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Konjunktur Helikoptergeld: Was hinter der Idee steckt

Die Idee wirkt simpel: Um die Wirtschaft anzukurbeln verschenken die Notenbanken Geld an die Bürger. Von 5.000 Euro für jeden ist die Rede. Die Verbraucher konsumieren dann mehr und schieben so die Konjunktur an. Doch ganz so einfach wie es klingt, ist es nicht.

Ökonomen denken laut über eine d er radikalsten Maßnahmen zur Ankurbelung der Wirtschaft nach: Das direkte Verschenken von Geld an Bürger, Staaten und Unternehmen - in Fachkreisen "Helikoptergeld" genannt. Von 5.000 Euro für jeden EU-Bürger ist die Rede. Auch EZB-Chef Mario Draghi ging auf die Idee ein und bezeichnete das Konzept als "sehr interessant".

Seit Jahren versuchen die führenden Notenbanken mit einer Billiggeldflut die Wirtschaft anzukurbeln. Zuletzt weitete die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Kampf gegen schwache Konjunktur und Mini-Inflation massiv aus. Der Erfolg der Maßnahmen hält sich jedoch bisher in Grenzen. Das Verschenken von Helikoptergeld wäre nun die ultimative, aber auch umstrittenste Waffe in Händen der EZB. So einfach wie das Konzept klingt, ist es jedoch nicht. Die wichtigsten Fragen.

Was versteht man unter Helikoptergeld?

Die Idee ist denkbar einfach: Man muss nur im großen Stil Geld unter der Bevölkerung verteilen, schon kommt die Wirtschaft durch den Geldregen in Schwung und die Inflation zieht an. Was zunächst wie ein Scherz klingt, wird aktuell in Finanzkreisen ernsthaft diskutiert.

Hat es so etwas schon mal von einer Notenbank gegeben?

Nein, das reine Verschenken von Geld wurde von führenden Notenbanken noch nicht in die Tat umgesetzt. Während der Finanzkrise 2008 verteilte die US-Regierung zwar Steuergutschriften an Privathaushalte, allerdings gibt es einen Unterschied zum Helikoptergeld: Die US-Notenbank verschenkte in der Krise kein Geld, sondern sicherte ihre Geldschwemme über den Kauf von Wertpapieren ab. Ähnlich geht zurzeit die EZB vor. Werden einmal gekaufte Wertpapiere wieder verkauft oder fällig, fließt das Geld zurück zur Notenbank. Dies wäre bei Helikoptergeld nicht der Fall.

Wie wird in der EZB-Führung über die Idee gedacht?

Notenbankchef Mario Draghi versicherte, dass innerhalb des EZB-Rates nicht ernsthaft über die Idee des Helikoptergeldes gesprochen wurde. Auf der Pressekonferenz nach der jüngsten Zinsentscheidung der Notenbank hatte er aber auf die Frage eines Journalisten die Idee nicht rundweg abgelehnt, sondern als "ein sehr interessantes Konzept" bezeichnet. Etwas konkreter wurde EZB-Chefvolkswirt Peter Praet. In einem Interview mit der Zeitung "La Repubblica" stellte der Vordenker der EZB klar, dass theoretisch alle Notenbanken dieses "extreme Instrument" einsetzen könnten. Es stelle sich nur die Frage, ob und wann der Einsatz Sinn mache.

Wie wäre das in der Praxis umsetzbar?

So einfach das Konzept des Helikoptergeldes in der Theorie wirkt, so schwierig wäre die Umsetzung. Zunächst einmal hat die EZB nicht die Kontonummern der etwa 337 Millionen Bürgern der Eurozone, um das Geld zu überweisen. Allein an der Zahl der Konten zeigt sich die bürokratische Herkules-Aufgabe, die mit einer solchen Maßnahme verbunden wäre. Schwierig wird es auch aus bilanztechnischen Gründen. Bisher gilt das Prinzip: Frisches EZB-Geld gibt es nur gegen Sicherheiten als Gegenleistung. Wenn die EZB das Geld aber einfach verschenken würde, dann stellt sich die Frage: Wie soll das verbucht werden? Nach Einschätzung von Commerzbank-Experte Michael Schubert wäre das Auszahlen von Helikoptergeld unter dem Strich nur indirekt über die Euroländer denkbar. "De facto würde die EZB den Euroländern also eine Art Kredit gewähren", sagt Schubert.

Was sagen die Kritiker?

Zu den Kritikern einer solchen Maßnahme zählt Bundesbankchef Jens Weidmann: "Ob und wie Geld an die Bürger verschenkt wird, ist eine hochpolitische Entscheidung, die Regierungen und Parlamente fällen müssen", sagte Weidmann in einem Interview mit der Funke-Mediengruppe. Hier habe die EZB einfach kein Mandat. Schon die bisher beschlossenen Maßnahmen werden nach Einschätzung von Weidmann schwächer in der Wirkung, je länger sie dauern, während Risiken und Nebenwirkungen der lockeren Geldpolitik zunähmen. Aber auch unter Volkswirten ist das Konzept höchst umstritten. Der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding, bezeichnet die Idee des Helikoptergeldes schlichtweg als "Quatsch". Es würde die Illusion nähren, die Notenbank könne für die Bürger einfach immer mehr Geld drucken und damit die Probleme lösen. Politisch würde man damit in Europa einen gefährlichen Präzedenzfall schaffen, meint Schmieding.

Wie wahrscheinlich ist es, dass die Idee des Helikoptergeldes in die Tat umgesetzt wird?

Das ist eher unwahrscheinlich. Auch wenn immer mehr Experten warnen, dass die Möglichkeiten der EZB im Kampf gegen die niedrige Inflation ausgeschöpft seien, sieht sich die Notenbank selbst noch lange nicht am Ende ihrer Möglichkeiten. Sollten am Konjunkturhimmel wieder düstere Wolken aufziehen und große Eurostaaten wie Frankreich oder Italien stärker unter Druck geraten, dann verfüge die EZB immer noch über genügend Munition, versicherte jüngst EZB-Chefvolkswirt Praet in einem Interview. dpa/dhz

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Rüdiger Sinn

Am Ende

Der Kapitalismus mit seinem Herz der immer fortwährenden Hochkonjunktur scheint am Ende zu sein, sonst würde niemand auf solch eine absurde Idee kommen. Der Angstschweiß muss den Mächtigen ganz schön auf der Stirn stehen. Es bleibt spannend, wer denn wirklich Lösungen präsentiert und nicht nur Symptombekämpfungsmittel.