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Franchise nutzen "Existenzgründer müssen nicht bei null starten"

Torben L. Brodersen, Chef des Franchiseverbands, erklärt, warum Franchise unter einem Gründermangel leidet und warum kaufmännische Kenntnisse wichtiger sind als ein Meisterbrief.

DHZ: Herr Brodersen, Ihr Barometer 2015 zeigt, dass Franchise unter schwachen Gründerzahlen leidet. Woran liegt das?

Brodersen: Nicht nur Franchise hat mit einer schwachen Gründungsdynamik zu kämpfen, sondern die gesamte deutsche Wirtschaft. In Zeiten einer guten Beschäftigungslage wollen sich immer weniger Menschen selbstständig machen, ganz gleich ob mit Franchise oder ohne. Sie ziehen stattdessen einen sicheren Job in Festanstellung vor. Auch die Politik trägt mit ihrer mangelnden Gründerunterstützung nicht gerade zu einem Umschwung in diesem Bereich bei.

DHZ: Ist Franchise also eher ein Auslaufmodell?

Brodersen: Im Gegenteil. Die deutsche Franchisewirtschaft wächst weiterhin, eben nur weniger mit neuen Gründern, dafür verstärkt mit bereits bestehenden Franchisenehmern sowie mit bestehenden externen Unternehmern, die sich einem System anschließen. Wäre Franchise ein Auslaufmodell, würde es diese Entwicklung nicht geben. Zudem findet das Franchise-Modell in immer mehr Bereichen Anwendung, z.B. im Bereich des Sozialunternehmertums in Form von Social Franchise.

DHZ: Und wie sieht es im Handwerk aus?

Brodersen: Das Handwerk im Franchisebereich ist in den letzten Jahren stabil geblieben und machte rund zehn Prozent der gesamten deutschen Franchisewirtschaft aus.

DHZ: Wieso sollten Handwerker Franchise in Erwägung ziehen?

Brodersen: Franchise ist eine Selbstständigkeit mit System, hinter der ein bereits am Markt erprobtes Geschäftsmodell steht. Mittels Franchising haben Franchise-Interessierte die Möglichkeit, sich auch ohne eine eigene Geschäftsidee und fundierte Vorkenntnisse den Traum von einer Selbstständigkeit zu verwirklichen.
Der Franchisenehmer ist somit nicht allein, sondern profitiert vom ersten Tag an vom Franchisenetzwerk.

"Handwerkliche Fähigkeiten kann man auch einkaufen."

DHZ: Wie sieht dieses Netzwerk aus?

Brodersen: Franchisenehmer und -geber teilen sich die Arbeit und schaffen gemeinsame Synergien. Im Gegensatz zu einem klassischen Unternehmensgründer beginnt der Franchisegründer somit nicht bei null, sondern kann seinen Geschäftsbetrieb sofort starten und sich von Anfang an ausschließlich auf den Vertrieb seiner Waren oder Dienstleistungen vor Ort konzentrieren. Er agiert dabei als rechtlich selbstständiger und eigenverantwortlicher Unternehmer.

DHZ: Braucht er für den Einstieg einen Meister- oder Gesellenbrief?

Brodersen: Weder noch. Wer sich mit Franchise im Handwerksbereich selbstständig machen möchte, braucht weder selbst zwingend einen Gesellenbrief noch einen Meister. Er kann sich diesen auch einstellen. Zur Gründung eines Franchisebetriebs sind handwerkliche Fähigkeiten nicht zwangsläufig Voraussetzung. Sind diese vorhanden, ist dies natürlich ein Pluspunkt. Viel wichtiger sind jedoch betriebswirtschaftliche Kenntnisse und die Fähigkeit, Mitarbeiter zu führen.

DHZ: Gibt es Handwerksbranchen, in denen Franchise eher Sinn macht als in anderen?

Brodersen: Nein, das kann man so nicht sagen. Franchise ist nicht abhängig von einer Branche, sondern von einem gut durchdachten und strukturierten Geschäftsmodell mit einem Alleinstellungsmerkmal.

DHZ: Und von Eigenkapital.

Brodersen: Das stimmt. Das Kapital ist aber abhängig vom jeweiligen Franchisesystem. In der Regel sind es je nach Branche 15 bis 25 Prozent der gesamten Investitionssumme. Diese wiederum variiert je nach Geschäftsmodell.

DHZ: Aber wenn die eigenen Mittel nicht reichen?

Brodersen: Bei der Finanzierung durch Fremdkapital ist der Bankkredit nach wie vor das wichtigste Instrument, und die meisten Franchisegründer suchen sich deshalb als Erstes eine Hausbank.

"Franchise funktioniert nur in einem intakten Unter­nehmen."

DHZ: Und wenn die sich querstellt?

Brodersen: Für größere Beträge können Franchisegründer sich Partner, Gesellschafter oder Beteiligungsgesellschaften suchen. Leasing ist ebenfalls eine Form der Finanzierung, die gerade in der Startphase für Unternehmen besonders geeignet ist. Auch Ausfallbürgschaften der Bürgschaftsbanken sind von Hausbanken anerkannte Sicherheiten. Damit übernehmen die Bürgschaftsbanken bis zu 80 Prozent des Ausfallrisikos für einen Hausbankkredit. Unterstützung beim Start in die Selbstständigkeit gibt es auch vom Bund, den Ländern und der EU durch diverse Förderprogramme. Meist handelt es sich dabei um Kredite mit günstigen Zinsen und langen Laufzeiten.

DHZ: Kann Franchise also auch eine Rettung in der Not sein?

Brodersen: Nein, Franchise ist in der Regel keine Lösung für Krisen. Generell sollten alle Probleme zuerst aus dem Weg geräumt sein, bevor ein Franchisesystem aufgesetzt wird. Denn Franchise kann nur erfolgreich sein, wenn das Unternehmen eine funktionierende Franchisezentrale hat. Diese muss die Franchisenehmer gezielt auf ihren Geschäftsbetrieb vorbereiten und auch während der gesamten Vertragslaufzeit unterstützen. Und das geht nur in einem intakten Unternehmen.

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