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Verhalten nach einem Verkehrsunfall Erst sichern, dann helfen

Ein Verkehrsunfall passiert schnell. Ist der erste Schock vorbei, kommt es auf das richtige Verhalten an. Dabei dürfen Beteiligte zuerst ruhig an sich selber denken.

Verkehrsunfall
Nach einem Verkehrsunfall gilt es zunächst, die Unfallstelle zu sichern. -

Alle 13 Sekunden ereignet sich irgendwo auf einer Straße in Deutschland ein Verkehrsunfall. Das geht aus der Unfallstatistik des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR) für 2014 hervor. Viel Arbeit für die Ordnungshüter: Pro Tag musste die Polizei bundesweit demnach im Schnitt 6.583 Unfälle aufnehmen. Doch bevor die Polizei ins Spiel kommt, sind erstmal die Unfallbeteiligten gefragt.

Eigene Sicherheit geht vor

Wichtig ist, die richtigen Schritte in der richtigen Reihenfolge auszuführen. Zunächst geht es um die eigene Sicherheit. "Als Erstes muss die Unfallstelle gesichert werden", erklärt Sven Rademacher vom DVR. Das gilt besonders, wenn der Unfall an einer unübersichtlichen Stelle passiert ist. Eine fehlende Absicherung kann schnell Folgeunfälle nach sich ziehen.

Beim Sichern der Unfallstelle sind die drei "W" zu beachten: Warnblinkanlage, Warnweste und Warndreieck. Für das Warndreieck gelten gewisse Regeln. "Wichtig ist es, das Warndreieck in der richtigen Entfernung zur Unfallstelle aufzustellen", betont Rademacher. Im Stadtverkehr sind es 50 Meter, auf Landstraßen müssen es 100 Meter Abstand sein und auf Autobahnen 150 bis 200 Meter.

Dabei gilt: erst aufklappen, dann aufstellen – besonders auf stärker befahrenen Straßen oder Autobahnen. Die sicherste Methode ist, das aufgeklappte Warndreieck hinter der Leitplanke vor sich herzutragen, rät Rademacher. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit von anderen wahrgenommen zu werden.

Hilfe rufen

Nach der Sicherung der Unfallstelle sollten Helfer einen Notruf absetzen und Hilfe anfordern, meint Rademacher. Sollen Passanten diese Aufgabe übernehmen, empfiehlt es sich, die Menschen einzeln direkt anzusprechen, erläutert der Experte.

Die richtige Telefonnummer nach einem Verkehrsunfall mit Verletzten ist die 112, über die Feuerwehr oder Rettungsdienst alarmiert werden. Der Vorteil: "In der Regel wird dann automatisch auch die Polizei verständigt", sagt Rademacher. Zudem gilt die 112 inzwischen europaweit als Notruf. Am Telefon sollten Helfer wichtige Fragen beantworten: Wo ist der Unfall geschehen? Was ist genau passiert? Wie viele Personen sind beteiligt? Welche Verletzungen gibt es?

"Bei reinen Blechschäden muss die Polizei nicht unbedingt gerufen werden", erklärt Jost Kärger vom ADAC. Denn zumindest für den Verursacher ist ein Polizeieinsatz meist mit Kosten verbunden: Er bekommt in der Regel ein Verwarnungsgeld. "Das sollten Sie aber nur akzeptieren, wenn die Schuldfrage eindeutig geklärt ist", empfiehlt Kärger. Denn wird später über die Verteilung der Haftung gestritten, kann ein akzeptiertes Verwarnungsgeld bei der Bewertung eine Rolle spielen. Wird das Verwarnungsgeld abgelehnt, wird ein förmliches Bußgeldverfahren eingeleitet.

Erste Hilfe leisten

Der richtige Zeitpunkt, um Erste Hilfe zu leisten ist, wenn die Einsatzkräfte unterwegs sind. "Beziehen Sie auch hier Umstehende direkt mit ein", rät Rademacher. Ist ein Unfallopfer bewusstlos, sollten Helfer es in die stabile Seitenlage bringen. Zudem kann es laut Rademacher nötig sein, Verletzte warm zu halten – insbesondere in der kalten Jahreszeit. Ist ein Motorradfahrer unter den Verletzten, sollten Helfer ihm den Helm abnehmen. Juristisch droht Ersthelfern in der Regel nichts, wenn sie unabsichtlich einen Fehler begehen.

Ausführlich dokumentieren

Beweise zu sichern, sollten Helfer auch nicht vergessen. Das gilt für Betroffene auch, wenn der Unfallgegner seine Schuld bereits eingeräumt hat, rät die Stiftung Warentest. Denn der andere Fahrer kann es sich später anders überlegen, heißt es in dem Finanztest Spezial "Auto versichern". Wichtig für die Dokumentation sind die Adressen aller Unfallbeteiligten, Autokennzeichen und möglichst auch die Versicherungsdaten des Unfallgegners. Fotos der Unfallstelle, am besten aus verschiedenen Perspektiven, runden das Material ab.

Die Finanztest-Experten raten dazu, typische Unfallspuren und Details – wie Knicke in der Bremsspur, Glassplitter oder abgebrochene Teile – im Bild festzuhalten. Solche Nahaufnahmen können später bei der Klärung der Schuldfrage unter Umständen wichtig sein. Auch vermessbare Punkte wie Laternenmasten auf den Bildern helfen bei Rückschlüssen.

Wichtig zu beachten: "Unterschreiben Sie keine Dokumente, deren Inhalt Sie nicht kennen", rät Kärger. Auch eine pauschale Abtretungserklärung sollten Beteiligte nicht ohne Rücksprache mit einem Anwalt unterzeichnen. Muss das Auto abgeschleppt werden, weil es nicht mehr fahrtüchtig ist, sollte auch der Auftrag des Abschleppdienstes geprüft werden. "Sonst tauchen plötzlich unerwartete Kosten auf" – und die möchten Helfer und Beteiligte nach einem Verkehrsunfall sicherlich lieber vermeiden. dhz/dpa

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