Die Zimmerei Wager aus Esslingen errichtet mit einem neuen mobilen Konzept an einem einzigen Tag eine Krankenstation in Haiti - Von Susanne Bajohr
Zimmerleute waren immer schon innovativ.“ Und tatkräftig, hätte Uwe Sindlinger, Zimmerermeister aus Esslingen am Neckar, noch hinzufügen müssen. Zusammen mit seinem Kompagnon Christoph Deyle hat er ein mobiles Haus entwickelt, das seit Kurzem auch den Erdbebenopfern in Haiti wertvolle Dienste leistet. In enger Kooperation mit dem Deutschen Institut für Katastrophenmedizin haben die beiden Inhaber der Zimmerei Wager Mitte Mai in der Hauptstadt Port-au-Prince den raschen Aufbau einer medizinischen Erstversorgerstation ermöglicht.
Doch die Idee kam den beiden Unternehmern nicht erst nach der Erdbebenkatastrophe in Haiti. „Wir brauchen ein stabiles, jedoch temporäres Haus für unsere CVJM-Zeltstadt im Kloster Birnau“, sagte Christoph Deyle 2007 eines Tages zu seinem Geschäftspartner und langjährigem Freund Uwe Sindlinger. Was es weltweit so noch nicht gab, musste also erst erfunden werden. Fast 8.000 Stunden investierten die Unternehmer der 17 Mann starken und auf Altbausanierungen spezialisierte Zimmerei in Esslingen-Sulzgries in die Entwicklung. Zwei Jahre später konnte der Prototyp im Zeltlager des CVJM zum Einsatz kommen. Das Ziel war klar definiert: Robuste Verbindungen sorgen für eine stabile Standfestigkeit, intelligente Detaillösungen ermöglichen mehrfache Montagen und die Aufstellung auch unter widrigen Wetterbedingungen. Das mobile Haus ist vollständig in flache, platzsparende Module zerlegbar und transportierbar und verfügt noch dazu über einen statischen Standsicherheitsnachweis. „Um dieses Ziel zu erreichen, mussten erst einmal zusammen mit einem österreichischen Hersteller spezielle Beschläge entwickelt werden“, so die Erfinder. „Sie gewährleisten ein stabiles und ausgeklügeltes Stecksystem.“ 2009 war es dann so weit. Die strapazierfähigen modularen Holzhäuser für Unterkünfte auf Zeit, einsetzbar weltweit in Katastrophengebieten oder aber geeignet für Kommunen, Vereine und die Bau- und Forstwirtschaft, konnten in Serie gehen. Unmittelbar belohnt wurde das Duo Deyle & Sindlinger für ihre Idee und Ausdauer mit dem Innovationspreis des Landkreises Esslingen.
Nun galt es, das mobile Haus in allen Situationen zu testen. Marketingexperte Matthias Eigel, der die Zimmerei mit seiner Agentur Kaleidoskop unterstützt, knüpfte nach intensiver Recherche Kontakte zu Professor Bernd Domres, Leiter des Deutschen Instituts für Katastrophenmedizin (DIFKM) in Tübingen. Die neuartige Lösung für eine robuste Unterkunft war augenblicklich von großem Interesse, als im Januar dieses Jahres Erdbeben Haitis Hauptstadt Porto-au-Prince verwüsteten. Während Christoph Deyle zu Hause die Stellung hielt, schlossen sich Matthias Eigel, Uwe Sindlinger und seine beiden Mitarbeiter Norman Franz und Jürgen Schmid auf eigene Kosten dem Einsatzteam des DIFKM an. „Wir wollten direkt vor Ort helfen und mit einer stabilen Unterkunft den Menschen dort ein positives Signal geben“, begründet Marketingmann Eigel die Hilfsaktion. Am 23. März wurden die in einem Container ordentlich verstauten Holzhausmodule auf ihre Schiffsreise gen Haiti geschickt. Das Risiko war allen bewusst. Würde der Container überhaupt sein Ziel erreichen? Sechs Wochen später konnten ihm die Akteure folgen.
Für das Handwerkerteam aus Esslingen war die Ankunft in dem Katastrophengebiet auf der anderen Seite des Ozeans zunächst ein Schock. „Ich konnte mir so den Krieg vorstellen“, beschreibt Sindlinger seine ersten Eindrücke in dem völlig zerstörten Port-au-Prince. „Die Leute dort haben weniger als gar nichts.“ Trotz widriger Umstände und zermürbender bürokratischer Hürden konnten die Experten aus Deutschland nach einer Woche das mobile Haus und ebenfalls selbstentwickelte Shelter Kits an einem Tag auf dem Gelände der Hilfsorganisation LandsAid errichten. Und nicht nur das. „Wir haben außerdem eine Werkbank und zwei Fußballtore gebaut, Bälle organisiert, Kinderaugen zum Leuchten gebracht und andere Organisationen sowie Fernsehteams, sogar Berliner Regierungsmitglieder, auf unser Projekt aufmerksam gemacht“, bilanziert Matthias Eigel die Erfolge dieser Reise. Auch der Leiter des DIFKM ist zufrieden. „Wir haben das erste Mal Handwerker aus Deutschland mit im Team dabeigehabt. Das sind hervorragende Fachleute mit einem wunderbaren Benehmen“, schwärmt Bernd Domres. Nach so einer Katastrophe würden zwei Dinge gebraucht: Medizin und Behausungen. Den Hausbedarf konnte die Zimmerei Wager decken. Bereits einen Tag nach der Errichtung konnte der Mediziner aus Tübingen in dem Holzhaus erste Patienten behandeln. „Das mobile Haus steht, jetzt gilt es, die Infrastruktur auszubauen“, betont Domres. Gesucht werden Partnerbetriebe aus den Bereichen Energieversorgung, Wasseraufbereitung, Wasserversorgung und Solartechnik und viele Spender, die sich in das Projekt einbringen.
Mehr Informationen hierzu unter
www.stiftung-katastrophenmedizin.de und
www.das-mobile-haus.de
Meinung
Die deutsche Wirtschaft und der deutsche Steuerzahler müssen sich wohl damit abfinden, mit noch größeren Beträgen für die Schulden klammer Euro-Partnerländer haften zu müssen. Statt Schuldenabbau also neue Schuldenberge? Dies scheint der bittere, gemeinsame Nenner der Wahlen in Frankreich und Griechenland zu sein.
Leute
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Das Rofangebirge am Achensee, ideal für Profis und Einsteiger. Und nach einer spannenden Tour mit Helm, Klettergurt und Karabinerhaken kommt die Erkenntnis: Bergsteigen ist kein Klacks.