Von Satellitentechnik bis hin zu Moonbuggys greifen EADS und NASA auf das Können von deutschen Handwerkern zurück. Feinwerkmechaniker, Mechatroniker und Drechsler arbeiten für die Weltraumforschung.
"Was auch immer ins Weltall geschickt wird, muss perfekt und präzise verarbeitet sein, da wir keine Eingriffs- oder Wartungsmöglichkeiten mehr haben", sagt Johann-Dietrich Wörner, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) zum internationale Tag der Weltraumforschung am 20. Juli. Kein Flugzeug, kein Satellit und keine Wetterbeobachtung sind ohne das Handwerk möglich.
Für eine funktionierende Kommunikation über GPS, sorgt zum Beispiel Böhm + Wiedemann aus Eching. Das Unternehmen stellt Satellitenkomponenten her, die GPS Signale empfangen. Seit 2004 beliefert es auch EADS. "Mit Hilfe modernster CNC-Technologien und 3D-Messgeräten stellen wir hochkomplexe Bauteile her, die in Satelliten zum Einsatz kommen und zum Beispiel für störungsfreie TV-Übertragung sorgen", erklärt Inhaber Christian Fach.
Dafür verarbeiten die Feinwerkmechaniker und Mechatroniker des Unternehmens Aluminium und Stahl so, dass sie enormen Belastungen standhalten. Denn Satelliten werden mit hoher Geschwindigkeit ins All geschossen und umkreisen die Erde in Höhen von bis zu 36.000 Kilometern. Hohe Temperaturunterschiede und große Druckbelastungen sind an der Tagesordnung.
Auch die Leipziger Dreherei Günther Jakob arbeitet für die Raumfahrt, genauer gesagt für deren Nachwuchs. Seit 2005 entwickeln sie mit Schülern vom Leipziger Raumfahrt-Bildungsinstitut Moonbuggys. Mit diesen weltraumtauglichen Fahrrädern liefern sich Jugendliche aus aller Welt jährlich Wettkämpfe beim offiziellen "NASA-Moonbuggy Race" im US-amerikanischen Huntsville.
Dabei sind vor allem die technischen Anforderungen an die fahrbaren Untersätze hoch, denn sie sind an die echten Vorgaben der NASA für Weltraumtechnik- und Equipment angelehnt. „Eine besondere Herausforderung war es, einen Faltmechanismus für die Buggys zu entwickeln“, sagt Ronny Hessel, Geschäftsführer der Dreherei Günther Jakob. Die Fahrzeuge müssen zu einem Würfel gefaltet werden können, der eine Seitenlänge von maximal einem Meter haben darf. Diese Vorgabe ergibt sich aus den natürlichen Transportbeschränkungen bei Weltraummissionen.
Außerdem entwickeln die Leipziger Handwerker auch ein extra angefertigtes Differentialgetriebe, durch das die Moonbuggys Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 80 Stundenkilometer erreichen und Sprünge von bis zu sechs Metern aushalten können.
Unterstützt von den Handwerkern wurden das deutsche Schülerteam bisher regelmäßig –als einziges europäisches Team –zum Wettbewerb zugelassen und führt seit sechs Jahren sogar die internationale Wertung des Rennens an. Mehr über die gemeinsame Arbeit der Drechsler und Schüler steht im Blog des Teams. Wer seinen Kindern die Chance geben möchte, selbst ein Moonbuggy zu fahren, kann in Leipzig einen Führerschein für das Liegefahrrad machen lassen.
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