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Autoexperte für stärkere Förderung Elektro-Autos: Gabriel will Strategie bis März

Während Bundeswirtschaftsminister Sigmar Garbriel bis März mit der Autoindustrie eine Förderstrategie entwickeln will, hat Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer Vorschläge für eine differenzierte Förderung vorgelegt. Der Direktor des CAR-Center Automotive Research sieht "eine ganze Reihe guter Gründe" für eine Marktbelebung.

Nach dem Spitzentreffen von Bundesregierung und Auto-Managern zur Förderung der Elektromobilität peilen beide Seiten eine konkrete Förderstrategie innerhalb der nächsten Wochen an. "Bundesregierung und Automobilindustrie wollen dafür bis März einen gemeinsamen Handlungsrahmen entwickeln", sagte Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel laut Mitteilung zu den Ergebnissen der Beratungen vom Dienstagabend. Zu einzelnen Inhalten wurden keine Angaben gemacht. Die "industriepolitische Dimension" der Frage sei allen Teilnehmern aber bewusst, hieß es: "Das Thema E-Mobilität entscheidet zusammen mit der Digitalisierung über die Zukunft der Automobilindustrie."

Neben einer besseren Ladeinfrastruktur und der Weiterentwicklung der Batterietechnologie seien auch "Instrumente zur Verbesserung der Marktentwicklung" nötig, betonte Gabriel. Der SPD-Chef hatte sich für Kaufzuschüsse von 5.000 Euro pro Fahrzeug ausgesprochen, die die schleppende Entwicklung der E-Mobilität in Deutschland anschieben sollen. Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte direkte Prämien zunächst abgelehnt, vor dem Treffen im Kanzleramt aber ein Entgegenkommen signalisiert. Die Autohersteller müssten sich jedoch auch am Ausbau des Ladenetzes beteiligen.

Markt nicht existent

Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des CAR-Center Automotiv Research, sieht einige stichhaltige Gründe für eine Förderung von Elektroautos. Der Professor für Automobilwirtschaft spricht sich für eine diffrenzierte Förderung aus. Schließlich sei der Markt für E-Autos praktisch nicht existent. Hochrechnungen des CAR zufolge sind derzeit 29.500 reine Elektroautos und 15.900 Plug-in-Hybride auf Deutschlands Straßen unterwegs. Das sei "astronomisch" weit weg von dem 2008 verkündeten Ziel, bis zum Jahr 2020 eine Million Elektroautos zuzulassen. Demnach kommen derzeit knapp sieben Elektroautos auf 10.000 Pkw. "Schlechter kann eine Bilanz nicht aussehen", sagt Dudenhöffer.

Nach Erkenntnissen des CAR sind die Zahlen sogar noch geschönt. Knapp 50 Prozent der Fahrzeuge seien Eigenzulassungen und damit von Herstellern und Händlern angemeldet. Hinzu kommt, dass Preise für Benzin, die Komforteinbußen bei Elektroautos und der teure Strom weiterhin Autokäufer davon abhalten, sich für ein Elektroauto zu entscheiden.

Zu hohe Stickoxid- und CO2-Belastung

Dudenhöffer nennt fünf Argumente, warum man die Alternative Elektroauto fördern sollte. Er führt vor allem die hohen Stickoxid-Belastungen in Ballungsräumen sowie die schlechte Bilanz der Verbrennungsmotoren bei der Erfüllung von CO2-Grenzwerten an. Die ab 2021 geforderten Werte werde Deutschland nicht einhalten können. Auch als Industriestandort könne sich Deutschland eine Vernachlässigung dieser Technik nicht leisten. China habe allein im vergangenen Jahr 340.000 Elektroautos neu in den Markt gebracht. "Wollen wir vermeiden, dass Elektroautos und Plug-in-Hybride in Zukunft in China statt in Deutschland produziert werden, müssen wir gegensteuern", sagt er.

Einen Anschub hält Dudenhöffer daher für sehr wünschenswert, spricht sich aber für eine differenzierte Förderung aus. Ballungsräume sollten Vorteile haben und reine Elektroautos müsse man deutlich höher fördern als Plug-in-Hybride. Ganz entscheidend sei der Ausbau der Ladeinfrastruktur.

Auch Stefan Bratzel hält eine Aufwertung der Elektromobilität für unverzichtbar. "Wenn nicht massiv gegengesteuert wird, droht Deutschland bei der Elektromobilität abgehängt zu werden. Dies würde dem Automobilstandort Deutschland schwer schaden", sagt der Direktor des Center of Automotive Management (CAM). dpa/fm

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