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Chain of Custody: "Das übersteigt jegliches Maß" Holzbaubetrieben droht aufwändige Zertifizierung

Betriebe, die im Auftrag des Bundes Holz verbauen, müssen künftig eine betriebliche Produktkettenzertifizierung vorweisen. Zertifiziertes Holz zu verwenden, soll ab 1. Juli nicht mehr ausreichen.

Schon im Jahr 2010 hatten sich vier Bundesministerien darauf verständigt, dass bei der öffentlichen Vergabe von Holzbauaufträgen nicht nur ausschließlich zertifiziertes Holz (in der Regel nach FSC oder PEFC) verwendet werden darf, sondern dass auch die ausführenden Unternehmen selbst eine Zertifizierung vorweisen müssen.

Bisher wurde dieses Vorhaben nicht beachtet, doch kürzlich hat das Bundesumweltministerium per Erlass angekündigt, die Forderung vom 1. Juli an (bei beschränkten Ausschreibungen schon ab 1. April) umzusetzen.

50.000 Betriebe betroffen

„Was jetzt mit der sogenannten Chain of Custody geplant ist, übersteigt jegliches Maß“, empört sich Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe. Zumal die Zertifizierung Bau GmbH, die in der Regel für die Verbandsmitglieder die notwendigen Zertifizierungen übernimmt, noch gar kein entsprechendes Verfahren anbietet. Betroffen seien rund 50.000 Betriebe.

Noch hält sich das Problem in Grenzen, weil der Bund laut "Holzbau Deutschland" gegenwärtig nur relativ selten Holzbauaufträge vergibt. Sollten jedoch die Länder dem Vorbild des Bundes folgen, was zum Beispiel Bayern schon angekündigt hat, wird die Lage schnell prekär.

Dringlichkeitsantrag an die Staatsregierung

Allerdings regt sich im Freistaat selbst in der CSU Widerstand. So hat eine Gruppe von Landtagsabgeordneten der Christsozialen in einem Dringlichkeitsantrag die Staatsregierung aufgefordert, die Regelung für kleine und mittlere Betriebe auszusetzen.

Empört reagierte auch der Verband Tischler Schreiner Deutschland auf die Ankündigung des Umweltministeriums. „Die betriebsinternen Bürokratiekosten können schnell mehrere tausend Euro betragen. Zumal sich die Unternehmen sowohl nach FSC, als auch nach PEFC zertifizieren lassen müssen, um beide Varianten verarbeiten zu können und auf diese Weise Engpässen im Handel vorzubeugen“, sagte Hauptgeschäftsführer Martin Paukner.

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