Handwerker packen mit an nach der Katastrophe in Haiti - Baden-Württemberg - deutsche handwerks zeitung

Baden-Württemberg - Ausgabe 11/2010

Handwerker packen mit an nach der Katastrophe in Haiti

Zimmerer aus Baden-Württemberg spendet mobiles Haus und schickt Mitarbeiter nach Port-au-Prince

Voll bepackt und voll motiviert: Uwe Sindlinger (li.) und seine Kollegen bei der Abreise.Foto: privat

„Das Team ist gesundheitlich leicht angeschlagen. Morgen steht ein langer Tag im Kampf mit der Bürokratie an - aber wir sind alle positiv gestimmt“, die Mitarbeiter der Stiftung des Deutschen Instituts für Katastrophenmedizin (DIFKM) melden sich aktuell auf der Internetplattform Twitter aus Port-au-Prince. Drei Mitarbeiter der Esslinger Zimmerei Wager sind Teil des Teams und helfen in Zusammenarbeit mit der Partnerorganisation LandsAid mit, auf Haiti ein wetterfestes Gesundheitszentrum aufzubauen.

Überall auf der Welt

Ob bei Hilfsaktionen zur Elbe-Flut oder nach dem Tsunami vor fünf Jahren in Südostasien - überall auf der Welt sind nach Naturkatastrophen Handwerker im Einsatz, werden von ihren Betrieben für ihr Engagement in Hilfsorganisationen freigestellt. Anfang des Jahres erschütterte ein Erdbeben der Stärke 7,0 den Karibikstaat Haiti. Gleich nach dem Beben machten sich viele Helfer auf in eines der ärmsten Länder der Welt, um erste Hilfe zu leisten. Doch auch vier Monate danach, fehlt es an allem.

Uwe Sindlinger und Christoph Deyle, die beiden Chefs der Zimmerei Wager, wollten „das menschliche Leid nicht in Vergessenheit geraten lassen und zeigen, dass mit Engagement und Kreativität viel Gutes getan werden kann“. Sie spendeten nicht nur ein von ihnen entwickeltes mobiles Haus, sondern Uwe Sendlinger reiste zusammen mit zwei weiteren Kollegen ins Katastrophengebiet, um dort für das Primary Health Care Center in Port-au-Prince die Einzelteile des mobilen Hauses zusammenzubauen. Christoph Deyle hält derweil in Esslingen die Stellung und kümmert sich um die Baustellen und Kunden: „So ein Hilfseinsatz ist nur möglich, wenn alle ihren Teil beitragen.“ Beide haben viele Stunden in die Projektplanung und -vorbereitung gesteckt.

Zerstörung überall

So oft es geht, berichten die Esslinger im Haiti-Blog im Internet über die Situation vor Ort. „Zerstörung überall wohin man schaut, es ist verheerend“, schildert Sindlinger die ersten Eindrücke nach der Ankunft. Zwei Tage später erreichte die Gruppe den geplanten Standort des mobilen Hauses. Auf demselben Gelände sollen eine Prothesenwerkstatt und orthopädische Betreuungsmöglichkeiten entstehen. Während sie ungeduldig auf die Freigabe der Bauteile des mobilen Hauses durch den Zoll warten, packen Sindlinger und seine Leute mit an, wo immer es geht. Mühsam zimmerten sie auf einem Gelände, unter dem immer noch Menschen begraben liegen, aus Schuttmaterial eine Werkbank. In einer Garage sollen damit künftig Jugendliche in Workshops handwerkliche Grundfertigkeiten erlernen.

Jeder Tropfen zählt

„Unser Projekt ist ein Tropfen auf dem heißen Stein“, schreibt Sindlinger. „Aber jeder Tropfen ist wichtig.“ Die schlechte Nachricht macht die Runde, dass Lieferungen manchmal bis zu drei Monate im Hafen liegen, bevor sie an Ort und Stelle sind. Aber das Team hat den festen Willen, das Projekt erfolgreich zu Ende zu bringen. Letzte Meldung aus Haiti: „Wir sind voller Hoffnung, dass jetzt morgen alles glattgeht und wir bald anfangen können. Mal sehen, was der morgige Tag bringen wird.“eh

www.stiftung-katastrophenmedizin.de

www.das-mobile-haus.de

 
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