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Branchenreport Digitalisierung: So steht es im Handwerk

Alle reden davon und die Handwerker tun es einfach. In vielen Branchen ist die Digitalisierung längst Realität. Die DHZ hat bei fünf Branchenverbänden nachgefragt und zeigt Ausschnitte samt Chancen und Risiken.

Tischler und Schreiner

Dass die Produktion in vielen Betrieben computergestützt und damit digitalisiert ist, ist inzwischen selbstverständlich. Inzwischen können Schreiner mittels digitalisierter Produktion jede Holzform und -struktur verwirklichen. Eine Handfertigung in Einzelstücken kann aber geschäftlich genauso erfolgreich sein.

Digitalisierung: Es muss dem Betrieb nutzen

Der Innungsverband Tischler Schreiner Deutschland TSD fragt lieber: Was nutzt dem Betrieb? Denn das Thema umfasst nach Erkenntnissen von Frithjof Ludwig, Pressesprecher vom TSD, noch ganz andere Aspekte des Geschäfts: Kundenansprache und Marketing zum Beispiel.

Die gute Präsentation etwa könne viel wichtiger sein fürs Geschäft als die Frage des Produktionsablaufs. Planung, Darstellung und Konfiguration sind heutzutage in Verbindung mit der Expertise, die ein Tischler mitbringt, entscheidend für das Marketing und den Kundenbedarf.

Bei der Nachwuchsgewinnung über die Nutzung digitaler Medien ist die ­Digitalisierung inzwischen ebenso selbst­verständlich.

Elektro- und Informationstechnik

In den E-Handwerken ist die Digitalisierung vor allem Teil des Geschäftsmodells. Ohne technisches Know-how geht nichts mehr.

1. Die Digitalisierung ist ein wesentlicher Treiber für zahlreiche Anwendungen im Smart-Home-Markt. Die Nachfrage nach Gebäudeautomationslösungen, die Sicherheit, Energieeffizienz, Komfort und Mobilität erhöhen, nimmt zu.

2. Die Anforderungen an die Betriebe wachsen. Zusatzqualifikationen wie etwa "Energieeffizienz-Fachbetrieb" und "Gebäudesystemintegrator" können zum Wettbewerbsvorteil werden.

3. Hochqualifizierte Nachwuchskräfte werden benötigt.

4. Das Produkt der Zukunft wird mehr eine Dienstleistung sein. Der Kunde erwartet maßgeschneiderte Lösungen vom Fachbetrieb.

5. Das Zusammenspiel zwischen Handwerk, Industrie und Großhandel steht vor neuen Herausforderungen. Der dreistufige Vertrieb muss sich anpassen.

Sanitär, Heizung, Klima

Für das SHK-Handwerk bedeutet die fortschreitende Digitalisierung Herausforderung und Chance zugleich. Einerseits gerät der dreistufige Vertriebsweg unter Druck. Andererseits eröffnen sich neue Möglichkeiten und Geschäftsfelder.

Die Stichworte hierzu: Optimierung der Geschäftsprozesse, Smart Home, altersgerechte Assistenzsysteme. Die Digitalisierung im Bad führt zu einer Verschmelzung der Gewerke SHK und Elek­tro mit einer Adaption des Bades an die Nutzerbedürfnisse. Die Themen "Kommunikation und Unterhaltung" im Bad werden zunehmen.

Grundsätzlich gilt: Das Anforderungsprofil an die Qualifikation des SHK-Handwerkers wird weiter steigen. Es entstehen neue Angebots- sowie Beratungsformen. So ergeben sich neue Serviceleistungen bei der Fernwartung und der gesamten Kundenpflege durch CRM-Systeme (Customer Relationship Management).

Baugewerbe

Das Baugewerbe nutzt für seine Arbeit bereits viele technische Hilfsmittel zum Datenaustausch und zur Planung.

1. Tablets und Smartphones auf Baustellen: Apps zur mobilen Arbeitszeit­erfassung durch die Mitarbeiter sowie Programme für die Projektsteuerung und zum Führen eines Bautagebuchs.

Building Information Modeling

2. Digitale Bauakte: Die auf der Baustelle digital erfassten Daten werden via Cloud oder Datenleitung ins Büro gesendet. Dokumentenmanagement-Systeme bündeln sämtliche Daten zur digitalen Bauakte, die für jeden Projektbeteiligten einsehbar ist.

3. Elektronische Vergabe: Diese wird spätestens in zwei Jahren für europaweite Ausschreibungen in Deutschland Pflicht sein, für Ausschreibungen des Bundes bereits ab April 2017.

4. BIM (Building Information Modeling): BIM rückt immer stärker in den Fokus. Kosten-, Qualitäts- und Terminprobleme lassen sich demnach mit einer gründlicheren, modellbasierten Planung eindämmen – vorausgesetzt die gesammelten Informationen werden den ausführenden Unternehmen zugänglich gemacht. BIM ist eine kooperative Arbeitsmethode, mit der auf der Basis digitaler Bauwerksmodelle (3D-Modell) die relevanten Bauwerksdaten konsistent erfasst, verwaltet und zwischen den Projektbeteiligten ausgetauscht und zur Weiterbearbeitung in der Wertschöpfungskette übergeben werden. Mit BIM wird das Gebäude also zuerst virtuell gebaut – und dann real.

Kfz-Gewerbe

Das Kfz-Handwerk hat auch mit den negativen Auswirkungen der Digitalisierung zu kämpfen, denn Handel und Werkstätten sind bei diesem Themenfeld sehr stark von den Herstellern abhängig. Im Handel etwa streben Hersteller den direkten Kontakt mit ­potenziellen Kunden an, ohne dass sich Dritte dazwischen­drängen.

Fatal wäre es nach Ansicht des Zentralverbandes Deutsches Kfz-Gewerbe (ZDK), wenn die Fabrikatshändler dadurch nur noch die Funktion von Auslieferungszentren hätten. Ebenfalls problematisch ist, wenn Autohändler – um Preise zu drücken – über Internet-Plattformen mit Internetvermittlern kooperieren – auf Kosten der Händler, die nicht mit Vermittlern zusammenarbeiten.

Erfolgreich war der Verband beim Thema Freigabe von Daten und Informationen zum Kraftfahrzeug. Hier sind Kfz-Betriebe auf einen gleichberechtigten Zugang angewiesen, der Kunden den erforderlichen Service und neue Leistungen anbieten kann.

Einen Teilerfolg hat der ZDK in Brüssel beim Thema Telematik erzielt. Die Einführung des automatischen Notruf-Systems eCall ab April 2018 geschieht auf einer standardisierten Plattform für verschiedene Telematik-Dienstleistungen. Mit Hilfe der standardisierten Plattform können die Autofahrer frei entscheiden, an wen sie ihre Fahrzeugdaten und Informationen übermitteln. dhz

Hautnah und Live dabei

Liveblog: Deutscher Handwerkstag 2016 in Münster

Reporter der Deutschen Handwerks Zeitung berichten vom 8. bis 9. Dezember via Liveblog vom Deutschen Handwerkstag in Münster. Von der Wahl des ZDH-Präsidenten bis zum ZDH-Forum mit Angela Merkel – Bei uns verpassen Sie keinen Programmpunkt.
Hier geht´s zum Liveblog.

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