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Arbeitsmarktpolitik Handwerk sticht bei Flüchtlingsintegration hervor

Immer mehr Betriebe engagieren sich bei der Integration von Flüchtlingen in Arbeit. Das gilt vor allem für das Handwerk. Wichtig bleibt eine Ausbildung.

Der Weg zu einer erfolgreichen Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt dauert. Umso wichtiger sind engagierte Unternehmen und ausreichend Information für alle Beteiligten. Nach Ansicht von IW-Chef Michael Hüther muss gerade jungen Flüchtlingen klar gemacht werden, dass eine duale Ausbildung mehr Perspektive biete als der "schnelle Euro" als Helfer. Denn damit steige das Risiko, im Niedriglohnsektor zu verharren, sagte er mit Blick auf eine repräsentativen Umfrage des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) unter rund 1000 Unternehmen. Mittelfristig sei eine Qualifikation auch deshalb so wichtig, da es am Arbeitsmarkt vor allem einen Bedarf an Fachkräften und nur eine begrenzte Zahl an Helfertätigkeiten gebe.

Integration in qualifizierte Arbeit bleibt Herausforderung

Laut Umfrage haben in den vergangen drei Jahren fast ein Viertel aller Unternehmen oder rund 400.000 Firmen einen Flüchtling beschäftigt. "Ganz besonders sticht das Handwerk heraus", betonte Hüther. Hier sei es sogar jedes dritte Unternehmen gewesen. Dabei seien die Flüchtlinge insgesamt vor allem als Praktikanten eingestellt worden. Dies gelte für 17 Prozent aller Unternehmen. In rund einem Zehntel der Betriebe hätten sie eine reguläre oder geringfügige Beschäftigung gefunden; die meisten von ihnen in Helfertätigkeiten. Nur sieben Prozent der Unternehmen hätten bisher Flüchtlinge als Auszubildende eingestellt.

Rund ein Drittel der Unternehmen will 2017 Flüchtlinge beschäftigen

Im laufenden Jahr wollen der Umfrage zufolge ein Drittel der Betriebe und damit mehr Unternehmen Flüchtlinge beschäftigen. Dabei sei die Bereitschaft bei den Unternehmen, die bisher schon Geflüchtete beschäftigt hatten mit 66 Prozent mehr als doppelt so hoch als bei den anderen. Dies liegt nach Auffassung Hüthers auch daran, dass knapp neun von zehn Unternehmen mit einschlägiger Expertise von der hohen Einsatzbereitschaft und Motivation der Flüchtlinge überzeugt waren. Allerdings sehen viele in den mangelnden Deutschkenntnissen noch ein Hindernis. Auch an die deutsche Arbeitsmentalität müssten sich noch manche gewöhnen.

Studie zeigt: Viele Förderprogramme sind nicht ausreichend bekannt

Umso wichtiger ist es nach Einschätzung Hüthers, dass bestehende öffentliche Förderprogramme für Unternehmen bekannter werden und stärker genutzt werden. Dies gelte beispielsweise für Angebote zur berufsbezogenen Deutschförderung. Allein im Handwerk sehe es hier mit einem Bekanntheitsgrad von fast 40 Prozent etwas besser aus. Dies mag nach Einschätzung von IW-Ausbildungsexpertin Regina Falke auch an den speziell für das Handwerk zugeschnitten Integrationsprogrammen mit angeschlossener Sprachförderung wie Berufsorientierung für Flüchtlinge (BOF) oder Perspektiven für junge Flüchtlinge (Perjuf-H) liegen.

Willkommenslotsen: wichtige Ansprechpartner für Unternehmen

Viel hält Hüther von den Beratungsangeboten der "Willkommenslotsen", "Integrationslosten" oder anderen Kümmerern, wie es sie etwa bei den Kammern gibt. Bund und Länder sollten die entsprechenden Programme ausbauen. Informationen darüber, wer, welche Unterstützungsmaßnahmen anbietet, liefere auch das vom Bundeswirtschaftsministerium geförderte und vom IW betriebene Kompetenzzentrum für Fachkräftesicherung (Kofa). Der IW-Chef wies außerdem darauf hin, dass Unternehmen bei der Beschäftigung von Flüchtlingen bis zu 12 Monate Eingliederungshilfe beantragen könnten.

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