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Fachkräftemangel Handwerk kämpft trotz guter Geschäfte um Nachwuchs

Das Handwerk hat in Deutschland immer noch den sprichwörtlichen goldenen Boden. Doch der Fachkräftemangel macht der vielfältigen Branche mit den vielen kleinen Betrieben zu schaffen – auch wenn die Umsatzzahlen stimmen.

Trotz guter Geschäfte herrscht im Handwerk Fachkräftemangel. Es fehlt vor allem an Nachwuchs. Geschäftlich haben die Betriebe 2015 das beste Jahr seit der Wiedervereinigung erlebt. Doch immer mehr Lehrstellen bleiben unbesetzt und die Mannschaft schrumpft. In der Folge können die Betriebe nicht wie geplant expandieren.

Tausende Lehrstellen unbesetzt

Der schleichende Personalniedergang hat bereits vor 20 Jahren eingesetzt, als die Betriebe noch mehr als 600.000 Lehrlinge hatten. 2014 sind sie bei 370.000 angekommen – Tendenz weiter fallend. Jedes Jahr bleiben Tausende Lehrstellen unbesetzt, weil es zu wenig Bewerber gibt. Immer noch gewinnt das Handwerk seinen Nachwuchs vor allem unter Haupt- und Realschülern. Deren Anteil liegt bei rund 85 Prozent der Berufsanfänger.

Viele Jugendliche zeigen wenig Interesse an einer langwierigen Ausbildung. Trotz vielfältiger Förderangebote seien sie nur schwer so weit zu qualifizieren, dass sie in der Berufsschule mitkämen, erklärt Alexander Legowski, Sprecher des Zentralverbandes des Handwerkes (ZDH). Die Betroffenen erliegen umso schneller den Verlockungen besser bezahlter Kleinjobs, die aber nicht für ein dauerhaftes Auskommen reichen. Das befeuert den Fachkräftemangel in der Branche weiter.

Umsatz in der Kfz-Branche steigt deutlich

Das Geschäft brummt aber wie schon lange nicht mehr. Die Umsatzsteigerung von 2,1 Prozent bei den zulassungspflichtigen Gewerken und von 2,2 Prozent bei allen Betrieben bedeutet laut ZDH 11,7 Milliarden Euro zusätzliches Geschäft im vergangenen Jahr. Die Handwerker profitieren von der anhaltend guten Konsumstimmung, die auf einem stabilen Arbeitsmarkt und niedrigen Zinsen fußt. "Viele Betriebe haben einen Auftragsbestand von sieben oder acht Wochen. Das ist für das Handwerk ein hervorragender Wert", erklärt Legowski. Mit einem Plus von sechs Prozent hat 2015 vor allem die Kfz-Branche nach einigen dürren Jahren deutlich zugelegt.

Für die privaten Kunden bedeutet die hohe Auslastung, dass sie für ihre Kleinaufträge immer schwerer qualifizierte Handwerker finden. Am ehesten über Mund-zu-Mund-Propaganda oder einschlägige Internetbörsen finden sich Menschen, die aus dem Kofferraum ihres Autos heraus alle möglichen Arbeiten erledigen – jedoch o ft ohne Meisterbrief und ohne klare Gewährleistung. Fachleute wie Klaus Müller vom Göttinger Institut für Mittelstand und Handwerk erwarten, dass ihre Zahl in den kommenden Jahren zurückgeht. Gründe sind steigende Ausbildungsumlagen und die gute Konjunktur, die manch Solo-Selbstständigen wieder in ein Anstellungsverhältnis lockt.

Mehr Beschäftigung in der Gesundheitsbranche

Dass es auch anders geht, zeigt die Gesundheitsbranche. Die dort angesiedelten Handwerksbetriebe haben im vergangenen Jahr 1,2 Prozent mehr Menschen beschäftigt als noch 2014. Der Umsatz ist um 3,7 Prozent gestiegen.

In einer alternden Gesellschaft gehört Berufen wie Optikern, Hörgerätemechanikern oder Orthopädiemechanikern die Zukunft. "Diese Berufe sind auch für Abiturienten und junge Frauen attraktiv", meint Legowski. Die Auszubildenden seien in der Regel hochmotiviert und gingen schnell weiter zur Meisterprüfung. 25-Jährige mit Meistertitel und Filialverantwortung seien keine Seltenheit. Wünschenswert wäre eine ähnliche Entwicklung des Nachwuchses im restlichen Handwerk.

Dem Fachkräftemangel entgegensteuern

Das Handwerk bleibt bezüglich des fehlenden Nachwuchses nicht untätig. Unter anderem arbeitet das Handwerk mit der Bundesagentur für Arbeit und der Bundesregierung zusammen, um Flüchtlinge besser in den deutschen Arbeitsmarkt und auch ins Handwerk zu integrieren. Im Rahmen dessen sollen in überbetrieblichen Bildungsstätten des Handwerks mehrmonatige Vorbereitungskurse für Flüchtlinge angeboten werden.  Zudem bestrebt die Branche, Studienabbrecher ins Handwerk zu bringen. Das Handwerk erhält hierbei Unterstützung von Bildungsministerin Johanna Wanka. dhz/dpa

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