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Wettbewerb unter den Brauereien Die klassische Bierflasche verschwindet

Immer mehr individuell gestaltete Bierflaschen kommen auf den Markt. Das verändert das etablierte Pfandsystem und es erhöht den Wettbewerb. Wird es die klassische Bierflasche bald nicht mehr geben? Die Brauereien haben unterschiedliche Strategien.

Der Trend ist nicht neu, doch er wird immer sichtbarer. Immer mehr Brauereien – ob groß oder klein – setzen statt auf eine der bekannten Flaschenformen auf individuelle Bierflaschen. Sie wollen sich von den Mitbewerbern unterscheiden, denn der Wettbewerbsdruck ist hoch. Die Zahl der Brauereien in Deutschland ist in den vergangenen Jahren um rund 100 angewachsen.

Bier hat hohe Mehrwegquote

Begonnen hat die Entwicklung bereits seit den 1990er Jahren, als erste Brauereien Flaschen nach eigenen Vorgaben gestalten ließen und in den Umlauf brachten. Der Grund: die Verbrauchererwartungen veränderten sich. "Mehr und mehr Verbraucher suchten nach Produkten, die sich von Altbewährtem absetzten", sagt Marc-Oliver Huhnholz, Sprecher des Deutschen Brauer-Bunds. Hierauf mussten sich auch die Brauereien einstellen. Ausschlaggebend waren also Marketinggesichtspunkte. Doch genau diese führen nun zu Veränderungen, die mehr sind als reine "Werbung" für den Betrieb.

Zwar bleibt die hohe Mehrwegquote von über 80 Prozent der deutschen Brauwirtschaft auch dann bestehen, wenn immer mehr Individualflaschen im Umlauf sind. Zum Vergleich: Bei alkoholfreien Getränken liegt die Quote nur bei 30 Prozent und bei Fruchtgetränken sogar nur bei zehn Prozent. Dennoch steigen der Aufwand und damit auch die Kosten für die Brauereien und den Getränkehandel, wenn immer mehr individuelle Flaschen verwendet werden. Vor allem beim Sortieren ist mehr zu tun und natürlich möchte auch jede Brauerei möglichst viele der eigenen Flaschen zum Wiederbefüllen zurückbekommen – ein Problem, das die kleinen Brauereien stärker spüren als die großen.

Flaschenqualität bleibt gut

Ist das Flaschensystem beim Bier eigentlich durch die Nutzung der klassischen Euroflaschen als Pool angelegt, aus dem jede Brauerei die Flaschen nutzen kann, so schrumpft dieser Pool, wenn es weniger Teilnehmer gibt. Weniger Poolflaschen im Umlauf bedeutet aber auch, dass diese öfter verwendet werden und sich eventuell auch schneller abnutzen. Befürchtungen werden deshalb laut, dass die klassische Bierflasche bald immer seltener zu sehen ist und dass sie immer abgenutzter aussieht.

Das möchte der Deutsche Brauer-Bund zwar nicht bestätigen: "Die Umlaufquoten sind heute auf hohem Niveau unterschiedlich hoch. Selbst Flaschen, die vielfach wiederverwendet wurden, können sowohl technische wie verbraucherrelevante Anforderungen erfüllen", sagt Marc-Oliver Huhnholz. Doch der Bierkonsum in Deutschland nimmt ab und so sind auch weniger neue Glasflaschen im Flaschenpool. Da ein großer Teil der großen Brauereien bislang aber noch auf die Euroflaschen setzt, speisen so auch viele von ihnen Flaschen in den Pool ein. "So ändert sich an der Flaschenqualität aus unserer Sicht nichts", sagt Huhnholz.

Zurück zur klassischen Flasche und bewusst individuell: So handeln Brauereien

Im Gegenteil gibt es auch Brauereien, die bewusst zurück zur Euroflasche gehen – ebenfalls aus Marketinggründen. So hat die Brauerei Arcobräu aus dem niederbayerischen Moos bei einem Teilsortiment wieder die klassischen 0,5- und 0,33-Liter-Flaschen eingeführt. "Wir haben mit der ‚Mooser Liesl‘ unter der Dachmarke Arcobräu eine neue Submarke kreiert, die im bekannten Flaschenformat abgefüllt wird", erzählt Vertriebschef Holger Fichtel. Und damit hat die Brauerei Erfolg, denn es gibt durchaus Biertrinker, die traditionelles Bier auch gerne in den bekannten Flaschenformen trinkt. Holger Fichtel nennt als Beispiel auch die Erfolgsmarke ‚Augustiner‘. "Die vermarkten ihr Bier schon immer in der Euroflasche."

Aus seiner Sicht spielt bei dem Thema der starke Wettbewerb zwischen den Brauereien eine große Rolle. Fichtel bezeichnet ihn sogar als  Verdrängungspolitik. "Der Sortieraufwand hat sich definitiv vervielfacht und dadurch steigen logischerweise auch die Kosten", berichtet er aus der Praxis. Da sich die deutschen Brauer beim Flaschenpool nicht einigen können wird die bestehende Poolflasche seiner Meinung nach immer mehr unter Druck geraten.

Andere kleine Brauereien ziehen deshalb die gleichen Schlüsse wie die großen und versuchen sich mit mehr als nur einem individuellen Logo von der Masse abzuheben. So etwa die Brauerei Weldebräu aus dem Baden-Württembergischen Plankstadt im Rhein-Neckar-Kreis. "Individualität leben und brauen", liest man auch als erstes, wenn man die Internetseite der Brauerei besucht. Zu sehen sind dann Flaschen, deren Hälse einen Knick haben – unverkennbar ein Eyecatcher. Hans Spielmann von Weldebräu sagt zur der Entscheidung, eine ganz eigene Bierflasche auf den Markt gebracht zu haben: "Die Verbraucher wollen eine perfekte Flasche – sauber und ohne Kratzer". Das könnten die Flaschen aus dem großen Pool nicht leisten.

Dass sich die Brauerei damit ganz bewusst aus dem branchenumfassenden Flaschenpool raushält, erhöht zwar auch aus seiner Sicht  den Sortieraufwand, doch der Verkauf über die individuelle Flasche lohne sich trotzdem. Die Praxis zeigt: Etwa 90 Prozent der Flaschen bekommt Weldebräu über das Pfandsystems des Handels zurück. Das kann funktionieren, da die Brauerei ihr Bier vor allem in der Region verkauft und mit anderen regionalen Getränkehändlern einen Flaschentausch vereinbart hat. Vom Handel bekommt Weldebräu zwar die Menge an Pfandflaschen zurück, die auch ausgeliefert wurden. Doch das sind nicht nur die eigenen Flaschen, sondern eine Mischung aus all dem, was der Handel an Bierflaschen zurückbekommen hat.

Hans Spielmann beurteilt die derzeit geltenden gesetzlichen Pfandvorgaben als "volkswirtschaftlichen Blödsinn", denn er darf sein Bier nicht wie etwa die Winzer in der nahen Umgebung in Pfandflaschen verkaufen und für weiter entfernte Abnehmen in Einwegkartons. "Brauereien, die sehr weit entfernt sind, können wir nicht die Flaschen zurückgegeben. Die Transportkosten sind zu hoch", sagt er. Die Flaschen landen im Altglascontainer und die Kästen im Abfall. Trotzdem nennt sich dieses System "Mehrweg". Spielmann hätte gerne eine Lösung von der Politik, die alle Branchen gleich behandelt.

Tag des deutschen Biers

Der 23. April ist ein Feiertag für die Brauereien, denn am 23. April ist jedes Jahr der „Tag des deutschen Biers“. Dann feiern die deutschen Brauer Jahr für Jahr mit zahlreichen Veranstaltungen und Festen das deutsche Reinheitsgebot. Dieses "älteste Lebensmittelgesetz der Welt", wie es der Deutsche Brauer Bund nennt, wurde am 23. April 1516 proklamiert, und seitdem gilt per Gesetz: Nur Wasser, Hopfen und Gerste gehört ins Bier. Die Hefe wurde erst später erwähnt, als man in der Lage war, Hefe herzustellen.

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