Lebenswege -

Lebenswege "Man nennt mich Tropfenmagier"

Markus Reugels ist Handwerker mit Leib und Seele. Erst absolvierte er eine Elektrikerlehre, dann eine Umschulung zum Parkettleger und heute ist er einer der weltweit besten Tropfenfotografen. In seinem Berufsalltag kann er harte Akkordarbeit mit der filigranen Kunst von Wassertropfen kombinieren.

Wassertropfen in Perfektion

Wenn Markus Reugels zum Werkzeug greift, ist Fingerspitzengefühl gefragt. Ob als Parkettleger bei den Kunden vor Ort oder zuhause in seinem ganz besonderen Fotostudio – der 34-Jährige liebt es, filigran zu arbeiten und kniffelige Probleme zu lösen. "Wenn es irgendwo hakt oder kleine Einzelteile im Parkett getauscht werden müssen, rufen die Kollegen meistens bei mir an", erzählt Reugels von seinem Arbeitsalltag als Parkettleger im unterfränkischen Marktsteinach. Aber auch, wenn er sich mit Spiegelreflexkamera, Wassereimer und Lebensmittelfarbe bepackt und nachmittags oder am Wochenende in seinem Fotostudio verschwindet, geht es um besondere Details und den Blick für die Feinheiten – die Feinheiten von Wassertropfen.

Markus Reugels
© Wörrle

Was einst mit einer Elektrikerlehre begann, ist heute die ganz besondere Handwerkerlaufbahn von Markus Reugels. Weil ihm der Beruf des Elektrikers nicht wirklich lag, schulte er nach der Ausbildung um und wurde Parkettleger. Schon seit 1999 arbeitet er in diesem Beruf – und das im Akkord. "Bezahlt werde ich nur nach Leistung, also nach verlegten Quadratmetern ", erzählt Reugels mit fester Stimme und lautem rollendem fränkischen "R". Doch dann wird er leiser und grinst, denn die Akkordarbeit bietet ihm viel Flexibilität. Er sieht es als Vorteil an, sich die Zeit selbst einteilen zu können. "Wer schnell und gut arbeitet, ist dann auch schnell fertig und hat am Nachmittag mehr Zeit", sagt der zweifache Vater, der neben Beruf und Hobby auch immer viel Zeit für die Familie einplant.

Die neue Kamera war eine Enttäuschung

Und mit seiner Zeit muss Markus Reugels mittlerweile sehr gut haushalten. "Ich bekomme mittlerweile so viele Anfragen von anderen Fotografen, von Firmen, die mit meinen Fotos werben wollen und von den Medien, dass ich den Nachmittag fast nur noch vor dem Computer verbringe", sagt der Tropfenfotograf ein wenig stolz und erzählt wie er zur Fotografie und seiner ganz eigenen Technik der Wassertropfenaufnahmen kam.

Begonnen hat alles, als sein Sohn vor vier Jahren auf die Welt kam. Erst knipste er vor allem die Familie, doch schnell kamen auch andere Motive dazu und seine Ansprüche an die Bildqualität wuchsen. Fasziniert war er besonders von Makroaufnahmen und so kaufte er sich eine Spiegelreflexkamera. Dann kam jedoch die große Enttäuschung. "Mit der neuen Kamera konnte ich nicht mehr einfach aufs Knöpfchen drücken, die Bilder waren anfangs viel schlechter", erzählt Reugels. Doch da hatte ihn die Leidenschaft fürs Fotografieren und der Ehrgeiz schon gepackt. Er besorgte sich Fachbücher und las viel in Internetforen über die Funktionen der Kamera nach. Dort stieß er auch auf einige Fotos von Wassertropfen.

Wassertropfen in Perfektion

Diese Bilder ließen ihn nicht mehr los und er begann mit seiner Kamera zu experimentieren. "Anfangs war es nur ein Plastikbecher, in den ich einen Zahnstocher gesteckt habe und eine Auflaufform, in die ich das Wasser tropfen ließ", erzählt Reugels, der mittlerweile zu den weltweit besten Tropfenfotografen zählt.

Heute – nur rund drei Jahre später – ist es eine ausgeklügelte Apparatur mit verschiedenen Düsen, Vorrichtungen für Blitze und andere Lichtquellen und eine Computersteuerung. Auch der Plastikbecher und der Zahnstocher sind verschwunden. Reugels setzt dagegen auf Verdickungsmittel und Lebensmittelfarbe, um das Wasser zähflüssig und bunt zu machen und so bessere Effekte zu erzielen. Als Untergrund wählt er mal eine Plexiglasscheibe, mal ein Wasserbecken oder einzelne Gegenstände, die betropft werden. Mal lässt er einen Wasserstrahl von unten ins Bild schießen und manchmal schießt es sogar selbst mit dem Luftgewehr durch die Tropfen. Auch Seifenblasen oder Rauchschwaden werden als Nebendarsteller in die Bilder integriert.

Momente voller Konzentration

So ergeben sich immer wieder neue Formen, abstrakte Gebilde von dreifarbigen Schirmchen über bunte Pilze und ganzen schimmernden Minilandschaften. Welche Formen und wie viele gute Fotos bei einer Fotosession wirklich entstehen, bleibt aber immer noch Zufall. "Ich weiß zwar mittlerweile ganz genau, welche Materialien und Hilfsmittel ich für die einzelnen Formen brauche, aber hundertprozentig steuern kann man das nicht", sagt Reugels. Ohne seine ausgefeilte Tropfensteuerung und die Blitze für die richtige Lichtstimmung in den Bildern würde er zwar heute nicht mehr auskommen wollen. Auf eine digitale Nachbearbeitung oder andere Fototricks verzichtet er jedoch größtenteils. Nur störende Lichtreflexe oder ungeplante Wasserspritzer retuschiert er weg.

Wassertropfen in Perfektion
© Markus Reugels

Was einst als reines Freizeithobby begann, ist für den Tropfenfotografen mittlerweile zu einem kleinen Nebenjob geworden. Doch auch wenn Markus Reugels davon träumt, dass seine Leidenschaft irgendwann einmal zum Broterwerb reicht, ist sie momentan vor allem eines: der Ausgleich zum stressigen Berufsalltag. "Wenn ich fotografiere, dann bin ich ganz in meiner Welt. Es sind die ruhigen Momente voller Konzentration, die ich dann genieße", sagt Reugels und sinkt beim Erzählen entspannt auf die Stuhllehne. Die Arbeit als Parkettleger will er so schnell nicht aufgeben. Er mag den Gegensatz zwischen der Arbeit im Akkord und der Kunst seiner Wassertropfen.

Doch sein Erfolg mit den Fotos deutet darauf hin, dass seine Kunst schon bald zu mehr reichen könnte, als nur zum reinen Brotwerwerb. Neben den Presseanfragen – auch von vielen internationalen Magazinen wie dem britischen Telegraph oder dem chinesischen Daily und Fernsehsendern – erreichen Markus Reugels auch immer mehr Angebote von Unternehmen, die mit seinen Wassertropfenfotos werben wollen. In diesen Tagen ist er beispielweise vom Getränkeproduzenten Campari für eine Barkeeper-Messe in Berlin engagiert. Für den Kamerahersteller Sony arbeitete er erst vor kurzem als Dozent in Workshops zur Wassertropfenfotografie.

Wassertropfen in Perfektion
© Markus Reugels

Der ganze Trubel um seine Person ist dem 34-Jährigen aber gar nicht so angenehm. "Ich stehe nicht so gerne in der Öffentlichkeit. Es ist mir lieber, wenn die Leute meine Fotos anschauen und nicht mich", sagt Reugels. Trotzdem freut er sich natürlich über seinen Erfolg: "In meinem Freundes- und Familienkreis werde ich nur noch 'Tropfenmagier' genannt."

Noch mehr Fotos von Markus Reugels und Informationen finden Sie auf seiner Website mit dem Titel "Wassertropfen in Perfektion" unter markusreugels.de.

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