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Berufsverkehr intelligent vernetzen Faltrad und Nahverkehr: Praktische Alternativen zum Auto

Hupkonzerte, kilometerlange Staus und neuerdings sogar Feinstaubalarm: Viele deutsche Städte stehen zur Rush-Hour kurz vor einem Verkehrsinfarkt. Trotzdem drängen immer mehr Autos in die Zentren. Dabei gibt es durchaus Alternativen, die sich zu einer intelligenten Mobilitätskette verknüpfen lassen.

Zu Beginn des Jahres war es soweit: Fritz Kuhn, der grüne Oberbürgermeister von Stuttgart, rief den ersten Feinstaubalarm in Deutschland aus. Pendler waren aufgefordert vom Auto auf den öffentlichen Nahverkehr, das Fahrrad oder die eigenen Beine umzusteigen. Doch die Bitten verhallten nahezu ungehört. Nur rund drei Prozent der Pendler verzichteten auf ihre Autos, obwohl die Stadt auch auf ermäßigte Preise im öffentlichen Nahverkehr für den Zeitraum des Feinstaubalarms setzte.

Neben Bussen und Bahnen kann auch das Fahrrad für den Mobilitätswandel eine wichtige Rolle spielen. Nun sind die deutschen Städte längst nicht mit Amsterdam oder Kopenhagen zu vergleichen, aber es tut sich auch hierzulande etwas. In Nordrhein-Westfalen entsteht zurzeit ein etwa 100 Kilometer langer Radschnellweg, der die Städte im Ruhrgebiet miteinander verbindet. Er soll sicheres Fahrradfahren ermöglichen und durch Vorrangregeln die Radler schneller an ihr Ziel bringen.

Intelligente Vernetzung von Bahn, Bus und Fahrrad

Andere Ansätze verfolgen sogenannte multimodale Konzepte. Dabei sollen verschiedene Verkehrsmittel intelligent miteinander kombiniert werden und so die Innenstädte verkehrstechnisch entlasten. Ziel ist es, die Förderung alternativer Transportmöglichkeiten möglichst breit zu streuen, damit unterschiedliche Nutzergruppen anzusprechen und so eine Vernetzung herzustellen – und eben nicht unabhängige Lösungen für Fußgänger, Radfahrer oder ÖPNV-Nutzer zu suchern.

Ein Beispiel für eine solche Vernetzung ist das Mobilitätsprojekt des Faltradherstellers Tern mit verschiedenen Verkehrsverbünden in ganz Deutschland. Damit sollen die beiden nachhaltigen und umweltgerechten Fortbewegungsarten Fahrrad und öffentliche Verkehrsmittel zu einer lückenlosen Mobilitätskette kombiniert werden. Das Projekt ermöglicht den Kunden der jeweiligen Verbünde, das Faltrad rund um die Uhr kostenfrei in Bussen und Bahnen mitzunehmen. Nebenbei profitieren Pendler von Sonderkonditionen und verschiedenen Rabatten.

Vom Klappen zum Falten

In diesem Vorzeigeprojekt kommt der besondere Vorteil eines Faltrads zum Tragen: Durch den jeweiligen technischen Mechanismus lassen sich die Fahrräder innerhalb kürzester Zeit auf eine handliche Größe zusammenklappen und sind so nicht wesentlich größer als ein normales Gepäckstück. Dadurch entgehen sie den in vielen Regionen Deutschlands üblichen Sperrzeiten für normale Fahrräder im Nahverkehr. Sie würden in überfüllten Zügen und Bussen zur Rush Hour wesentlich mehr Platz in Anspruch nehmen.

Besonders attraktiv sind die Falträder auch aufgrund der technischen Weiterentwicklung. In vielen Köpfen verknüpfe sich mit dieser Radgattung noch Modelle aus den 1970er und 1980er-Jahren, die dem Namen "Klapprad" alle Ehre machen. Doch die Räder der heutigen Generation haben damit nicht mehr viel gemeinsam. Technisch ausgereift ermöglichen sie selbst längere Touren. Doch ihre besondere Stärke können Falträder im urbanen Fortkommen ausspielen.

Das "Letzte-Meile-Problem"

Neben ihrem Platzvorteil lösen sie auch das sogenannte "Letzte-Meile-Problem". Denn es hält nun nicht gerade jeder Bus oder jede Bahn in unmittelbarer Nähe der Arbeitsstelle oder der eigenen Wohnung. Bis zum endgültigen Reiseziel sind es oft noch ein paar Kilometer, die zu Fuß zurückzulegen sind und dementsprechend mehr Zeit benötigen. Statt nun zu Fuß unterwegs zu sein, lässt sich die Reststrecke bequem mit dem Fahrrad zurücklegen.  Auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) hält das Projekt für gelungen: "Die Verbindung von Fahrrad und ÖPNV ist für den urbanen Raum ideal. Die Regionen, die sich an dem Faltradprojekt beteiligen, beschreiten schon jetzt einen Weg der Zukunft“, bescheinigt Burkhard Stork, ADFC-Bundesgeschäftsführer.

Ob dieses oder eines von vielen weiteren Konzepten zum multimodalen Verkehr durchschlagenden Erfolg hat, bleibt abzuwarten. Die Ansätze etwas gegen die verstopften Innenstädte zu tun werdeni mmer deutlicher. Gefordert sind kreative Ideen, die den verschiedenen Ansprüchen der unterschiedlichen Nutzer mit ihren individuellen Mobilitätsvorstellungen gerecht werden und übergreifende Lösungen anbieten – damit auch in Stuttgart nur noch selten der Feinstaubalarm ausgelöst wird.

Weitere Informationen zum Verkehrsprojekt und den teilnehmen Verkehrsverbünden finden Sie auf www.tern-verkehrsprojekt.de

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