London 2012: Handwerker backen und schrauben für Olympia - Panorama - deutsche handwerks zeitung

Panorama - 27.07.2012

Olympische Spiele

London 2012: Handwerker backen und schrauben für Olympia

Während die Athleten erst jetzt den Kampf und die Medaillen bei den Olympischen Spielen aufnehmen, sind viele Helfer schon seit Wochen für das sportliche Großevent in London im Einsatz. Auch einige Handwerker aus Deutschland zeigen ihr Können.

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Die olympische Flamme ist in London angekommen. Die Spiele können beginnen.

Kaum ist die Fußball-EM in Polen und der Ukraine vorbei, schaut nun die ganze Welt gespannt auf den Kampf um die Medaillen bei den Olympischen Spielen in London. Doch nicht nur die 10.000 Athleten aus 200 Nationen zeigen Höchstleistungen. Abseits der Kameras sind 70.000 Helfer engagiert.

katz
privat
Sportlich – Adolf Katz sorgt während der Spiele in London täglich für 4.000 bis 5.000 schwäbische Ba... mehr

5.000 Backwaren pro Tag

Darunter vertreten ist auch der deutsche Handwerker Adolf Katz aus der Nähe von Stuttgart. Katz ist offizieller Bäcker des Deutschen Hauses in London, wo sich die Olympioniken mit Journalisten, Prominenten und Fans treffen. "Dass ich dort ganz nah dran an den Sportlern bin, ist natürlich klasse“, sagt der bekennende Leichtathletikfan. Das Deutsche Haus befindet sich im Museum of Docklands, das für diese Zeit geräumt wurde. Auf dem Platz davor findet das Fan-Fest statt. "Dort backe ich mit meinem Team in einem Verpflegungspavillon", verrät Katz. "Somit sind wir Lieferant nach innen, ins Deutsche Haus, und verkaufen für jedermann beim Fan-Fest."

Dass das schwäbische Laugengebäck bei den Briten gut ankommt, weiß Bäckermeister Adolf Katz schon länger. Seine in Vaihingen/ Enz ansässige Bäckerei betreibt seit 1998 mit ihrem Tochterunternehmen Bread Shop fünf Filialen in London. Die Idee, sich als Bäcker für das Deutsche Haus zu bewerben, verdankt er seinen guten Kontakten vor Ort. "Ein Caterer gab mir den Tipp, dass im Deutschen Haus ein Bäcker gesucht wird – dann habe ich mich beworben und es hat geklappt." Drei deutsche Mitarbeiter sind mit auf die Insel gekommen. Zusammen mit drei Bread Shop-Mitarbeitern bilden sie die Olympia-Bäckermannschaft. Sportlich geht es auch beim ­Backen zu, denn pro Tag werden 4.000 bis 5.000 Backwaren benötigt. Katz kennt die Essgewohnheiten der Londoner, die nur zur Hälfte aus Einheimischen bestehen. "Franzosen, Belgier, Holländer, Schweizer, Dänen und Amerikaner – das sind Nationen, die gutes Brot schätzen."

Hürden, Fahnen und Banner

Unverzichtbar sind die Sportgeräte von Ulrich Schäper für die Leichtathleten im Olympiastadion. Von Hürden über Fußballtore bis hin zu Absprungbalken stellen die Metallbauer, Tischler und weiteren Handwerker Sportgeräte her, die bei internationalen Sportveranstaltungen zum Einsatz kommen. "Unsere Produkte müssen extremen Belastungen standhalten – Hürden werden umgeschmissen, Sicherheitsnetze abgeworfen und Torlatten mit hartem Schuss getroffen", sagt Ulrich Schäper, Geschäftsführer des Unternehmens und Feinwerkmechanikermeister. Auch bei den Paralympics ist die Expertise des Unternehmens immer wieder gefragt, denn oft mangelt es in den Stadien an barrierefreien Einrichtungen. Dafür helfen die Konstruktionen des Unternehmens wie zum Beispiel sogenannte Werferplatten. Darauf werden die Rollstühle für Fechter oder Speerwerfer fixiert, um den Sportlern Halt und Sicherheit bei Ihren Bewegungen zu garantieren. Die Platten aus Aluminium sind außerdem schnell und auf jedem Bodenbelag einsatzfähig.

Tischler, Maler und viele weitere Handwerker des Unternehmens APA statten derweil den „Champions Club“ in London aus, wo sich alle deutschen Medaillengewinner treffen. Der Betrieb stellt normalerweise riesige Banner und Sonderbauten für Sportevents aller Art her und montiert diese in Sportarenen oder sogar unter Wasser in Schwimmbecken. Für die Ausstattung des Champions Club mussten aber auch die erfahrenen Handwerker des rheinland-pfälzischen Unternehmens Neuland betreten – und das auf einem echten Traumschiff. "Der Champions Club wird in London auf der MS Deutschland eingerichtet. Für die Arbeiten auf dem bekannten Fernsehschiff durften wir weder bohren noch schrauben und mussten uns ganz neue Haltesysteme für Banner und Fahnen überlegen", sagt Brigitte Golchert, Bereichsleiterin Marketing und Kommunikation der Firma. Die Lösung: Klemmsysteme mit Bolzen und Gewinden sowie gelochte Banner, die winddurchlässig sind. Damit ist der Kreuzfahrtriese aus dem Fernsehen nun startklar für lange Medaillen-Nächte auf der Themse. dhz

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