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Geschmeidige Schaltung, nerviges Blinker-Gepiepse Erste Testfahrt im neuen Iveco Eurocargo

Lkw-Maut? Nicht mit dem neuen Eurocargo. Iveco hat seinem Lkw in der leichtesten Variante ein paar Kilo vom zulässigen Gesamtgewicht genommen. So wird aus dem klassischen 7,5-Tonner ein mautfreier 7,49-Tonner. Das macht das Fahrzeug attraktiv, hat aber nicht nur Vorteile.

Iveco Eurocargo
Der neue Leicht- und Mittelklasse-Lkw von Iveco: In seinem Erscheinungsbild orientiert sich der Eurocargo am neuen Markendesign, das auch schon den Daily und den Stralis prägt. -

Denn das Verhältnis von Gesamtgewicht zur Nutzlast ist miserabel. Ein klassischer 6-Meter-Koffer mit Ladebordwand kommt gerade mal auf 2,4 Tonnen Nutzlast. Jeder schwere Transporter vom Schlage eines 6,5-Tonners wie der Iveco Daily oder der Mercedes Sprinter kann mehr, kostet weniger und ist einfacher zu fahren. Bei einer Pritsche oder einem Kipper sieht das schon anders aus. Sie glänzen dank geringem Eigengewicht mit guten Nutzlastwerten.

Der neue Iveco Eurocargo

Eine erste Testfahrt durch die Mailänder City war zwar nur kurz, bot aber dennoch einen ersten Eindruck vom neuen Eurocargo. Das automatisierte Sechsgang-Getriebe aus der ZF AS-Tronic-Reihe erweist sich zum Beispiel als ausgesprochen geschmeidig und auch schnell schaltend. Im ebenfalls neuen und per Tastendruck zuschaltbaren "Economy"-Modus hält die Automatik möglichst lange den hohen Gang und präferiert niedrige Drehzahlen. Zudem wird das Drehmoment über das gesamte Drehzahlband um rund zehn Prozent beschnitten, was freilich auch das Leistungsangebot entsprechend einkürzt und spritfressende Beschleunigungsorgien praktisch unmöglich macht.

Neu beim automatisierten Zwölfgang-Getriebe ist die Freilauffunktion "Eco Roll": Das freie Rollen mit ausgekuppeltem Motor hat sich bei den schweren Verteiler-Trucks als veritable Spritsparmaßnahme bewährt.

Notbremsassistent gesetzlich vorgeschrieben

Mit an Bord des Eurocargo sind jetzt serienmäßig der Spurhaltewarner und der radargesteuerte Notbremsassistent. Damit erfüllt Iveco zeitnah die Ausrüstungsvorgabe für Notbremsassistenten, wie sie ab November 2015 gesetzlich gefordert sind. Der adaptive Tempomat, der sich in seiner Funktion ebenfalls auf den Radar-Sensor stützt, ist offenbar noch nicht Serienumfang.

Schade auch, dass man die Gelegenheit nicht genutzt hat, um die Bedienung des Tempomats auf die Lenkradtasten zu legen. Nach wie vor sitzt der wichtigste Tempomat-Knopf, nämlich der für "Re-Set" ungünstig oben auf dem rechten Lenkstockhebel, der neben den Tempomatfunktionen auch für die Motorbrems-Aktivierung zuständig ist. Ungewohnt auch hier: Zieht man die erste Stufe, passiert nichts, weil jetzt erst mal die Motorbremsfunktion aufs Bremspedal gelegt ist. Erst die zweite Stufe aktiviert die Abgasbremse über den Lenkstockhebel.

An manches wird sich selbst der geneigteste Eurocargo-Pilot nur schwer gewöhnen: Dazu gehört auch das überaus schrill angelegte Blinker-Gepiepse, das einem bei jedem Abbiegevorgang in den Gehörgang fährt. Auf Dauer ebenfalls überflüssig: Bei jedem "Zündung An" checkt der Computer die Funktion des linken und rechten Lautsprechers mit einem kurzen Anbrummen des Spurhalte-Warntons – so etwas ist nicht nur nervend, sondern absolut überflüssig. Optisch gelungen dagegen das LED-Tagfahrlicht und das neue Tastenlenkrad mit serienmäßigem Airbag.

Neuer Flatscreen mit vielen Funktionen

Iveco Eurocargo

Das Kabineninnere samt Armaturenbrett wurde weitgehend vom Vorgänger übernommen. Neu sind das "Office-Modul" als Ablage auf der Motorkiste mit Ladeanschluss für Laptop und Smartphone sowie auf Wunsch hochwertige Fahrersitze mit Heiz- und Lüftungsfunktion. Ein zusätzlicher, auf dem Armaturenbrett aufgesetzter Bildschirm dient als Anzeigemodul für Navi, Fahrtschreiber- und Telematik-Funktionen. Auch das ein Fortschritt – war der "aufgepappt" wirkende Bildschirm im alten Modell doch viel zu klein.

Der neue Flatscreen hängt an einem vibrationsfreien Ausleger knapp über dem Armaturenbrett. Abrufen lassen sich dort die umfangreichen Anzeigen des "Driver Coach", der über unbotmäßigen Fahrstil auf dem Laufenden hält, bisweilen aber auch mit Hinweisen zur Zurückhaltung mit dem Gaspedal belehrt. Mit zusätzlichen Modulen lässt sich dieses System als vollwertige Telematik nutzen, Iveco nennt diese Ausbaustufe "DriverLinc".

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