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Deutsche Telekom schaltet 2018 um ISDN-Aus: So funktioniert der Wechsel auf All-IP

Bis 2018 sollen alle Anschlüsse der Deutschen Telekom auf IP-Telefonie umgestellt sein. Handwerksbetriebe, die noch ISDN nutzen, müssen deshalb aber nicht in Panik verfallen. Wie der Wechsel gelingt.

Seit etwa 20 Jahren ist ISDN die digitale Standardtechnologie im deutschen Telefonnetz. In diesem Zeitraum hat sich auf dem Kommunikationsmarkt enorm viel getan. Internet und Telekommunikation wachsen immer mehr zusammen. Als gemeinsame Sprache wird dabei das Internet-Protokoll, kurz IP, verwendet. Lediglich die Telefonie funktioniert noch nicht überall mit IP-Technik. Doch die Tage von ISDN sind bald gezählt. Die Zukunft heißt All-IP.

Ziel von Providern, wie z. B. der Deutschen Telekom, ist es, alle Dienste und damit auch die Telefonie auf eine IP-basierte Netzplattform zu migrieren. Klassische Telefongespräche werden als Internet-Datenpakete übertragen. Das kennt man unter dem Schlagwort "Voice over IP" schon länger, doch nun werden b is Ende 2018 auch das analoge Festnetz und das digitale Telefonnetz ISDN von IP-Telefonie abgelöst.

So mancher Kunde hat schon ein Schreiben seines Anbieters erhalten, in dem die Umstellung auf IP-Telefonie angekündigt wird. Betroffen sind weit über 20 Millionen Anschlüsse. Die ersten wurden Mitte 2014 umgestellt, vielen Handwerksbetrieben steht der Wechsel noch bevor.

Umstellung in Etappen

Die Umstellung wird in mehreren Schritten vollzogen: Zunächst trifft es Kunden mit einer Kombination aus einem Telefon- und einem VDSL-Anschluss. Das hat seinen Grund: Zeitgleich zur IP-Umstellung arbeitet die Telekom auch an der Erneuerung des seit 2006 aufgebauten VDSL-Netzes. Wo heute VDSL zur Verfügung steht, soll dann der Datenturbo VDSL2 mit Datenraten von bis zu 100 MBit/s anlaufen. Dazu wird jedoch die gesamte Bandbreite benötigt, Analogtelefonie oder ISDN stehen im Weg. Dieser Schritt soll für die betroffenen Anschlüsse gemeinsam mit der All-IP-Umstellung 2016 vollzogen werden.

Ab 2017 werden dann die Anschlüsse der verbleibenden DSL-Kunden umgestellt. Dabei unterscheidet die Telekom nicht zwischen Privathaushalten und Geschäftskunden mit ein bis zwei Telefonanschlüssen, wie sie etwa in Handwerksbetrieben gang und gäbe sind.

Betriebe mit einer kleinen ISDN-Telefonanlage mit wenigen Telefonen werden in absehbarer Zeit damit konfrontiert sein, dass ihre Anlage nicht mehr mit dem neuen IP-Anschluss funktioniert. Was ist zu tun?

Die Anschaffung einer neuen IP-Telefonanlage, inklusive neuer Telefone, ist kostenintensiv. Oftmals laufen für die bestehende Anlage zudem noch Wartungsverträge. Wer sich für eine neue IP-Anlage entscheidet, muss neben dem finanziellen Aufwand noch mit weiteren Unannehmlichkeiten rechnen: Aufgrund der großen Anzahl an Kunden werden die Umstellungen nicht nur an Wochenenden oder zu Zeiten, in denen kein oder wenig Betrieb ist, stattfinden. Die Umstellung zwischen den Anlagen im laufenden Betrieb kann den Verlust von elektronischen Adressbüchern mit Kontakten und Telefonnummern zur Folge haben.

Alternativen für Betriebe

Eine andere Möglichkeit ist der Wechsel zu einer virtuellen Telefonanlage aus dem Internet, einer Cloud-PBX. Sie wird prinzipiell von einem All-IP-Anschluss unterstützt. Doch auch hier müssen neue Telefone angeschafft und gegebenenfalls das (veraltete) interne ISDN-Netz IP-fähig gemacht werden, da die Telefone der Cloud-PBX ebenfalls nur noch über IP kommunizieren.

Es gibt aber noch eine kostengünstigere Alternative: Will man eine vorhandene ISDN-TK-Anlage weiter nutzen, schafft ein All-IP-fähiger Router, der über mindestens eine ISDN-Schnittstelle verfügt, Abhilfe. So genannte „IP-ISDN-Gateways“ dienen als „Übersetzer“ zwischen ISDN und IP. Sie werden am Tag der Umstellung zwischen die Telefonanlage und den All-IP-Anschluss geschaltet. An der Telefonanlage müssen keine Änderungen vorgenommen werden. Lediglich das Kabel wird umgesteckt. Das verhindert auch Ausfallzeiten.

Auf dem Markt gibt es mittlerweile spezielle Router, die den Mischbetrieb aus VoIP-, ISDN- und Analog-Geräten ermöglichen: Bestehende TK-Anlagen, Telefone und Faxgeräte können ohne Komponentenaustausch weiter genutzt werden. Andere Router können mit einer Zusatz-Option zum IP-ISDN-Gateway aufgerüstet werden.

Generell sollte die Umstellung frühzeitig geplant werden. Wer technisch nicht so versiert ist, kann sich an die Deutsche Telekom wenden oder einen spezialisierten Fachhändler kontaktieren, der ihn bei der Umstellung neutral berät und technisch begleitet, etwa auch beim Thema Fax über IP-basierte Netze. So ist es beispielsweise mit einigen Routern möglich, die Konfigurationen für das alte und das neue Netz parallel zu speichern und am Tag der Umstellung einfach per Knopfdruck umzuschalten. Ohne Ausfallzeiten oder Datenverlust.

Am Ende der Umstellung eröffnet All-IP auch kleinen Handwerksbetrieben, die die Technologie sinnvoll einsetzen, Vorteile: etwa effizientere Arbeitsabläufe – durch weniger Zettelwirtschaft und die Einbindung von Smartphones und Tablets in den Arbeitsalltag.

Was passiert mit meinen alten ISDN-Geräten?

TK-Anlage: Bei einem All-IP-Anschluss handelt es sich um einen reinen DSL-Anschluss. Um eine vorhandene ISDN-Telefonanlage an einem solchen Anschluss weiter nutzen zu können, ist ein All-IP-fähiger Router mit mindestens einer ISDN-Schnittstelle notwendig.

Router: Einige Routermodelle lassen sich für nur rund 100 Euro per Option All-IP-fähig machen. Ist dies nicht möglich, muss ein All-IP-fähiger Router gekauft werden, der verschiedene Anschlüsse für ISDN, analog oder Fax bereitstellt.

Telefone: Analoge Telefone, schnurlos oder mit Kabel, telefonieren künftig über IP, indem sie an der Telefonbuchse des Routers angeschlossen werden. ISDN-Telefone können ebenfalls weiter genutzt werden, vorausgesetzt der Router verfügt über eine ISDN-Buchse. Ist dies nicht der Fall, ist die Anschaffung eines externen ISDN-Adapters eine Alternative.

Faxgeräte: Auch Faxe können über IP übertragen werden. Dafür ist es jedoch erforderlich, dass das Faxgerät an einem analogen Anschluss des Routers angeschlossen wird. Bei Faxgeräten an einem ISDN-Adapter ist oft eine Umverkabelung oder Umprogrammierung erforderlich. In manchen Fällen ist es sinnvoll, die maximale Übertragungsrate am Faxgerät herunterzuschalten (z.B. 14.400 Bit/s oder 9.600 Bit/s), um eine stabile Faxübertragung zu erhalten.

Über den Autor: Dr. Martin Krebs ist Director Product Management bei Lancom Systems, einem deutschen Hersteller professioneller Netzwerklösungen für Geschäftskunden und die öffentliche Hand.

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