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Handwerk 4.0 Wie die Digitalisierung die Geschäftsmodelle verändert

Die Kommunikation zwischen Mensch und Mensch, Maschinen und Produkten sowie Menschen und Maschinen macht rasante Fortschritte. Hierin liegen Chancen für das Handwerk. Um diese zu nutzen sind Kreativität und rechtliche Absicherung von neuen oder erweiterten Geschäftsmodellen notwendig.

Digitalisierung im Handwerk
Die Digitalisierung verändert auch die Kommunikation zwischen Bauplanung und Baustelle. - ©

Inzwischen kommunizieren nicht nur Menschen mit Menschen, sondern immer mehr auch Maschinen und Produkte digital miteinander. Was bedeutet die Digitalisierung für das Handwerk? Fakt ist: Die handwerkliche Tätigkeit verändert sich durch den Einsatz moderner Geräte, Maschinen und Hilfsmittel. Der Wandel des Geschäftsmodells zeigt sich sowohl bei der Auftragsgenerierung, als auch im Arbeitsprozess und in der Beziehung zum Geschäfts- und Endkunden.

Der digitale Weg zum Auftrag – neue Services erfordern neue Regelungen

Virtuell Preise vergleichen und Leistungen abfragen, um den richtigen Handwerker finden – der Weg zum Auftrag führt mehr und mehr über das Internet. Betriebe, die ihre Geschäftsidee mit einem Online-Modell oder einer App anbieten, sind durch ihre schlankeren Kostenstrukturen profitabel. Doch läuft der Vertrieb von Produkten und Dienstleistungen etwa über Online-Plattformen, gilt es auch hier rechtliche Vorgaben zu beachten – angefangen bei den Allgemeinen Geschäftsbedingungen. So sind besondere Widerrufsrechte nach dem Fernabsatzgesetz zu beachten und entsprechende Prozesse vorzusehen. Sollte das Geschäft über die Grenzen Deutschlands hinaus betrieben werden, sind auch internationale Regelungen zu beachten.

Es gilt: Der Zugang zum Kunden sollte sich nicht auf den persönlichen Kontakt bei Gelegenheit beschränken. Neben der Werbung können online auch neue Services angeboten und Wartung und Instandhaltung betrieben werden. So kann der Handwerksbetrieb auf den Kundenwunsch und auf Kundenbedürfnisse passgenauer eingehen, um so noch bessere individualisierte Leistungen zu erbringen. Doch das erfordert auch die Erweiterung von rechtlichen Regelungen zu neuen Services.

Sich nicht ins Handwerk "pfuschen" lassen

Mit der Digitalisierung werden Prozesse transparenter. Fertigungsprozesse werden maschinell gesteuert: Das Produkt gibt ein Signal, wenn es ein Problem gibt, eine Wartung fällig wird und es meldet sich selbstständig in der Werkstatt an. Der Spediteur weiß, wo sich seine Fahrzeugflotte befindet, weil sie vernetzt ist und kann kurzfristig und bedarfsgerecht disponieren. Das hat auch Auswirkungen auf einen Handwerksbetrieb, sei es als Dienstleister bei einem größeren Bauvorhaben, in der Kommunikation zwischen Bauplanung und Baustelle oder als Auftragsgeber für weitere Dienstleister – etwa Lieferanten von Baumaterialien.

Dies kann zur Herausforderung werden. Zum einen wird es durch die Transparenz leichter, eigene Prozesse und Lieferanten zu steuern. Andererseits müssen Betriebe aus dem Handwerk mehr von ihrer Arbeit preisgeben und sich mit Kunden und Partnern vernetzen – man sollte sich aber nicht "ins Handwerk pfuschen" lassen. Welche Informationen ausgetauscht werden und mit welcher Vertraulichkeit diese behandelt werden, sollte daher vertraglich geregelt sein.

Die Umsetzung und rechtskonforme Ausgestaltung ist entscheidend für den nachhaltigen Erfolg des Geschäftsmodells. So lassen sich unangenehme Überraschungen vermeiden – etwa Haftung oder Bußgelder aufgrund der Missachtung von Datenschutzvorschriften.

Beziehung Handwerk und Kunde: Datenschutz als Verkaufsargument

Heizungsanlagen, Haushaltsgeräte, Klimatechnik bis hin zu Fahrrädern: Immer mehr Produkte sind vernetzt. Damit wachsen auch die rechtlichen Herausforderungen beim Datenschutz. Denn: Datenschutz liegt im Interesse aller Beteiligten und muss aufgrund zwingender rechtlicher Grundlagen beachtet werden. Was sich auf den ersten Blick wie eine Last liest, kann sich jedoch bei Beachtung als ein wirksames Vertriebsargument entpuppen.

Ein professionelles Datenschutz- und Berechtigungskonzept im Einklang mit den Vorschriften der Datenschutzgesetze ist die Grundlage für das Erheben und die Nutzung von Daten – und damit der Schlüssel für die Kommunikation mit dem Kunden. Es ist zwingend notwendig, die Rechtsbeziehung zum Kunden – sei es ein Kauf-, Werk- oder Dienstvertrag – zu gestalten, entstehende Rechte im Bereich des Immaterialgüterrechts zu schützen und rechtliche Risiken im Bereich der Haftung zu minimieren.

Das Internet und digitale Geschäftsmodelle bieten zahlreiche Chancen. Das deutsche Handwerk sollte seine unternehmerische Kraft nutzen, diese für sich nutzbar machen und sie professionell und rechtssicher gestalten. Es kommt darauf an, Chancen aus der Digitalisierung zu erkennen, beweglich und schnell zu sein. Ideen und der Kreativität sind dabei grundsätzlich keine Grenzen gesetzt – sie sind eine Stärke des Handwerks und des Mittelstands.

Die Autoren

Stephan Witteler und Markus Lennartz

Dr. Stephan Witteler (Partner, rechts im Bild) und Markus Lennartz (Salaried Partner, links im Bild) sind Rechtsanwälte und bei Heuking Kühn Lüer Wojtek in der Praxisgruppe IP, Media & Technology tätig. Beide sind Referenten der Vortrags- und Diskussionsveranstaltung "Digitalisierung – Risiko, Herausforderung, Chance" am 30. September 2015 in Frankfurt. Mehr Informationen zur Veranstaltung gibt es hier. Heuking Kühn Lüer Wojtek wurde bei den Juve Awards 2014 als Kanzlei des Jahres für Informationstechnologie ausgezeichnet.

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