Branche -

Kinderanzahl in verschiedenen Berufsgruppen Handwerker bekommen wenige Kinder, Geschäftsführer viele

Bäcker, Friseure sowie Maler- und Lackierer haben durchschnittlich nur wenige Kinder, Köche und Geschäftsführer dagegen eher viele. Das hat verschiedene Gründe.

Die Berufswahl hat Auswirkungen auf die spätere Kinderanzahl. Zu diesem Ergebnis kam eine Auswertung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) im Auftrag der Frankfurter Allgemeinen (FAZ). Demnach bekommen Bäcker im Durchschnitt nur 0.99 Kinder. Damit zählen sie zu den Berufsgruppen mit den wenigsten Kindern in Deutschland. Bei anderen Handwerksberufen sieht es ähnlich aus: Maler und Lackierer bekommen lediglich 0.96 Kinder, Friseure sogar nur 0.95 Kinder.

Bildungsabschluss hat Einfluss auf Kinderzahl

Die Ursachen für die geringen Nachwuchszahlen einiger Berufsgruppen sind vielseitig und hängen meist von unterschiedlichen Faktoren ab: Dazu zählen unter anderem das Geschlecht, der Migrationshintergrund und vor allem der Bildungsgrad. So sagt der DIW-Forscher Christian Schmitt gegenüber der FAZ: "Frauen mit niedrigem Bildungsabschluss haben oft viele Kinder, bei Männern ist es genau umgekehrt". Das könnte ebenfalls erklären, warum gerade Putzkräfte diejenige Berufsgruppe sind, die mit 2.18 Kindern durchschnittlich den meisten Nachwuchs aufweisen: Insbesondere in diesem Bereich arbeiten häufig Frauen aus dem Ausland und mit niedrigen Bildungsabschlüssen.

Fehlende Kita-Plätze ein Faktor

Bäcker hingegen sind zum Großteil männlich, beziehen nur ein geringes Einkommen und müssen darüber hinaus zu Zeiten arbeiten, die sich nur schlecht mit Kindern vereinbaren lassen – auch diese Faktoren haben großen Einfluss auf die Nachwuchszahl. Aber nicht nur die schlechten Arbeitszeiten, auch fehlende Kita-Plätze dürften Bäcker und andere Berufsgruppen dazu bewegen, auf Nachwuchs zu verzichten.

Die Bild-Zeitung vermeldete, dass es im Jahr 2016 ganze 293.000 Kitaplätze zu wenig in Deutschland gab. Dabei berief sie sich auf Daten des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Obwohl die Kita-Ausgaben seit 2005 fast verdoppelt wurden,  fehlten in Westdeutschland zum 31. März 2016 ganze 262.000 Betreuungsplätze. In Ostdeutschland lag die Zahl bei mehr als 31.000 Plätzen. Fehlende Betreuungsmöglichkeiten könnten also ebenfalls ausschlaggebend für den Kinderverzicht sein.

Auch bei Akademikern schwanken die Zahlen

Die fehlenden Betreuungsmöglichkeiten nehmen starken Einfluss auf die Lebensplanung von Geringverdienern. Bei Akademikern sieht die Sache anders aus. Geschäftsführer und Vorstände weisen mit 1.59 Kindern eine hohe durchschnittliche Kinderanzahl vor. Die Zahlen widerlegen auch das Vorurteil, das Akademiker kaum Kinder bekommen würden. "Männer mit hohen Einkommen haben aus Sicht der Frauen gute Ernährerqualitäten", erklärt Christian Schmitt gegenüber der FAZ. Darüber hinaus könnten sie sich "ein kinderfreundliches Familienmodell schlicht leisten". Hochschullehrer landen in der Liste der Akademiker auf dem letzten Platz. Und das trotz guter Ausbildung und hohem Verdienst. Grund hierfür könnten unsichere Arbeitsverhältnisse sein. Hochschullehrer besitzen meist nur befristete Arbeitsverträge. ew

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2017 - Alle Rechte vorbehalten
Kommentare

Mehr Informationen dazu finden Sie hier.

* = Pflichtfelder. Bitte ausfüllen