Ein Pfennig für den Präsidenten - Meisterstücke - deutsche handwerks zeitung

Meisterstücke - 12.01.2010

Köhler trifft beim Neujahrsempfang auf einen wahren Glücksbringer

Ein Pfennig für den Präsidenten

Im Jahr 2000 gründete Thaddäus Mußner die "Aktion Kaminkehrer". Bis zum heutigen Tag sind der Initiative 400 Schornsteinfeger beigetreten, die über 350.000 Euro für bedürftige Kinder gesammelt haben. Nun wurde Kaminkehrer Mußner von Bundespräsident Horst Köhler geehrt.

Thaddäus Mußner hat's geschafft: Alle anderen Gastgeschenke lässt Bundespräsident Horst Köhler diskret aus dem Saal des Schloss Bellevue schaffen, kaum sind die verdienten Bürger bei seinem Neujahrsempfang weitergegangen. Doch Mußners Glückspfennig begutachtet der ehemalige Spitzenökonom besonders erfreut und steckt ihn gleich in die Hosentasche. Schließlich ist Mußner ein echter Schornsteinfeger.

Über beide Ohren strahlend in der typischen Montur – schwarze Kluft mit großen Messingknöpfen, weißes Halstuch und Zylinder – war der 49-jährige aus Freilassing in Bayern soeben forschen Schrittes auf das Staatsoberhaupt zugestapft. Angesichts dieses ungewohnten Anblicks im seinem vornehmen Schloss Bellevue erwiderte Köhler die Herzlichkeit sofort, rief laut "Heeej!" und holte dabei soweit zum Handschlag aus, als sei der Glücksbringer ein alter Kumpel.

"Er ist ein richtiger Herzensmensch!", berichtet Mußner anschließend überschwänglich. "Nach meiner Hochzeit und der Geburt meines Sohnes ist das der schönste Tag in meinem Leben."

Auszeichnung für "Aktion Kaminkehrer"

Dabei war der Präsident für ihn ein Fremder, bis er kurz vor Weihnachten plötzlich Post von ihm bekam – die Einladung für den Neujahrsempfang. "Da hab ich mich erst mal hinsetzen müssen." Dann habe er sich aber riesig gefreut. Wie 62 weitere geladene Bürger fiel der kräftige Bayer durch sein gesellschaftliches Engagement auf. Im Jahr 2000 hatte er die "Aktion Kaminkehrer" ins Leben gerufen, bei der mittlerweile 400 Vertreter der Zunft über 350.000 Euro für bedürftige Kinder gesammelt haben.

Nach dem ersten Schreck über die Einladung von ganz oben buchte Mußner gleich den Flug nach Berlin. "Und jetzt bin ich auch schon da!" In der Nacht habe er allerdings fast kein Auge zu getan, gibt er zu. "Ich war sehr nervös, aber wenn man dann vor ihm steht... dann geht's wie immer."

63 Mal Händeschütteln, 63 kleine nette Pläuschchen, hieß es für den Bundespräsidenten allein bei den verdienten Normalbürgern – ganz abgesehen von unzähligen hohen Repräsentanten von Parteien, Bundestag, Bundesrat, Bundesgerichten, Bundeswehr, Wirtschaft, Gewerkschaften, Wohlfahrts-, Umweltschutz und Hilfsorganisationen. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihr gesamtes Kabinett waren natürlich geladen.

Und eben Mußner. Und als der Bayer dann an der Reihe war und Köhler und seiner Gattin Eva stolz je einen Pfennig die Hand drückte, punktete Köhler beim Plausch mit erstaunlichem Hintergrundwissen über die Veränderungen, die derzeit dem bislang monopolisierten Schornsteinfegerhandwerk ins Haus stehen. "Er hat genau Bescheid gewusst", wundert sich Mußner. Das Fazit des Glücksbringers: "Das ist eine wunderbare Auszeichnung für das, was man geleistet hat. Ich werde das immer in meinem Herzen behalten."

Jan Staiger/ddp

 
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