Politik + Wirtschaft -

Flexibel in die Rente Das ändert sich durch die Flexi-Rente

Das Gesetz zur Flexi-Rente ist seit 1. Januar 2017 in Kraft. Jetzt kann der Übergang in die Rente flexibler gestaltet werden. Was für Arbeitnehmer und Arbeitgeber gilt.

Durch die Flexi-Rente wurde der Übergang vom Berufsleben in die Rente künftig deutlich flexibler gehandhabt.  Insgesamt sieht das Gesetz zur "Flexi-Rente" Verbesserungen für jüngere und ältere Rentner vor. Wer seit dem 1. Januar 2017 nach der Regelaltersgrenze von derzeit 65 Jahren und fünf Monaten noch arbeiten will, kann seine Rentenansprüche durch eigene Beiträge erhöhen. Und wer ab 63 Jahren in Rente geht und nebenher noch arbeiten will, darf mehr als bisher von seinem Hinzuverdienst behalten.

Flexi-Rente flexibilisiert Hinzuverdienstgrenzen

So wird der Zuverdienst künftig erst jenseits eines Freibetrages von 6.300 Euro im Jahr auf die Renten angerechnet. I m Regelfall konnten Renten bislang nur 450 Euro im Monat hinzuverdienen, ohne eine Rentenkürzung zu riskieren. Liegt man darüber, erhält man nur eine Teilrente von zwei Drittel, der Hälfte oder einem Drittel der möglichen Vollrente. Diese Stufenlösung hat dazu geführt, dass die Teilrente bisher wenig genutzt wurde.

Die Flexi-Rente war von Anfang an als Abfederung des 2014 beschlossenen Rentenpaketes mit Mütterrente und abschlagsfreier Rente mit 63 gedacht. Die Große Koalition hatte sich schon im November 2015 auf Eckpunkte geeinigt. Doch erst seit dem 1. Januar ist das Ende November 2016 verabschiedete "Gesetz zur Flexibilisierung des Übergangs vom Erwerbsleben in den Ruhestand und zur Stärkung von Prävention und Rehabilitation im Erwerbsleben" (Flexi-Rentengesetz) in Kraft. Es soll den gleitenden Übergang vom Erwerbsleben in die Rente fördern.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Flexi-Rente

Flexi-Rente: Wie viel darf man hinzuverdienen?

Arbeitnehmer erhalten ab dem 63. Lebensjahr verbesserte Möglichkeiten zur Kombination einer Teilzeitarbeit mit einer Teilrente. Außerdem werden Arbeitgeber, die Arbeitnehmer über die Regelaltersgrenze hinaus weiterbeschäftigen, entlastet. Das Gesetz trat am 1. Januar 2017 beziehungsweise tritt zum 1. Juli 2017 (Hinzuverdienst bei Teilrentenbezug) in Kraft.

Diejenigen Arbeitnehmer, die mit 63 Jahren in Teilrente gehen, können künftig mehr hinzuverdienen. Ab Juli 2017 können Rentner 6.300 Euro jährlich anrechnungsfrei hinzuverdienen. Darüber liegende Verdienste aus Arbeitsentgelt beziehungsweise Arbeitseinkommen werden zu 40 Prozent auf den Rentenzahlbetrag angerechnet.

Was gilt bei der Weiterbeschäftigung über die Regelaltersgrenze?

Für Arbeitgeber, die Arbeitnehmer über die Regelaltersgrenze (schrittweise ansteigend auf 67 Jahre) hinaus beschäftigen, entfällt ab 1. Januar 2017 der alleinige Arbeitgeberbeitrag zur Arbeitslosenversicherung in Höhe von 1,5 Prozent (die Neuregelung ist bis 31. Dezember 2021 befristet). Der alleinige Arbeitgeberbeitrag zur Rentenversicherung ist allerdings weiter zu zahlen.

Neu ist, dass der Arbeitnehmer ab 2017 die Möglichkeit hat, freiwillig eigene Rentenbeiträge zu zahlen ("Opt-in"). Seiner Rentenanwartschaft kommen in diesem Fall die eigenen Beiträge und die Arbeitgeberbeiträge zugute und wirken sich rentensteigernd aus.

Kann man selbst vorsorgen, um Rentenabschläge abzusichern?

Arbeitnehmer und Selbstständige können für den Fall, dass sie künftig eine vorzeitige Altersrente in Anspruch nehmen möchten, Rentenabschläge bereits ab dem 50. Lebensjahr ausgleichen und einen vorzeitigen Renteneintritt besser absichern.

Bei Fragen zur Flexi-Rente beraten Sie die Experten Ihrer Handwerkskammer.

Flexi-Rente: Das sagt das Handwerk

Die Flexi-Rente gilt seit 1. Januar 2017. Das Handwerk lobt das neue Gesetz, beklagt aber bürokratische und unverständliche Regeln.

Als das Gesetz Ende 2016 beschlossen wurde, sagte Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH): "Das ist endlich das richtige Signal.“ Er wies auf die lange Verhandlungsphase hin, bis die Flexi-Rente endlich in Kraft treten konnte.

Dass es nun nach der Regelaltersgrenze attraktiver sei, nebenher zu arbeiten, erntet Zustimmung vom ZDH. Auch die neuen Hinzuverdienstgrenzen werden positiv bewertet. Der Handwerksverband lobt die stufenlose Inanspruchnahme. Die Hinzuverdienstmöglichkeiten seien in den meisten Fällen deutlich besser. "Es ist wichtig, dass die Bundesregierung mit diesem Gesetz längeres Arbeiten und einen flexibleren Einstieg in die Rente möglich macht", sagt Holger Schwannecke. Auch die Möglichkeit, dass Rentner ihre Rentenansprüche durch freiwillige Beiträge zur Rentenversicherung durch die Weiterarbeit noch erhöhen könnten, sieht der ZDH-Generalsekretär als positiv an.

Dass Arbeitgeber für erwerbstätige Rentner, die die Regelaltersgrenze erreicht haben, befristet für fünf Jahre keine Beiträge in die Arbeitslosenversicherung bezahlen müssen, schafft nach Ansicht Schwanneckes Anreize, Ältere zu beschäftigen – laut ZDH ein ganz wichtiger Bestandteil. Allerdings vermisst der ZDH Verständlichkeit und Praxisnähe. Leider habe der Gesetzgeber die Regelungen nicht vereinfacht und praxisgerecht formuliert. Das müsse korrigiert werden.

bir/mc/dhz

Dieser Beitrag wurde am 15. Februar 2017 aktualisiert.

Mehr zum Thema
© deutsche-handwerks-zeitung.de 2017 - Alle Rechte vorbehalten
Kommentare

Mehr Informationen dazu finden Sie hier.

* = Pflichtfelder. Bitte ausfüllen