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Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Krankheiten Grippaler Infekt, Virusgrippe, Vogelgrippe

Sind Husten, Schnupfen und Heiserkeit nur eine Erkältung, ist es die Virusgrippe, oder hat das Ganze etwas mit der immer stärker um sich greifenden Vogelgrippe zu tun? Wie auch Laien eine Grippe von einem grippalen Infekt unterscheiden können und was die Vogelgrippepandemie für uns bedeutet.

Noch ist die Karte zu den "akuten Atemwegserkrankungen" (ARE) des Robert-Koch-Instituts weitgehend blau, mit kleinen hellgrünen Flecken, die zeigen: Hier ist das Krankheitsgeschehen leicht erhöht. Damit verläuft die "Menschengrippe" im Moment deutlich glimpflicher als die Vogelgrippe, die inzwischen Pandemiestatus erreicht hat. Fragen zur hochpathogenen aviären Influenza beantwortet das Friedrich-Loeffler-Institut hier.

Obwohl das derzeit kursierende Vogelgrippevirus H5N8 für den Menschen bisher ungefährlich zu sein scheint, gelten erhöhte Schutzmaßnahmen. Wer einen kranken oder verendeten Wildvogel findet, sollte direkten Kontakt vermeiden und sich an die zuständige Veterinärbehörde wenden. Menschen, die mit potenziell infiziertem Geflügel oder Wildvögeln zu tun hatten, sollten die empfohlenen Schutzmaßnahmen des Robert-Koch-Instituts lesen.

Im Gegensatz zum Vogelgrippevirus H5N8 - hier ist noch nie ein Übergang auf den Menschen nachgewiesen worden - gab es mit dem Virus H5N1 in den vergangenen Jahren weltweit mehr als 800 Menschen, die sich infiziert hatten. Die Symptome ähnelten denen der klassischen Grippeinfektion: Nach einer Inkubationszeit von zwei bis zehn Tagen hatten die Patienten plötzlich hohes Fieber, Husten und Atemwegsinfekte. In den darauffolgenden fünf bis sieben Tagen entwickelten sie eine schwere Lungenentzündung mit schwerer Atemwegsnot.

Vogelgrippe, Menschengrippe und grippaler Infekt

Auch die Symptome der "Menschengrippe" kommen plötzlich. Im Gegensatz zu einem grippalen Infekt schleichen sich die Symptome nicht an. Nach einer Inkubationszeit von ein bis zwei Tagen sind sie sofort in aller Heftigkeit da. Trockener Husten, Muskelschmerzen, Kopfschmerzen und hohes Fieber waren in der vergangenen Grippesaison bei 16.000 Menschen so schwer, dass sie ins Krankenhaus mussten. Doch nicht alle Patienten zeigen typische Merkmale.

Insgesamt war die Influenza 2015/16 weniger schlimm als in der Vorsaison. Damals, 2014/15, war die Zahl der Influenza-bedingten Todesfälle mit geschätzten 21.300 sehr hoch, der höchste Wert seit der Grippewelle 1995/96. Auch die Wirtschaft litt unter der starken Krankheitswelle. Nach Schätzungen des RKI konnten 3,7 Millionen Menschen aufgrund einer Influenza nicht zur Arbeit gehen.

Grippeimpfung für Ältere, chronisch Kranke und Schwangere

Niemand kann vorhersagen, wie stark eine Grippesaison ausfallen wird. Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts, betont deswegen: "Das Risiko einer Influenzaerkrankung sollte vor jeder Saison ernst genommen werden."

Damit spielt er auf die Grippeimpfung an, die einzige Möglichkeit, der Krankheit vorzubeugen. Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Impfung für Ältere, chronisch Kranke und Schwangere. Zudem sollten alle geimpft sein, die Kontakt zu solchen Risikogruppen haben, vor allem das Medizin- und Pflegepersonal.

Die Impfquoten seien nach wie vor völlig unzureichend, informiert jetzt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Laut Angaben des Epidemiologischen Bulletins lag die Impfquote im Winter 2014/2015 bei Senioren demnach bei 36,7 Prozent, der niedrigste Stand seit der Saison 2008/2009.

Impfung wirkt nicht immer

Selbst wer sich impfen lässt, ist nicht zu hundert Prozent auf der sicheren Seite. Jedes Jahr entwickeln Mediziner eine neue Zusammensetzung des Impfstoffes, weil die Grippeviren sich laufend verändern. Im Normalfall sind die Impfstoffe dann zu 40 bis 60 Prozent effektiv. Die Impfwirkung hängt davon ab, wie gut das Immunsystem reagiert, vor allem aber davon, wie genau der Impfstoff auf die kursierenden Viren passt. In der Saison 2015/16 lag die Effektivität niedriger als sonst, das heißt: Mehr Geimpfte als sonst erkrankten.

Trotz der schwankenden Effektivität ist die Impfung die wichtigste Maßnahme zum Schutz vor einer Influenza-Infektion, betont das Robert-Koch-Institut. Eine Liste der zugelassen Impfstoffe steht hier.

Grippeimpfung

Zeitpunkt: Der beste Zeitpunkt für eine Grippeimpfung ist im Oktober und November.

Schutzaufbau: Nach der Impfung dauert es etwa zwei Wochen, bis der Schutz vollständig aufgebaut ist.

Risikogruppen: Besonders für Risikogruppen wie Schwangere, Ältere über 60 Jahren oder Personen mit chronischen Erkrankungen kann die Grippe zu einem gesundheitlichen Risiko werden. Ihnen sowie Gesundheitsberufen und allen Betreuern von Risikopatienten wird deshalb die Grippeimpfung empfohlen. Außerdem sollten sich alle Personen schützen, die durch Kontakt zu vielen Personen ein erhöhtes Ansteckungsrisiko haben oder die gefährdete Personen in ihrem nahen Umfeld anstecken könnten.

Grippewelle

Für alle Menschen, egal ob geimpft oder nicht, gilt, dass der beste Schutz Vorsicht ist. Influenza wird beim Sprechen, Niesen oder direktem Kontakt durch Tröpfcheninfektion übertragen. Das heißt im Umkehrschluss: Wer den direkten Kontakt mit Kranken vermeidet, wer sich die Hände regelmäßig und gründlich wäscht und wer sich nicht mit ungewaschenen Händen ins Gesicht fasst, beugt im Rahmen der Möglichkeiten gut vor.

Grippe von Erkältung unterscheiden

Ein grippaler Infekt oder eine Erkältung kann durch verschiedene Erreger ausgelöst werden. Ein paar Tage Ruhe und leichte Mittel zur Symptomlinderung genügen meist, um schnell wieder fit zu sein.

Aber auch hier kann man Fehler machen, warnt die Barmer GEK. Abschwellend wirkende Nasensprays sind demnach zwar kurzfristig sinnvoll, weil sie die Nasennebenhöhlen besser belüften und so helfen, Entzündungen vorzubeugen. Wer allerdings länger als sieben bis zehn Tage sprüht, schadet seinen Schleimhäuten. Diese verlernen, sich von allein wieder zusammenzuziehen, eine Abhängigkeit entsteht.

Wer längerfristig Unterstützung gegen Schnupfen benötigt, sollte lieber auf isotone oder hypertone Sprays auf Salzbasis zurückgreifen. Isotone Sprays wirken zwar nicht abschwellend, aber sie befeuchten die Nasenschleimhäute, wodurch sich Krankheitserreger schwerer festsetzen können. Hypertone Salz-Nasensprays enthalten eine höhere Salzkonzentration als isotone Sprays. Sie wirken leicht abschwellend, indem sie der Nasenschleimhaut überschüssiges Wasser entziehen. Beide können laut Barmer GEK dauerhaft angewendet werden.

Gegen Virusgrippe hilft nur Impfung

Eine "echte“ Grippe, die durch Influenza-Viren ausgelöst wird, lässt sich durch einen Bluttest nachweisen. Diese Viren infizieren, anders als bei einer Erkältung, nicht nur die oberen, sondern auch die unteren Atemwege. Bei einer Erkrankung kann der Arzt zwar die Symptome lindern, doch die einzig wirksame Bekämpfung muss vorab als Prophylaxe stattfinden. Antibiotika wirken bei Virusinfektionen nicht und sind sogar kontraprodukiv.

Grippe (Influenza) Erkältung (grippaler Infekt)
Krankheitsbeginn plötzlich, mit starken Beschwerden schleichender Beginn, zunehmende Verschlechterung
Fieber oft zwischen 38 und 41 Grad Celsius leicht erhöhte Temperatur
Husten meist schmerzender, trockener Reizhusten direkt zu Beginn eher schleimiger Husten, oft reizlos
Schnupfen verstopfte und/oder laufende Nase häufiges Niesen, verstopfte und/oder laufende Nase - kündigen Erkältung meist an
Schmerzen starke, bohrende Kopfschmerzen, Muskel- und Gelenkschmerzen punktuell Kopf- und Gliederschmerzen möglich
Müdigkeit starke Abgeschlagenheit, Schwächegefühl Mattheitsgefühl
Appetit Appetitlosigkeit Appetit meist noch vorhanden
Saison Dezember bis April ganzjährig, keine Grippefälle im Umfeld
Erreger Influenza-Viren mehr als 200 verschiedene Erreger

Quelle: AOK, Die Gesundheitskasse in Hessen

Hintergrundwissen: Bundeszentrale für ­gesundheitliche Aufklärung:impfen-info.de, infektionsschutz.de, Infobroschüre, Robert Koch-Institut.

Notfallplan für Grippe-Epidemie

Was Unternehmer tun können, wenn ihr normaler Betriebsablauf durch eine Grippe-Epidemie gefährdet ist, haben das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe sowie das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg in einem Handbuch zur betrieblichen Pandemieplanung zusammengetragen. Darin finden Unternehmer neben ausführlichen Hintergrundinformationen auch mehrere Checklisten, wie sie sich in ihren Betriebsabläufen im Krisenfall am besten verhalten. Zum "Handbuch betriebliche Pandemieplanung".

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