Konjunktur -

Handwerkskonjunktur 2015 Bau, Kfz und Lebensmittelhandwerk befeuern Rekordniveau

Der Aufschwung des deutschen Handwerks geht weiter. Stärkste Antriebskraft ist der private Wohnungsbau. Er profitiert davon, dass Einkommen und Renten steigen und die Kredite billig sind. Der Konjunkturspiegel für die einzelnen Gewerke.

Beschäftigungsrekord, steigende Einkommen, niedrige Zinsen: Die Binnenkonjunktur blüht und für weite Teile des deutschen Handwerks sind das sehr gute Nachrichten. Zum Jahresende 2015 war die Geschäftslage auf einem Rekordniveau.  

Die stärkste Antriebskraft des Handwerks ist der private Wohnungsbau. Neben der eigenen Wohnung richten die Verbraucher aber ihr Augenmerk auch auf gutes Essen, Körperpflege, Schmuck oder Uhren – das Handwerk profitiert auch in diesem Fall. Darüber hinaus werden neue und gebrauchte PKWs in wachsender Zahl zugelassen, was für ergiebige Handelsumsätze im Kraftfahrzeuggewerbe spricht.

Handwerksklima

89 Prozent der Betriebe sind zufrieden

Zur kräftigen Nachfrage kommen günstige Spritpreise. Mit dieser Mischung können die Handwerker sehr gut leben. 89 Prozent der Betriebe, die zum vierten Quartal 2015 befragt wurden, beurteilten ihre derzeitige Geschäftslage mit gut oder befriedigend. Die Lage ist damit besser als in jedem anderen Schlussquartal der vergangenen zwei Jahrzehnte.

Die schwungvolle Konjunktur schiebt die Umsatzentwicklung im Handwerk an. Gemäß den Firmenmeldungen verzeichneten 79 Prozent steigende oder gleichbleibende Einnahmen – das waren zwei Punkte mehr als im Vorjahr. Vieles spricht dafür, dass die Umsätze im Schlussquartal 2015 spürbar gewachsen sind.

Die Branchentrends im Überblick:

Bauhauptgewerbe

Im Bauhauptgewerbe neigte die Umsatzentwicklung über weite Strecken im vergangenen Jahr zur Schwäche. Zuletzt kündigten aber Zuwächse beim Auftragsbestand die Trendwende an. Amtliche Daten legen den Schluss nahe, dass der Wohnungsbau sogar kräftig zulegte. Die Errichtung von Flüchtlingsunterkünften dürfte zusätzlich anregend gewirkt haben. Die einsetzende Kaltwetterperiode bremste die Baustellenaktivitäten leicht ab. So fiel die Kapazitätsauslastung gegenüber September um drei Punkte auf 82 Prozent.

Betriebsauslastung_4.Quartal 2015

Ausbaugewerbe

Das Ausbaugewerbe ist außerordentlich zuversichtlich aus dem Jahr 2015 gegangen. Nur sieben Prozent der Teilnehmer bezeichneten ihre Lage als schlecht. Ursächlich war die Fülle von Aufträgen, die in den letzten Monaten hereinkam. Im SHK-Handwerk ist die Sanierung von Bädern und Heizungsanlagen der treibende Konjunkturmotor. Die Gebäudetechnik wird immer stärker von der Digitalisierung geprägt.

Kfz-Handwerk

Ein sattes Absatzplus vermeldete der PKW-Handel im Herbst. Dabei ließen sich Privatkäufer eher selten blicken; zwei Drittel der Neufahrzeuge wurden von Gewerbetreibenden zugelassen. Die jüngste Entwicklung vollendet ein aus Sicht des Kfz-Gewerbes erfreuliches Autojahr. Man sollte jedoch berücksichtigen, dass der Verkaufserfolg von beachtlichen Rabatten begleitet wurde. Außerdem hielt das Schlussquartal 2015 gegenüber dem Vorjahr zwei zusätzliche Arbeitstage bereit. Für den Kauf von Elektroautos konnten sich angesichts der Tiefstände beim Spritpreis nur wenige Kunden begeistern.

Die Auslastung der Werkstätten lag mit 73 Prozent über dem langfristigen Mittel. Reparaturbetriebe beklagen immer öfter den hohen Investitions- und Schulungsbedarf, den der Einsatz moderner Diagnosesysteme mit sich bringt.

Betriebsauslastung 2

Lebensmittelhandwerk

Mit der Verbindung von heimischen Rohstoffen und handwerklicher Herstellung punktet das Lebensmittelgewerbe bei den Verbrauchern. 38 Prozent der Befragten berichteten zuletzt über höhere Umsätze. Im vierten Quartal 2014 waren es 35 Prozent. Die Metzger ärgerten sich über Schlagzeilen, wonach Wurst und Fleisch krebserregend seien. Auslöser war eine WHO-Studie. Bei genauerem Hinsehen lässt sich aus deren Ergebnissen aber keine pauschale Gefährdung ableiten, vor allem bei vernünftiger Verarbeitung der Waren und normalen Verzehrmengen.

Handwerk für privaten Bedarf

Die nachgebenden Ölpreise entlasten die Budgets der Verbraucher. Immerhin wird rund jeder neunte Euro der privaten Konsumausgaben für Energiekosten rund um Wohnung und Auto ausgegeben. Im Jahresendspurt 2015 fuhren vor allem Uhrmacher sowie Gold- und Silberschmiede beachtliche Umsatzzuwächse ein; deren Produkte gehörten zu den beliebtesten Artikeln unterm Weihnachtsbaum. Im Schnitt waren aber „nur“ 80 Prozent der Handwerker für privaten Bedarf, zu denen auch Friseure und Fotografen zählen, mit ihrer Gesamtsituation zufrieden.

Handwerk für gewerblichen Bedarf

Die Zulieferer sind elementarer Bestandteil des deutschen verarbeitenden Gewerbes – sie erwirtschaften zum Beispiel 20 Prozent der Gesamtumsätze der Autoindustrie. Insofern lassen der VW-Abgasskandal und die Abschwächung des Dauerbooms in China auch das metallverarbeitende Handwerk nicht kalt. Hinzu kommen die Folgen der Wirtschaftssanktionen gegen Russland. Mit Landmaschinen oder sonstigen Ausrüstungsgütern sind dort gegenwärtig keine Geschäfte zu machen. Gegen Jahresende verdichteten sich aber die Anzeichen für eine Trendwende beim deutschen Maschinenbau. Das Handwerk für gewerblichen Bedarf scheint davon bereits erfasst worden zu sein. Der Anteil positiver Einschätzungen zur Geschäftslage erreichte immerhin 88 Prozent. Überdies nahmen die Auftragsbestände im Jahresabstand auf 1,9 Monate zu.

Hautnah und Live dabei

Liveblog: Deutscher Handwerkstag 2016 in Münster

Reporter der Deutschen Handwerks Zeitung berichten vom 8. bis 9. Dezember via Liveblog vom Deutschen Handwerkstag in Münster. Von der Wahl des ZDH-Präsidenten bis zum ZDH-Forum mit Angela Merkel – Bei uns verpassen Sie keinen Programmpunkt.
Hier geht´s zum Liveblog.

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2016 - Alle Rechte vorbehalten
Kommentare

Mehr Informationen dazu finden Sie hier.

* = Pflichtfelder. Bitte ausfüllen