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Augenoptiker: Trend zu Endrandung und Glazing Immer mehr lagern Fertigung aus

Der Anteil an Augenoptikern, die ihre Fertigung auslagern, steigt. Das ist das Ergebnis einer Branchenstrukturerhebung des Zentralverbands der Augenoptiker und Optometrist (ZVA). Welche Gründe das hat und warum dennoch der Großteil in der eigenen Werkstatt fertigt.

Die Zahl der stationären Augenoptiker, die ihre Brillengläser bereits fertig gerandet beziehungsweise endgefertigt liefern lassen, wächst. Das geht aus der Branchenstrukturerhebung 2015 des Zentralverbandes der Augenoptiker und Optometristen (ZVA) hervor. "Es ist zu vermuten, dass die Fertigstellung der Brillen außerhalb des Augenoptikerbetriebes weiter zunehmen wird", konstatiert Sigurd Schmitz, Leiterin der Abteilung Betriebswirtschaft und Krankenkassen beim ZVA.

Kleine Betriebe sparen Kosten

"Vor allem kleine Betriebe nutzen die Möglichkeit der Auslagerung, um Investitionen zu sparen", meint sie. 25 Prozent der Betriebe lassen die Korrektionsgläser endranden, also in die Form der vom Kunden ausgewählten Korrektionsfassung schleifen. Im Betrieb selbst findet nur noch die Montage der Fassung statt. Gegenüber der Erhebung vor rund vier Jahren ist der Anteil um zehn Prozentpunkte gestiegen.

15 Prozent der Betriebe – und damit fünf Prozent mehr als noch vor vier Jahren – nutzen das Glazing, bei dem die komplette Brille des Kunden extern gefertigt wird. Danach muss der Augenoptiker die fertige Brille lediglich seinem Kunden noch anpassen.

Handwerkskunst erhalten

Auf der anderen Seite kommt für 60 Prozent diese Auslagerung in der Regel nicht infrage. "Das liegt daran, dass Augenoptikerbetriebe üblicherweise über eine komplett ausgestattete Werkstatt mit einem Schleifautomaten verfügen. Damit die Investitionskosten sich amortisieren, sollte die Werkstatt ausgelastet sein", erläutert Schmitz. Entlastung kann diese Auslagerung der Fertigung aber beispielsweise bei Personalengpässen bringen. "Die Vergabe von schwierigen Verglasungen an externe Betriebe spart außerdem intern Arbeitszeit und vermeidet Ausschuss", betont Schmitz.

Doch trotz der Spareffekte hat die Auslagerung auch negative Auswirkungen. Denn mit ihr geht ein Stück Handwerkskunst verloren und damit auch die Möglichkeit, absolut individuelle Kundenwünsche zeitnah in der eigenen Werkstatt zu erfüllen. Zudem ist die Ausbildung des Berufsnachwuchses derzeit nur in Betrieben möglich, die über eine komplett ausgestattete Werkstatt verfügen.

Betriebe werden weniger

Die Branchenstrukturerhebung für Augenoptiker ergab auch, dass das Personal immer älter wird. Das Durchschnittsalter stieg  von 40,6 auf 43,1 Jahre. Gleiches gilt für die Inhaber. Deren  Durchschnittsalter  erhöhte sich auf 52,3 Jahre. 2010 waren es 51 Jahre. "Der Anstieg des Durchschnittsalters bedeutet, dass in der nächsten Zeit vermehrt Betriebsübergaben anstehen. 19 Prozent der Inhaber sind 60 Jahre und älter", teilt Schmitz mit. Seit einigen Jahren sei festzustellen, dass die Anzahl der Betriebe in der Branche zurückgeht. Sie können teilweise nicht mehr verkauft werden und schließen, weil sich kein Nachfolger finden lässt. Insbesondere kleinere Betriebe sind davon betroffen.

Während sich die Zahl der Betriebe mit einem Jahresumsatz von bis zu 250.000 Euro von 50 Prozent auf 45 Prozent verringert hat, gibt es bei den Umsatzzahlen im Ost/West-Vergleich im Bundesgebiet keine neue Entwicklung: Immer noch liegen die Betriebe in den alten Bundesländern mit einem durchschnittlichen Jahresumsatz von 353.400 Euro vor den Betrieben in Ostdeutschland. Deren Umsatz beträgt 257.800. mak

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