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Lehre Duale Bildung ist Standortvorteil Europas

Auf einer internationalen Konferenz in Brüssel haben Vertreter des Handwerks die Vorteile des deutschen Bildungssystems herausgestellt. Die EU nimmt sich Deutschland zum Vorbild.

Groß ist das Interesse in der Europäischen Union an der betrieblichen Berufsausbildung. Dies wurde in der EU-Hauptstadt Brüssel auf einer internationalen Konferenz deutlich, die von der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main initiiert wurde. Das besondere an den Gesprächsrunden und dem Erfahrungsaustausch war die Teilnahme von Regierungs- und Wirtschaftsvertretern aus den hessischen Partnerregionen Aquitaine-Limousin-Poitou-Charentes (Frankreich), Emilia-Romagna (Italien) und Wielkopolska (Polen).

Handwerkskammer-Präsident Bernd Ehinger veranschaulichte die Bedeutung der Dualen Bildung als Standort-Faktor: "Wir möchten mit unseren europäischen Partnern noch stärker ins Gespräch kommen und dafür werben, welche Vorteile die Duale Bildung für Wirtschaft und Gesellschaft hat." Aus Sicht des deutschen Handwerks sichert die duale Bildung die Zukunft und Prosperität in Europa und schafft die Basis für die Bekämpfung des Fachkräftemangels.

Betriebsnahe Berufsbildung

Die Vertreter der Partnerregionen wiesen auf den Vorbildcharakter hin, den für sie das deutsche betriebsnahe Berufsbildungssystem besitze. Die Bedeutung der Unternehmen in der Ausbildung spiele eine wichtige Rolle in dem neuen Pakt für Arbeit in Italien, sagte Prof. Patrizio Bianchi, der in der Regionalverwaltung der Emilia-Romagna für Europapolitik und Berufliche Bildung zuständig ist. Gleiches gelte für Polen, wo es der Wirtschaft in ihrer Woiwodschaft gut gehe und die Jungendarbeitslosigkeit bei nur rund fünf Prozent liege, sagte Marzenna Wodzinska aus Wielkopolska. Wie wichtig die Regionen bei der Verbesserung der beruflichen Fertigkeiten dank betrieblicher Anbindung sind, zeigte auch der Direktor für duale und berufliche Ausbildung aus der französischen Partnerregion, Emmanuel Closse. "Ohne Unternehmen geht es nicht“, fasste der Moderator der Veranstaltung, der Journalist Peter Riesbeck, die Diskussion zusammen.

Grundsätzlich seien bei der betrieblichen Bildung in der EU "auf allen Ebenen“ noch Verbesserungen erforderlich, sagte Helen Hoffmann, die sich in der Generaldirektion Beschäftigung, Soziales und Integration der EU-Kommission mit diesem Thema beschäftigt und auf eine Vielzahl von EU-Aktivitäten zur Förderung der Berufsbildung hinwies. Dazu zählt zum Beispiel "Erasmus Plus“, das erfolgreiche EU-Programm zur Förderung der Mobilität von Auszubildenden. Auch zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit sei die Beteiligung von Unternehmen sei entscheidend, sagte die EU-Beamtin. Erfrischend war der Erfahrungsbericht von der deutschen Konditorin Sara Heydweiller, die nach dem Abitur eine Lehre im EU-Ausland absolvierte. „Ausbildung lohnt“ und es sei sinnvoll, auf dem Weg zum Meister Auslandserfahrungen zu machen, sagte Heydweiller. Was sie aus den Auslandserfahrungen mitgenommen hätte? „Selbstbewusstsein, Eigenständigkeit, Freundschaften und Sprachkenntnisse“, sagte spontan die sympathische Konditorin.

Akademische Ausbildung nicht bevorzugen

"Die Europäische Kommission hat Anfang Juni die Mitteilung "Eine europäische Agenda für Kompetenzen“ vorgelegt. Unter anderem erhält sie Vorschläge wie "Stärkung der beruflichen Bildung“ und „Einführung einer europäischen Ausbildungswoche“. "Das ist sehr erfreulich aus meiner Sicht“, sagte Kammerpräsident Ehinger. "Darauf sollten wir aufsetzen. Wir müssen uns gemeinschaftlich auf den Weg machen, die duale Bildung in Europa zukunftsfähig zu gestalten.“ Dabei müsse man genau anschauen, die akademische Ausbildung nicht zu bevorzugen: Wir dürfen nicht am Bedarf vorbei ausbilden.“, so Ehinger abschließend.

Hessens Kultusstaatssekretär Manuel Lösel betonte im Rahmen der Podiumsdiskussion den Stellenwert des dualen Bildungssystems in Deutschland: „Wir sind zutiefst davon überzeugt, dass das System der dualen Ausbildung ein Erfolgsmodell auch im europäischen Kontext ist. Unsere Erfahrung in vielfältigen Zusammenhängen hat jedoch gezeigt, dass nicht wenigen internationalen Akteuren die Funktionsweise dieses dualen Systems häufig nicht recht bekannt ist und daher viele berechtigte Fragen an uns gestellt werden.“

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