Meinung -

Leitartikel Elektromobilität am Ende?

Nach derzeitigem Stand erfüllt die Elektromobilität bei weitem nicht die ursprünglich in sie gesetzten Erwartungen und Prognosen. Kaufprämien allein werden allerdings nicht zu einer Trendwende bei E-Autos führen.

Bundeskanzlerin Merkel muss eingestehen, dass die Bundesregierung von ihrem Ziel, bis 2020 eine Million Elektroautos auf unseren Straßen unterwegs sehen zu wollen, meilenweit entfernt ist. Laut Kraftfahrzeugbundesamt wurden 2015 gerade mal knapp 12.400 Elektroautos neu zugelassen. Alle alternativen Antriebsarten zusammen erreichen nur einen Marktanteil von 1,7 Prozent. Insgesamt dürften derzeit etwa 50.000 Elektroautos bei uns unterwegs sein. Was läuft da schief, dass das gesetzte Ziel so in weite Ferne zu rücken scheint?

Probleme bei Preis, Reichweite und Ladeinfrastruktur

Drei Faktoren sind es, die hier die ausschlaggebende Rolle spielen: Preis der Fahrzeuge, Reichweite und Ladeinfrastruktur. Der Preis kann derzeit nur Idealisten vom Kauf eines E-Mobils überzeugen. Allerdings ist bei den Stromspeichern mit deutlich sinkenden Preisen zu rechnen. Sie stehen derzeit jedoch im Wettbewerb zu rückläufigen Preisen bei den konventionellen Treibstoffen Benzin und Diesel. Von der Reichweite her sind E-Fahrzeuge momentan eher für den Kurzstrecken- und innerstädtischen Verkehr geeignet. Bezüglich der Ladeinfrastruktur muss klar sein, dass hier die Anbieter in Vorleistung gehen müssen. Nun wurde bekanntermaßen in Deutschland das erste Auto gebaut und unsere Hersteller sind nach wie vor weltweit spitze – allerdings nur bei konventionellen Antrieben.

Und auch hier hat das Image durch den VW-Abgasskandal Kratzer bekommen. Die deutsche Automobilindustrie muss sich den Vorwurf gefallen lassen, die Elektromobilität bisher stiefmütterlich behandelt zu haben. Sie wurde im Zweifel nur für den Produktmix gebraucht, um beispielsweise in den USA für die gesamte Flotte geforderte Werte beim CO2-Ausstoß zu erreichen. China ist übrigens derzeit der stärkste Wachstumsmarkt bei E-Fahrzeugen. Andere Automobilhersteller drohen die deutschen abzuhängen.

Auch bei Wasserstoff-Antrieb nicht vorn dabei

Das wäre weniger schlimm, wenn in Deutschland andere – durchaus denkbare – alternative Technologien wie Wasserstoff mit Hochdruck vorangebracht würden. Aber auch das ist nicht der Fall. Hinzuweisen ist allerdings darauf, dass Elektromobile nur dann der Umwelt dienen, wenn der Strom, mit dem sie betrieben werden, nicht aus Kohlekraftwerken stammt, sondern aus regenerativen Energien.

Angesichts der drohenden Diskussion um Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge in Innenstädten brauchen wir die Elektromobilität aber dringend als Alternative. Nun gibt es Länder, in denen es deutlich besser läuft. Norwegen ist eines davon. Hier betrug beispielsweise der Anteil der neu zugelassenen Elektrofahrzeuge an den Gesamtzulassungen Ende letzten Jahres 24 Prozent. Man hört, dass Fördermaßnahmen wie die Erlaubnis, Busspuren zu benutzen, wegen deren Überfüllung wieder zurückgenommen werden sollen.

In Deutschland sieht man den Königsweg in einer finanziellen Förderung. Diese hat sich schließlich schon bewährt: Beispiel Einführung des Katalysators und Abwrackprämie. Doch bewährt heißt nicht immer richtig. Das Gesamtpaket, wozu insbesondere auch die Ladeinfrastruktur zählt, muss stimmen. Sonst gibt es nur Strohfeuer­effekte. Nun soll auch die Automobilindustrie selbst etwas zu einer Kaufprämie beisteuern. Da könnte man allerdings schon fragen, warum die Hersteller Elektroautos nicht schon von Haus aus günstiger anbieten.

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