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Interview mit Bankenexperte Hans-Peter Burghof Effekte durch Niedrigzinspolitik der EZB überwiegend negativ

Bankenexperte Hans-Peter Burghof ist der Meinung, dass die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) überwiegend negative Effekte mit sich bringt. Leidtragende sind vor allem Sparer – aber auch Unternehmen, die kurzfristig Geld parken.

DHZ: Herr Professor Burghof, bei der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) ist kein Ende in Sicht. Wer kann sich darüber eigentlich noch freuen?

Burghof: Freuen kann sich eigentlich niemand. Insgesamt überwiegen die negativen Effekte. Selbst bei denjenigen, die günstige Kredite aufnehmen können, kommt es mitunter zu Fehlanreizen. Denn die Politik des billigen Geldes verleitet manchen, einen Kredit aufzunehmen, der es eigentlich gar nicht dürfte und der bei steigenden Zinsen leicht in Schwierigkeiten kommen kann.

DHZ: Finanzminister Wolfgang Schäuble spielt die aktuelle Situation gleichwohl in die Karten, oder nicht?

Burghof: Natürlich profitiert Finanzminister Schäuble vom aktuellen Zinsniveau. Wenn er heute Geld aufnimmt, bezahlt er keine Zinsen mehr. Allerdings wächst damit auch der Druck auf ihn und seine europäischen Amtskollegen, mehr Geld auszugeben, die Haushaltsdisziplin zu vernachlässigen und notwendige Reformen weiter aufzuschieben.

Niedrigzinspolitik auch belastend für Unternehmen

DHZ: Sie sprechen von negativen Effekten. Wo wirken sich denn die niedrigen Zinsen besonders belastend aus?

Burghof: Die niedrigen Zinsen bis hin zu Negativzinsen belasten natürlich alle, die von Zinseinkünften leben oder leben werden. Das sind Bürger, die ihr Geld sparen und später einmal weniger für ihre private Altersvorsorge bekommen werden. Das sind Versicherungen, die ihr Geld nicht mehr sinnvoll anlegen können. Das sind Stiftungen, die für gemeinnützige Projekte weniger Erträge erzielen. Das sind Unternehmen, die Geld kurzfristig parken wollen und dafür Geld bezahlen.

DHZ: Wie sieht es mit Banken aus?

Burghof: Ihre Zinsmargen verringern sich immer mehr. Das wird das Bankensystem destabilisieren. Banken subventionieren zunehmend ihre Einlagenseite. Gerade kundennahe Banken können ihre Einlagenzinsen nicht negativ machen. Im Zweifelsfall holt der Kunde sein Geld sonst ab. Gleichzeitig müssen sie sich auf der Kreditseite an den niedrigen Marktzinsen orientieren. Dauerhaft geht das nicht gut. Dies wird vor allem dann deutlich, wenn man die heutigen Bilanzen bis zum Jahre 2018 oder 2020 fortschreibt.

Alternativen sind risikobehaftet

DHZ: Auch Sozialkassen wie der Gesundheitsfonds klagen über negative Zinsen. Gibt es für sie keine andere Möglichkeit, ihr Geld zu parken?

Burghof: Theoretisch gibt es viele Möglichkeiten, das Geld anders anzulegen. Allerdings ginge man damit andere Risiken ein. Dies will man aber bei den Sozialversicherungen nicht. Auch die Sozialkassen kommen deshalb am Negativzins nicht vorbei. Wer dies nicht möchte, muss Überschüsse minimieren oder entsprechende staatliche Subventionen einfordern.

DHZ: Die Europäische Zentralbank begründet ihre Niedrigzinspolitik mit der niedrigen Inflationsrate und möglichen Deflationsgefahren. Ist dies gerechtfertigt?

Burghof: Im Prinzip ist es die Auf­gabe der EZB, für Preisstabilität zu sorgen. Die wird bei einem Inflationsziel von zwei Prozent definiert. Das ist relativ willkürlich. Preisstabilität ist eigentlich alles, was um eine Rate von einem Prozent liegt. Und da sind wir eigentlich, insbesondere wenn man die niedrigen Energie­preise herausrechnet. Deshalb muss die EZB die Zinsen wieder schritt­weise erhöhen. Und selbst dann werden sie immer noch relativ niedrig sein.

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Christoph

Firmen die kurzfristig Geld parken

Geld parken kostet doch erst am 1 Million etwas. Wer so viel ha, der kann meiner Meinung nach schon bischen was bezahlen.und er kann es ja auch im eignenen Treor aufbewahren wenn er sparen will.