt eingeführt. Nach Angaben der Telekom handelt es sich bei dem von Huawei gebauten Router um eine Weltneuheit. Bei der Technik wird die DSL-Verbindung je nach Bedarf mit dem LTE-Netz kombiniert. Dafür hat die Telekom im Router einen Chip integriert, der erkennt, wann LTE zugeschaltet werden muss und der die Datenströme steuert.

Das neue Gerät soll damit in der Spitze Geschwindigkeiten von bis zu 550 MBit/s ermöglichen. Viel interessanter ist jedoch, dass so auch kleine und mittlere Unternehmen mit schlechter DSL-Verbindung einen schnelleren Anschluss bekommen können. Viele Handwerksbetriebe könnten davon profitieren. Die Telekom bewirbt das neue Angebot als "Magenta Hybrid Tarif".

Wie viel kostet die Umstellung von ISDN auf All-IP?

Eine bundesweite Abdeckung von 95 Prozent mit All-IP hält die Telekom ab 2018 für realistisch. Die Umstellung auf das IP-Netz kostet den Konzern einige Milliarden Euro. Bei rund 60.000 Kunden pro Woche wird der IP-Anschluss derzeit geschaltet. In diesem Tempo soll es weiter gehen.

Von Jannis Moutafis / Steffen Guthardt und Martin Krebs

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Liveblog: Deutscher Handwerkstag 2016 in Münster

Reporter der Deutschen Handwerks Zeitung berichten vom 8. bis 9. Dezember via Liveblog vom Deutschen Handwerkstag in Münster. Von der Wahl des ZDH-Präsidenten bis zum ZDH-Forum mit Angela Merkel – Bei uns verpassen Sie keinen Programmpunkt.
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Anonym

IP-Telefonie und Sicherheit?

Ist ja schön, wenn die Übertragungsrate für das Internet steigt. Aber wo bleibt bitte der Aspekt der Sicherheit? Damit meine ich weniger die Verfügbarkeit als die Möglichkeit die so geführten Gespräche abzuhören. Gesprochenes analoges Wort bedarf viel mehr Speicherplatz und aufwendige Soft- und Hardware um sie automatisch zu verarbeiten. Mit der Umstellung auf IP-Telefonie kann jeder der ein Youtube-Video gucken kann zum Thema "Hacken" auch die Gespräche anderer abhören, mitschneiden und verändern.

Achim Nagel

IP Telefonie

Sehr geehrt Damen und Herren,
es ist toll wenn man so eine IP Telefonie betreibt, denn dann lernt man viel Menschen der Fa. Telkom kennen. Wir betreiben Privat so eine Anlage, mit der wir sehr oft nicht erreichbar sind. (No Telekomunikation) Die Telekom müsste nur auch Ihre Mitarbeiter so schulen, so dass der eine nicht hü und der andere zu gleichen Problem hot sagt. 5 Mitarbeiter die bei uns im Hause waren erklärten: " Sie dürfen nie Ihr Gerät auf Werkseinstellung zurück stellen, denn sonst müssen Sie wieder alles neu eingeben. Das Gerät das Sie da stehen haben ist das Beste, was von der Telekom vertrieben wurde."
Am Telefon bekommen Sie als dritte Antwort, zu dem Fehlergesagt:" Drücken Sie mal mit einem Stift, an dem Platz rein, dann haben Sie das Gerät auf Werkseinstellung zurück gestellt, dann ist alle wieder gut."
Wir leben mit den Fehlern der Tellekom, was für eine gehbehinderte Frau, zur Komunikation, eigentlich eine Katastrophe ist.
Die Aufzeichnungen zu diesen Punkten füllt mehr als eine DIN A4 Seite.
Mit freundlichen Grüße
Achim Nagel