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DAK-Gesundheitsreport Frauen bleiben häufiger krank zu Hause

Im Jahr 2015 war der Krankenstand so hoch wie seit 16 Jahren nicht mehr, das ergab der DAK-Gesundheitsreport. Welche Erkrankung die häufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit war und worin die größten Geschlechterunterschiede lagen.

Rückenschmerzen, Grippe oder Burnout: Im Jahr 2015 ist der Krankenstand im Vergleich zum Vorjahr um 0,2 Prozentpunkte gestiegen. Das ergibt der DAK-Gesundheitsreport 2015, die Versicherung analysiert hierfür Daten ihrer erwerbstätigen Mitglieder. Insgesamt bewegt sich der Krankenstand laut DAK in den letzten Jahren aber auf einem relativ niedrigen Niveau.

Höchster Krankenstand seit 16 Jahren

Der Krankenstand im vergangenen Jahr war mit 4,1 Prozent der höchste seit 16 Jahren. In 2015 waren an jedem Tag des Jahres durchschnittlich 41 von 1.000 Erwerbstätigen krankgeschrieben. Auch die Zahl derer, die sich mindestens einmal im Jahr von einem Arzt hat krankschreiben lassen, stieg im Vergleich zum Vorjahr um 2,2 Prozent auf 50,4 Prozent.

Der Anteil an Krankmeldungen bei Langzeitarbeitsunfähigkeiten ist mit 3,7 Prozent dabei aber leicht gesunken (3,9 Prozent in 2014) – ihr Anteil an den AU-Tagen ebenfalls und zwar um 1,3 Prozentpunkte auf 42,7 Prozent.

Die zehn häufigsten Erkrankungen

Zu fast 22 Prozent gingen die Ausfalltage 2015 auf das Konto sogenannter Muskel-Skelett-Erkrankungen, wie beispielsweise Rückenschmerzen. Damit führen sie die Liste der Krankheiten an, wegen derer die Versicherten der DAK am häufigsten krankgeschrieben sind.

Den zweiten Platz nehmen mit 16,6 Prozent Erkrankungen des Atmungssystems ein. Psychischen Leiden nahmen – auf bereits hohem Niveau – erneut leicht zu und liegen bei 16,2 Prozent. Sie verursachten rund drei Prozent mehr Fehltage als im Jahr 2014 und rangieren somit auf der Liste der häufigsten Diagnosen auf Platz drei.

Die übrigen sieben Erkrankungen auf der Rangliste sind:

  • Verletzungen und Vergiftungen (11,7 Prozent),
  • Krankheiten des Verdauungssystems (5,2 Prozent),
  • Infektiöse und parasitäre Krankheiten (4,6 Prozent),
  • Neubildungen (4,5 Prozent),
  • Krankheiten des Kreislaufsystems (4,3 Prozent),
  • Krankheiten des Nervensystems, des Auges und der Ohren (4,2 Prozent) und
  • Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde (3,8 Prozent).

Die restlichen Prozentpunkte sind auf sonstige Erkrankungen zurückzuführen.

Wegeunfälle: Anteil am Gesamtkrankenstand gesunken

Pro 100 DAK-Mitglieder gab es im vergangenen Jahr 63,5 AU-Tage und drei AU-Fälle aufgrund von Arbeits- und Wegeunfällen. Der Anteil am Gesamtkrankenstand betrug 4,2 Prozent. 2014 lag dieser Wert noch bei 4,5 Prozent. Der Anteil an Arbeits- und Wegeunfällen innerhalb der  Krankheitsart "Verletzung" betrug rund 30 Prozent. Im Vorjahr lag der Anteil noch bei 30,5 Prozent.

Geschlechterunterschiede bei Erkrankungen

Insgesamt erschienen Frauen 14 Prozent häufiger aus Krankheitsgründen nicht bei der Arbeit als ihre männlichen Kollegen. Depressionen, Krebs, Herzinfarkt: Bei diesen Krankheiten gibt es zudem große Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Männer in allen Altersgruppen fehlten im letzten Jahr sehr viel häufiger aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Job als Frauen – die Untersuchung ergab 65 Prozent mehr Fehltage. Zwischen 45 und 64 Jahren erkrankt laut Studie fast jeder zehnte Mann an einer koronaren Herzerkrankung.

Frauen fehlten hingegen deutlich häufiger wegen psychischer Erkrankungen als Männer (67 Prozent mehr Fehltage). Das trifft insbesondere auf Depressionen zu. Das passt zum Ergebnis der Einnahme von Psychopharmaka: Jede elfte Frau bekam im vergangenen Jahr beispielweise eine Verordnung für Antidepressiva, aber nur jeder zwanzigste Mann.

Der größte Geschlechterunterschied beim Krankenstand zeigt sich im Gesundheitsreport bei Krebserkrankungen (74 Prozent mehr Fehltage bei Frauen). Insgesamt ist das Risiko an Krebs zu erkranken bei Frauen und Männern zwar gleich. Krebs trifft Männer jedoch meist im höheren Alter – ab etwa 60 Jahren. Prostatakrebs ist bei ihnen am weitesten verbreitet. Bei Frauen tritt vor allem Brustkrebs auf – meist schon im Erwerbsleben.

Frauen gehen häufiger krank zur Arbeit

Auch wenn Frauen krankheitsbedingt mehr fehlen als Männer, gehen sie aber, wenn sie krank sind, häufig trotzdem zur Arbeit. 67 Prozent gaben an, mindestens einmal im Jahr krank zur Arbeit gegangen zu sein. Bei den Männern waren es 60 Prozent. Als Hauptgrund wurde von Frauen genannt, dass sie Kollegen nicht hängen lassen wollten (86 Prozent). Jede zweite Frau gab an, dass Kunden oder Patienten darunter leiden, wenn sie sich krank melden würde.

Berufsgruppen mit hohen krankheitsbedingten Fehlzeiten

Die Untersuchung der DAK ergab, dass der Krankenstand in der Branche Verkehr, Lagerei und Kurierdienste mit 4,7 Prozent den höchsten Wert im Wirtschaftsgruppenvergleich annahm. Auch im Gesundheitswesen betrug der Wert 4,7 Prozent. Die Branche Maschinen-, Anlagen- und Fahrzeugbau hingegen kann genau 4 Prozent vorweisen. Das Baugewerbe liegt sogar nur bei 3,9 Prozent. Damit liegen die beiden Wirtschaftsgruppen unter dem DAK-Durchschnitt. Die Branche Datenverarbeitung und Informationsdienstleistungen nahm mit 2,9 Prozent im DAK-Gesundheitsreport den niedrigsten Krankenstandswert ein. mak

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