Es ist Abwrack-Zeit - Wochenrückblick - deutsche handwerks zeitung

Wochenrückblick - 17.08.2012

Die Woche mit der DHZ

Es ist Abwrack-Zeit

Das ist ein Aufruf an alle Bürger, Politiker und Handwerker, endlich mal richtig auszumisten. Es ist Zeit für eine neue Abwrackprämie. Diese Woche lieferte genug Vorschläge für eine Neuauflage des Erfolgsprojekts. - Von Jana Tashina Wörrle

Wollten Sie nicht auch mal wieder richtig Ausmisten und alle ungenutzten Dinge, die Schränke, Schubladen und Abstellkammern verstopfen aussortieren? Mit der Abwrackprämie hat der Staat dafür gesorgt, dass in deutschen Garagen vor noch nicht allzu langer Zeit ordentlich ausgemistet wurde. Die Autoindustrie hat sich gefreut. Doch jetzt hat sich wieder so viel angestaut, dass die nächste Abwrack-Welle beginnen kann. Vorschläge lieferte allein diese Woche genug.

Sinn für Ästhetik

Das wohl naheliegendste Thema und damit der Wirtschaftsbereich, der noch immer am förderbedürftigsten ist, präsentierte am Donnerstag Bundesumweltminister Altmaier mit seinem neuen 10-Punkte-Programm für die nächsten Schritte bei der Energiewende. Damit will ich nicht sagen, dass das Programm abwrackwürdig ist oder gar Ersatz für den Minister gebraucht wird – so weit ist es noch nicht. Aber die Energiewende liefert trotzdem sehr viel Potenzial zum Abwracken.

Mit dem Atomausstieg hat die Bundesregierung schon entschieden, die Atomkraftwerke abzuwracken und durch schöne neue, in der Sonne blinkende Solaranlagen und hübsche Windrädchen zu ersetzen. Nun will sie aber noch weitermachen und hat die alten Heizungen im Blick – die mit den dicken Lamellenrohren, bei denen meist schon der Lack abplatzt und die immer dreckig sind, weil keiner Lust hat alle Rohre einzeln zu putzen. Die Bundesregierung entwickelt langsam richtig Sinn für Ästhetik.

Weiter geht es mit den Subventionen für die erneuerbaren Energien. An dieser Stelle hat Herr Altmaier das Abwracken entdeckt. Der Solarstrom soll endlich mal alleine boomen und die Regierung will stattdessen den Verbrauchern Energiesparberatungen finanzieren. Die Förderung wird also Stück für Stück abgewrackt und währenddessen lernen wir zu sparen. Eine Abwrackprämie fürs Sparschwein, oder was? Spätestens im Herbst, wenn die Minister sich zu den nächsten Beratungen in Sachen Energie treffen, findet sich aber bestimmt noch ein Ersatz fürs Sparschwein – sonst wäre es ja keine Abwrackprämie.

Auf dem fliegenden Teppich bleiben

Beim Thema Energie mischte in dieser Woche dann aber noch ein Politiker mit, von dem man schon lange nichts mehr gehört hat: Entwicklungsminister Dirk Niebel. Er möchte jetzt das E10 abwracken und stattdessen mehr Einsatz gegen den Hunger in der Welt zeigen. Wegen der Dürre in Amerika und der schlechten Ernten, steigen die Rohstoff- und die Lebensmittelpreise und wenn dann aus dem Getreide Biosprit statt Brot hergestellt wird, droht Nahrungsmittelknappheit. Also muss E10 wieder vom Markt. Wir tanken also – wie bisher auch – kein E10 und Herr Niebel kann weiter auf seinem fliegenden Teppich durch die Welt cruisen.

Doch auch neben der Energiewende und allem was dazu gehört, gab es noch reichlich Abwrackbedarf in dieser Woche. So möchten die Handwerkspolitiker nun die elektronische Veröffentlichungspflicht der Bilanzen für kleine Betriebe abwracken. Das Baugewerbe die sogenannte Vorfälligkeit bei den Sozialabgaben und Frau Kipping von den Linken gleich die ganzen Hartz-Reformen.

Erfolg beim Abwracken hatte bereits Familienministerin Schröder. Sie hat den Streit um den Kita-Ausbau abgewrackt und will mit dem dafür verteilten Geld jetzt die fehlenden Betreuungsplätze so schnell wie möglich in die Realität umsetzen. Schade, dass sie nicht gleich auch das Betreuungsgeld mit abgewrackt hat, denn dann hätte sie vielleicht wirklich genug Geld um alle nötigen Plätze zu schaffen und könnte so gleich den Fachkräftemangel mit bekämpfen. Doch wahrscheinlich will sie genau das verhindern, denn dann würde sie sich ja wieder einmal in eine Auseinandersetzung mit Arbeitsministerin Von der Leyen begeben. Die hat in dieser Woche aber schon Wirtschaftsminister Rösler gezeigt, wer das Sagen hat.

Vorsicht Burn-out-Boom

Rösler hat versucht die Rentenreform abzuwracken und durch zwei neue Gesetze zu ersetzen. Aber er hatte nur teilweise Erfolg. Er bekommt zwei neue Gesetze, aber mit der viel kritisierten Zuschussrente hat sich Frau Von der Leyen durchgesetzt. Doch auch die Arbeitsministerin hat noch Bedarf im Abwracken, denn sie muss sich darum kümmern, dass der Arbeitsmarkt und die berufliche Bildung in einigen deutschen Bundesländern besser aufeinander abgestimmt werden.

Auch wenn Deutschland von (fast) ganz alleine gerade mit der guten Konjunktur die Jugendarbeitslosigkeit abwrackt, muss sie sich mit um die Defizite zwischen Angebot und Nachfrage bei den Azubis und den Lehrstellen kümmern und diese Lücke endlich mal abschaffen – Ersatz braucht hier keiner.

Zum Schluss noch einen Vorschlag: Eine gesunde Abwrackprämie, um die sich der Staat mal kümmern könnte, wäre eine für Smartphones und Terminplaner. Die sollten am besten ersetzt werden durch Gutscheine fürs Schwimmbad, für Konzertkarten oder andere schöne Freizeitaktivitäten. Denn wenn der Stress der Arbeitnehmer durch die geforderte ständige Erreichbarkeit und flexible Zeiteinteilung weiter zunimmt, dann wird aus dem Wirtschaftsboom schnell ein Burn-out-Boom und der Aufwärtstrend auf dem Arbeitsmarkt kann sich selbst auf den Schrottplatz befördern. In diesem Sinne: Ein erholsames Wochenende!

 
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