Azubi -

Schule-Wirtschaft Ein Date für die Azubisuche

Die Suche nach guten Azubis ist schwierig geworden. Selbst wer sich intensiv um den Nachwuchs bemüht, hat keine Garantie, dass immer alles glatt läuft. Dennoch lohnt sich die Mühe, beweist ein Metallbaubetrieb aus Unterfranken.

Wer einen Partner fürs Lebensucht, geht zum Speeddating.Wer einen Azubi finden will, auch.Doris Fenn, Geschäftsführerin vonFenn Metallbau im unterfränkischenBergrheinfeld, nahm während einerAusbildungsmesse an einem solchenSpeeddating teil.

In kurzen Gesprächenstellten sich Schüler den Ausbildernaus ihrer Region vor – derKontakt zu einem künftigen Azubiwar geknüpft.

Enger Kontakt zu Schulen

Doris Fenn investiert viel, um guteAzubis zu bekommen. Sie besuchtMessen, beteiligt sich am Girls’Day,spricht auf Veranstaltungen; vor allemaber engagiert sie sich bei "Schule-Wirtschaft“, einem Netzwerk unterdem Dach der Bundesvereinigungder Deutschen Arbeitgeberverbändeund des Instituts der deutschen Wirtschaft(IW) in Köln.

Ziel ist es, die Zusammenarbeitund gegenseitige Unterstützungvon Schulen und Unternehmenzu fördern. "Das ist eine gelungeneSymbiose“, findet die Unternehmerin.Sie informiert im regionalenArbeitskreis über Entwicklungenaus dem Handwerk. "Im Gegenzugerhalte ich Hinweise zu Lehrplänen,Veränderungen im Schulsystem oderzu Unterrichtsabläufen.“ Ihr neuesWissen überträgt sie auf die täglicheArbeit und sorgt so für einen hohenAusbildungsstandard.

Vom Praktikum zur Ausbildung

Doch bleibt es nicht beim theoretischenAustausch. Regelmäßig kommenSchüler ins Unternehmen, zunächstfür eine Werkstattwoche im8. Jahrgang der Mittelschule. Demfolgt eine intensive Praktikumsphase,in der die Schüler einmal pro Wocheim Betrieb sind, um Abläufe besserkennenzulernen.

In einer zweitenPraktikumsphase bekommen siedann eine betriebliche Lernaufgabe,mit der sie ihre praktischen Kenntnissevertiefen. In dieser Zeit lernennicht nur die Schüler, sondern auchdie Eltern und Lehrer viel über dasUnternehmen. Doris Fenn informiertgezielt, erläutert, welche Möglichkeitensie für das Kind im Unternehmensieht. "Ich bin absoluter Fan dieserMaßnahme, wir konnten schon zweiAzubis hieraus akquirieren“, freut siesich.

Azubifülle inmitten des Fachkräftemangels

Insgesamt acht der 26 Mitarbeitervon Fenn Metallbau sind Auszubildende.Das ist ein bemerkenswerterAnteil. Die Metallinnung in der RegionMainfranken registriert seit Jahreneinen Azubischwund. 2002 wurdennoch 105 Gesellen freigesprochen,2015 nur noch 44.

Der Lehrlingsmangel zeigt sich in allenBranchen. "2015 gab es im gesamtenHandwerk in Unterfranken2.780 neue Ausbildungsverträge“, dokumentiertDaniel Röper, Pressesprecherder Handwerkskammer für Unterfranken."Das ist zwar eine kleineSteigerung im Vergleich zum Vorjahr.Doch hätten die Betriebe gerne25 Prozent mehr einstellen wollen“,setzt er die Zahlen ins Verhältnis.

Nirgendwo in Deutschland kommengute Azubis heute noch von allein.Nur mit viel Engagement lässtsich ein Handwerksbetrieb so positionieren,dass er als attraktiver Ausbilderwahrgenommen wird, der inder Konkurrenz um Arbeitskräfte mitder Industrie bestehen kann.

Ausbildung als Voraussetzung für Erfolg

Doris Fenn hat bei dieser Aufgabemittlerweile ihre Tochter Julia alszweite Geschäftsführerin an ihrerSeite. Seit 2015 ist die Fachingenieurinfür Fenstertechnik Ausbildungsleiterinfür die gewerblichen Azubisund arbeitet außerdem gerade an ihremMaster für "Fenster und Fassade“.

Mutter wie Tochter sehen in derAusbildung die Voraussetzung für ihrenwirtschaftlichen Erfolg: "Wir wollenzufriedene Kunden. Also verbessernwir kontinuierlich unsere Produkteund Dienstleistungen. DasFundament wird hierfür in unsererPersonalpolitik, insbesondere in derAusbildung, gelegt.“

Nicht nur in der Region, auch aufBundesebene hat es sich herumgesprochen,dass es sich bei Fenn gutarbeitet. Vor wenigen Wochen wurdedas Unternehmen im Bundeswirtschaftsministeriummit dem zweitenPlatz beim "Schule-Wirtschaft“-Preisgeehrt.

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