Gebäude schneller sanieren - Branche - deutsche handwerks zeitung

Branche - 22.08.2012

Ein Fensterelement soll Montagezeiten verkürzen

Gebäude schneller sanieren

Wenn Wohngebäude energetisch saniert werden, ist dies heute mit langwierigen Baumaßnahmen verbunden. Forscher des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik haben nun ein Konzept entwickelt, um die Montagezeiten zu verkürzen – mit vorgefertigten, multifunktionalen Fensterelementen. - Von Heidi Roider

Fraunhofer IBP
Das Fenstermodul mit Dämmstoffkragen lässt sich in die alte Fensterlücke einschieben.

Bislang erfolgen Baumaßnahmen, die den Energieverbrauch und die CO2-Emissionen senken, getrennt nach Gewerken wie Fassaden- und Fensterbau-, Heizungsbau-, Elektro- oder Klempnerarbeiten. Geht es nach den Forschern des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik in Kassel soll sich das nun ändern. Sie wollen mit einem vorgefertigten, multifunktionalen Fensterelement die Sanierungszeiten deutlich verkürzen und Baumängeln vorbeugen.

Michael Krause, Wissenschaftler am Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP in Kassel, und sein Team haben im Projekt "Prefab" multifunktionale Fensterelemente entwickelt, die künftig klassische, langwierige und damit für Bewohner lästige Renovierungsmethoden ersetzen sollen.

"Vor allem, wenn nachträglich anlagentechnische Komponenten wie Lüftungsanlagen und Heizungen installiert werden müssen, beeinträchtigt das die Bewohner stark in ihrer Lebensqualität. Oftmals muss sogar auf einen Leerstand der Wohnungen gewartet werden, um die notwendigen Instandsetzungen durchzuführen", erläutert Krause. Der Forscher ist promovierter Maschinenbauer. "Mit unseren multifunktionalen Fensterelementen erreichen wir kürzere Montagezeiten vor Ort und können den Stress für die Mieter deutlich reduzieren."

Vorgefertigte Bauteilkomponenten

Das Element besteht neben Fenster und Fensterzarge aus einer Technikbox und einem Dämmstoffrand, der beispielsweise als Wärmedämmverbundsystem aus Polystyrol gefertigt sein kann. Dieses selbsttragende Modul wird von außen in die alte Fensterlücke geschoben und überdämmt die alte Fassade im Fensterbereich.

Die Technikbox selbst soll in ihrer Größe flexibel sein. Krause: "Je mehr Technik integriert werden soll, desto größer muss die Box werden." Alternativ zum Wärmedämmverbundsystem können Architekten auch eine Holzrahmenkonstruktion mit mineralischen Dämmstoffen wie Glas- oder Steinwolle verwenden.

Die herausnehmbare Technikbox befindet sich unter der Fensterbank. In der Box finden verschiedene Komponenten Platz. "Ein zentrales Element wir die eine dezentrale Heizungsmikropumpe sein", so Krause. Heizkörper könnte dann direkt daran angeschlossen werden.

Ebenfalls wichtig seien Lüftungskomponenten, die in der Technibox integriert werden sollen. Das sei vor allem für ein gutes Raumklima wichtig und das möglichst wenig Lüftungswärme verloren geht. Krause: "Indem wir Wärmetauscher und Lüftungstechnik in das Sanierungssystem integrieren, reduzieren wir Wärmeverluste durch die Gebäudehülle und die Lüftung. Außerdem werden durch die gute Verarbeitung des Systems Luftundichtigkeiten und Wärmebrücken vermieden, das heißt, die Wärme kann nicht nach außen entweichen. Alles in allem senken wir den Energieverbrauch", resümiert der Forscher. "Da die Dämmelemente mit einer Tragstruktur kommen, sind sie so stabil, dass es denkbar ist, sie mit Solarkollektoren und Photovoltaikmodulen zu bestücken."

Aber auch andere wichtige Komponenten können zukünftig einen Platz in der Technikbox finden.

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