Lebenswege -

Flüchtling aus Gambia Flucht mit Happy-End: Auf Umwegen ins Handwerk

Viele Handwerksbetriebe wollen derzeit Flüchtlinge als Auszubildende bei sich aufnehmen. Wie die Bürokratie ihnen - und vor allem den Jugendlichen - dabei manchmal in die Quere kommt, zeigt die Geschichte des jungen Gambiers Omar Cisse.

Für Omar Cisse könnte es ein Happy End geben. Am 23. Juli hat er den Termin, auf den er wochenlang hingefiebert hat. In der Deutschen Botschaft in Rom will er an diesem Tag sein Visum für Deutschland beantragen. Mit in der Tasche hat er seinen Ausbildungsvertrag. Wenn alles klappt, darf Omar am 1. September seine Lehre zum Schreiner bei der Schreinerei Hollitsch in Tettnang beginnen. Endlich, möchte man sagen.

Einfach war es für den jungen Mann aus Gambia bisher nicht. Im September 2013 kam Omar als einer der hunderttausenden Asylbewerber der vergangenen Jahre das erste Mal nach Deutschland. Hinter ihm lag eine lange Flucht: Nach der Ankunft in Lampedusa brachte man ihn im Auffanglager in Bari unter, bis er schließlich in Wilhelmsdorf in Baden-Württemberg landete. Für ihn ein Glücksfall. Er integrierte sich schnell, spielte in der örtlichen Fußballmannschaft, hatte sogar einen Spielerpass und lernte Deutsch.

Abgeschoben nach Italien

Doch sein Asylantrag wurde abgelehnt. Sein Aufenthaltsstatus damals: Geduldeter. Daher durfte Omar nicht einmal ein Praktikum beginnen – nach damaliger Rechtlage war es Flüchtlingen erst nach 15 Monaten erlaubt, eine Beschäftigung anzunehmen. Also arbeitete er ab Januar 2014 als Ein-Euro-Jobber in einer diakonischen Schreinerei. Der dortige Werkstattmeister war begeistert von ihm, hätte ihm eine Lehrstelle angeboten, wenn die gemeinnützige Einrichtung es hätte finanzieren können.

Dann, es war im April 2014, standen mitten in der Nacht bewaffnete Polizisten vor Omars Türe. Sie holten ihn ab, er wurde nach Italien abgeschoben – dem Land, in dem er in Europa angekommen war. So sieht es das sogenannte "Dublin"-Verfahren der EU vor. "Die Behörden können den Betroffenen auch einige Wochen vorher Bescheid geben, dass sie Deutschland verlassen müssen", sagt Franz Mayer, der den Flüchtling seit seiner Ankunft in Deutschland unterstützt. "Bei Omar haben sie das nicht gemacht", fügt er hinzu. Omar bekam in Italien zwar italienische Papiere – doch das berechtigt dort nicht zum Arbeiten. Und sowieso: Omar wollte zurück nach Deutschland und hier eine Lehre beginnen.

Erfolgreich im Praktikum

Dass er das nun geschafft hat, verdankt Omar vor allem Franz Mayer und seiner Frau Gabriele, die er in Wilhelmsdorf kennengelernt hat. Während die Politik über Verteilungsquoten beratschlagte und sich zu Flüchtlingsgipfeln traf, wurden sie aktiv. Gabriele Mayer schrieb sogar an Annette Schavan, die deutsche Botschafterin im Vatikan, damit Omar ein Visum bekommt. Das zeigte Erfolg: Im April 2015 durfte der Gambier nach Deutschland zurückkehren.

Die Voraussetzung, dass er längerfristig in Deutschland bleiben darf, ist jedoch ein Lehrvertrag. In der Schreinerei Hollitsch machte er ein Praktikum  und überzeugte. Den Ausbildungsvertrag hat er seit ein paar Wochen in der Tasche. "Der Schreinermeister hat immer wieder betont, dass es kein sozialer Akt sei, ihn einzustellen. Man merkt: Omar will einfach“, sagt Franz Mayer. Gabriele Mayer gibt ihm nun regelmäßig Nachhilfe in Deutsch und Mathe, um ihn auf die Berufsschule vorzubereiten.

Einem Visum sollte also nichts mehr im Wege stehen, ist sich Mayer sicher. Die Berater der Handwerkskammer Ulm hätten den Ausbildungvertrag schon vorab geprüft. In Italien muss Omar nun seine Papiere verlängern lassen und das Visum beantragen. Mayers Frau hat sicherheitshalber erneut an Schavan geschrieben - und ihm ein Girokonto eingerichtet. Denn für die Papiere muss Omar nun erst einmal 300 Euro bezahlen. Wenn das alles klappt, kann es für ihn in Deutschland richtig losgehen. Ein Happy End, das eigentlich erst der Anfang ist.

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