"Energieeffizienz muss in den Fokus" - Umwelt + Energie - deutsche handwerks zeitung

Umwelt + Energie - 07.02.2012

Energiewende

"Energieeffizienz muss in den Fokus"

Nur wenn die Bundesregierung in Zukunft stärker auf die Themen Energiesparen und Energieeffizienz setzt, hat die Energiewende nach Ansicht von Martin Pehnt vom Institut für Energie- und Umweltforschung in Heidelberg eine Chance. In einem offenen Brief an die schwarz-gelbe Regierungskoalition hat der Umweltexperte gemeinsam mit anderen Forschern vor dem Scheitern der Klimaziele gewarnt. Er ruft aber auch das Handwerk auf, stärker für die Energiewende zu werben. - Von Jana Tashina Wörrle

Fotolia
Damit die Energiewende gelingen kann, braucht sie mehr Förderung und neue Anreize zum Energieeinsparen. Eine alternative Energierezeugung reicht nach Ansicht des Energieexperten Martin Pehnt nicht aus...
Ifeu
Martin Pehnt ist Fachbereichsleiter am Institut für Energie- und Umweltforschung in Heidelberg. Auf seine Initiative haben die Wissenschaftler den gemeinsamen Brief an die Bundesregierung verfasst.

DHZ: Herrn Pehnt, Sie warnen vor dem Scheitern der Energiewende, wenn das Thema Energieeinsparung nicht an größerer Bedeutung gewinnt. Meint die Bundesregierung es noch nicht ernst genug mit ihren Maßnahmen?

Martin Pehnt:  Die Bundesregierung hat eine ganze Reihe von richtigen Schritten beschlossen, um die Energiewende auf den Weg zu bringen. Da wären beispielsweise das Erneuerbare-Energien-Gesetz oder auch der Atomausstieg selbst. Sie hat sich aber auch sehr ambitionierte Ziele gesteckt und diese kann sie meiner Meinung nach mit den bisherigen Förderinstrumenten nicht erreichen. Ich sehe hier eine Asymmetrie zwischen den Zielen und den Maßnahmen.

DHZ: Wo müssten neue Instrumente und Förderungen ansetzen, wenn diese Asymmetrie bekämpft werden soll?

Pehnt: Das Thema Energieeffizienz muss stärker in den Vordergrund kommen. Ohne eine Senkung des aktuellen Energiebedarfs kommen wir nicht weiter. Ganz wichtig ist hierbei der gesamte Gebäudebereich, also die Maßnahmen zur energetischen Sanierung. Momentan gibt es hier wenig Unterstützung – im Gegenteil, die KfW-Mittel wurden sogar stark gekürzt. Und bei der steuerlichen Absetzbarkeit versinken Bund und Länder in der Zuständigkeitsdebatte, statt klare Regelungen zu verabschieden. Wir brauchen hier ein neues Maßnahmenbündel, um die Anreize zu erhöhen, in Energiesparmaßnahmen zu investieren. Dazu gehören eine ausreichende Förderung,  die steuerliche Absetzbarkeit und neue Maßnahmen, um diesen Ansatz auch langfristig zu sichern. Hierbei denke ich an eine intensivere Energieberatung, die unterstützt und vorangetrieben werden muss.

DHZ: Ist beim Thema Energieeinsparung noch so viel Aufklärung und Beratung nötig und wer soll diese leisten?

Pehnt:  Eine zielgerichtete Energieberatung und Begleitung der Maßnahmen könnte viel bewirken. Wir brauchen langfristige Konzepte und keine Sanierungen ohne Ziel und Plan. Über eine gute Beratung – wir nennen das "gebäudebezogener Sanierungsplan" – könnten viel mehr Hausbesitzer zum Sanieren und zum Einbau neuer Heizanlagen motiviert werden. Aber auch dafür wäre eine Unterstützung von Seiten der Politik gefragt, also Unterstützung bei Weiterbildungsmaßnahmen beispielsweise.

DHZ: Für das Handwerk ergeben sich durch die Energiewende viele neue Chancen. Aber die Betriebe sind stark von den politischen Entscheidungen abhängig. Ob gefördert wird oder nicht, bestimmt auch über die Anzahl der Aufträge mit. Wie sehen Sie die Lage der Betriebe und was können sie selbst tun, um die Energiewende zu unterstützen?

Mehr zum Thema

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2013
Alle Rechte vorbehalten

Kommentare und Bewertungen Kommentar verfassen

Durchschnittliche Bewertung dieses Artikels:
starstarstarstarstar
(2 Bewertungen)
Ihre Bewertung dieses Artikels:

Zum Bewerten klicken Sie bitte auf die Sterne

Es sind noch keine Kommentare vorhanden. Schreiben Sie den ersten Kommentar

Umfrage

Neues Insolvenzrecht: Vor- oder Nachteil fürs Handwerk?

Gewinnspiel

Verlosung: Reise in die Schweiz

Reise-Gewinnspiel: Ab in die Schweiz!

Mitmachen und gewinnen! Erleben Sie die Natur der Schweizer Berge, die Kultur der UNESCO-Welterbestädte oder die Shoppingmöglichkeiten in der zollfreien Stadt Samnaun.

Meinung

Unternehmer will gelernt sein

Die Zahl der Existenzgründungen ist deutlich zurückgegangen. Neugründungen sind außerdem oft Ein-Mann-Unternehmen, die ohne Geschäftsidee starten. Die Analyse zeigt: Nur solide Qualifikation hat Zukunft. Von Lothar Semper

Wissensquiz

Alltag in Zahlen: Schätzen Sie mal...

Wie viel Handwerk steckt eigentlich in unserem Alltag? Testen Sie Ihr Wissen. Jetzt starten

Newsletter

DHZ-Aktuell