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Ausbildung und Studium in einem Duales Studium: Doppelpack für Ehrgeizige

Dem Handwerk gehen die Auszubildenden aus. Seit 2007 ist die Zahl der Bewerber für einen Ausbildungsplatz bundesweit um 19 Prozent zurückgegangen. Gleichzeitig drängt mehr als die Hälfte der Schulabsolventen an die Hochschulen. Doch Ausbildung und Studium schließen sich nicht gegenseitig aus. Wie das Handwerk an neue Spitzenkräfte kommt.

Studium und Ausbildung in einem – für Nikolai Gilck die perfekte Kombination. "Das ist wie für mich geschaffen. Ich mag die praktische Arbeit mit Holz, aber mir macht auch das Planerische, Architektonische Spaß“, erklärt der 28-Jährige.

Gilck arbeitet als Baustellenleiter bei Holzbau Wörndl in Eggstätt. Hier, bei Zimmermeister Franz Wörndl, hatte er 2008 seine Ausbildung begonnen. Parallel studierte er an der Hochschule Rosenheim im Studiengang Holzbau und Ausbau.

Den Gesellenbrief hatte er nach knapp drei Jahren in der Tasche, den Bachelor ein Jahr später und den Meisterbrief hängte er auch noch an. Sein Chef Franz Wörndl schwärmt: "Mit ihm ist es einfach super.“ Vier duale Azubis beschäftigte Wörndl bisher in seinem 23-Mann-Betrieb, für ihn eine Möglichkeit, Fachkräfte nachzuziehen.

Dual Studierende sind Fachkräfte von morgen

Nicht nur Franz Wörndl muss sich um guten Nachwuchs bemühen. Seit Jahren entscheiden sich immer mehr junge Menschen gegen eine betriebliche Ausbildung und für ein Studium. Die Quote der Studienanfänger lag 2014 bei über 57 Prozent. Geht der Trend so weiter, beginnen im Jahr 2030 nur noch rund 400.000 junge Leute eine Ausbildung, hat die Bertelsmann Stiftung errechnet.

Diese Entwicklung verschärft die Nachwuchssorgen im Handwerk, das ohnehin unter den Folgen des demografischen Wandels leidet. Immer mehr Betriebe ziehen sich mangels Azubis aus der Ausbildung zurück. Die steigende Zahl dualer Studiengänge birgt aber eine Chance. Sind akademische und handwerkliche Ausbildung verzahnt, können ehrgeizige junge Menschen über das Verbundstudium an den Betrieb gebunden werden.

Studium mit viel Praxis

Drei Formen der dualen Studiengänge gibt es:

  1. ausbildungsintegrierend: Studium und berufliche Ausbildung laufen parallel und führen zu Hochschulabschluss und Gesellenbrief.
  2. berufsintegrierend: Hier bilden sich junge Leute, die bereits über Berufserfahrung oder eine Berufsausbildung verfügen, im Studium weiter und verbinden es mit ihrer beruflichen Tätigkeit.
  3. praxisintegrierend: Während des Studiums absolviert der Studierende längere Praxisphasen in einem Unternehmen,  macht aber keinen Abschluss im Ausbildungsberuf.
Immer mehr Hochschulen bieten ­solche Studiengänge an. "In Bayern sind Zimmerer, Schreiner und Elektrohandwerk besonders stark vertreten. Aber wir bieten das in jedem Beruf an, etwa auch für Brauer und Mälzer, die ihre Ausbildung mit dem Studium der Brau- und Getränketechnologie verbinden können“, sagt Georg Schärl von der Handwerkskammer für München und Oberbayern.

Ein Spaziergang sind Verbundstudiengänge, wie der von Nikolai Gilck absolvierte, nicht. Dual Studierende haben deutlich weniger Ferien als Standardstudierende. Dafür müssen sie keine Seminararbeiten oder zusätzliche Grundpraktika nachweisen und verdienen während ihrer Arbeitsphasen im Betrieb Geld.

Abwechselnd im Betrieb und an der Hochschule

Im ersten Jahr bleibt der "Duali“ komplett im Unternehmen. Er kann die Berufsschule besuchen, muss aber nicht. Ab dem zweiten Jahr beginnt das Studium. Nur während der langen Semesterferien sowie für ein weiteres Praxissemester kehrt der Student in sein Unternehmen zurück.

Wie herkömmliche Azubis auch, macht der dual Studierende seine Gesellenprüfung und arbeitet für den Rest des Studiums während der Semesterferien als Werkstudent im Betrieb mit.

Ausbilder müssen für duale Azubis mehr Organisationsaufwand einberechnen. Sie brauchen einen eigenen Ausbildungsvertrag, immer wieder müssen Terminpläne mit der Hochschule abgestimmt werden. Für Wörndl lohnt sich der Aufwand trotzdem: "Die jungen Leute bringen so viel vom Studium mit, das tut jedem Betrieb gut.“

Auch die gemeinsame Projektarbeit mit der Fachhochschule Rosenheim weiß der Zimmermeister zu schätzen. Einziger Wermutstropfen für ihn: Bisher konnte er keinen seiner Dualis dauerhaft binden. Selbst Gilck, mit dem er sich so gut versteht und der sich eine Zukunft im Unternehmen gut vorstellen könnte, wird ihn im kommenden Jahr verlassen – private Pläne ziehen ihn nach Afrika.

Wege zum Verbundstudium

Das Vorgehen für Azubis

  1. Ausbildungsstelle akquirieren über Lehrstellenbörsen der Handwerkskammern, Innungen, regionale Agenturen für Arbeit, Initiativbewerbungen oder Stellengesuche
  2. um Studienplatz bewerben

Anlaufstellen für Unternehmer

Lehrstellenbörse der Handwerkskammer, Kooperationen mit Hochschulen, Hochschulinformationstage, Informationen an örtlichen Schulen (Gymnasium, Berufsoberschule, Fachoberschule), Jobbörse der Agentur für Arbeit, Veranstaltungen der regionalen Agenturen für Arbeit.

Die Hochschulrektorenkonferenz hat unter www.hochschulkompass.de wertvolle Informationen zum dualen Studium in ganz Deutschland zusammengetragen. Unter www.hochschule-dual.de sind nformationen über das duale Studium in Bayern hinterlegt.
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